ursprünglich erschienen: 17.09.2015

Manche erwischt es unerwartet, bei Anderen kündigt es sich schleichend an: die berufliche Unzufriedenheit. Nicht nur die “Angehörigen” der sogenannten Generation Y empfinden einen zunehmenden Wunsch nach erfüllenden Aufgaben im Beruf und nach Mehrwert in der Tätigkeit. Glaubt man Studien, ist sogar jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland unzufrieden. Auch immer mehr Wirtschaftswissenschaftler sind trotz oft gutem Gehalt nicht glücklich. Woran das liegt?

Schwer zu sagen. Vermutlich auch daran, dass Missstände in der Gesellschaft für Einige irgendwann sichtbarer hervortreten. Insbesondere gut ausgebildete Young Professionals werden sich bewusst, dass sie das Wissen besitzen, um langfristig gesellschaftliche Strukturen zu verändern. Gutes zu tun. Wie diese Unzufriedenheit behoben werden kann?

Die Lösung klingt einfach: den Traumberuf finden. Der sollte am besten kombinieren, was einem wichtig ist, persönliche Zufriedenheit schaffen, herausfordernd sein und gesellschaftlichen Wandel vorantreiben.

Wenn man also die grundsätzliche Entscheidung getroffen hat, etwas zu ändern, wie geht es dann weiter? Umsteigen und die Branche wechseln? Vorhandenes Wissen mitnehmen und dadurch neuen “impact” produzieren?

Leichter gesagt als getan, denn sieht man sich mit diesem Wunsch konfrontiert, entdeckt man schnell die Herausforderungen eines Karrierewechsels. Was sind die größten Probleme und wie lassen die sich lösen?

Um einen Ansatz zu finden, muss man ein bisschen mit Stereotypen spielen. Sicherlich treffen diese Beispiele nicht immer zu und sind unter Umständen zu verallgemeinernd, aber sie illustrieren den Ursprung der Missverständnisse. Wenn man auf diese Hinweise achtet, sind die ersten Schritte für einen erfolgreichen Wechsel schon geschafft.

Kulturelle Unterschiede fangen im Studium an

Eher unerwartet mag es sein, dass kulturelle Unterschiede Probleme bei der Kommunikation verursachen. Das liegt aber an erster Stelle an den verschiedenen (Studien-) Hintergründen der einzelnen Menschen. Die Wirkungslogik ist unterschiedlich: im sozialen Sektor geht es nicht immer primär um das Generieren von Profit, sondern um den “Social Impact” – also darum, Gutes zu tun und soziale Wirkung mit zu tragen. Man sollte also einen Weg finden, wie man diesen “Social Impact” also Ziel in den Vordergrund rückt, ohne dabei den finanziellen Aspekt zu vernachlässigen.

Unterschiedliche Sprachen beherrschen

Zusammenhängend mit der Problematik des kulturellen Unterschiedes sind die Probleme durch Sprache. Oft werden Wörter unterschiedlich genutzt oder grundlegend andere Begriffe verwendet. Das führt dazu, dass Missverständnisse aufkommen, obwohl das gleiche Ziel angestrebt wird. Zum Beispiel spricht der eine von potentiellen Investments, Skalierung und Optimierung, er will einen Benefit in eigener Sache – um langfristige Veränderung zu unterstützen. Der Andere will Menschen direkt helfen und sichtbare Veränderung schaffen, und ist unter Umständen geschockt von dieser “abgebrühten” Redensart. Hier trifft die unterschiedliche Sprache aufeinander und verursacht Missverständnisse. Es entsteht ein Konflikt aufgrund der potentiellen Kommerzialisierung – und obwohl beide das Selbe wollen, gibt es vielleicht keinen Vertragsabschluss. Mehreren Sprachen mächtig zu sein, ist also essentiell.

 “Wer ist denn hier der Chef?”

Mit der unterschiedlichen Kultur und den Sprachproblemen, fällt auch das ein oder andere Mal der Vorwurf der Arroganz: wer aus dem Wirtschaftsbereich kommt, muss aufpassen, dass er als Neuer in der Branche und als Quereinsteiger nicht wirkt, als würde er versuchen, Andere zu bevormunden. Auch wenn es nicht so gemeint ist, es kann durchaus so aufgenommen werden. Hier also auf einen lebendigen Diskurs achten, anpassungsfähig und aufmerksam sein – denn es gibt viel Neues zu lernen.

Wer reflektiert mit den genannten Problemen umgeht, vermeidet die größten Faux pas. Sicher steht – es gibt viele Möglichkeiten, mit kleinen Schritten gemeinsam zur großen Veränderung beizutragen und dabei auch selbst zufriedener zu sein. Langfristig wird sich zeigen, dass die Zusammenarbeit und der Abbau der Trennungen zwischen den verschiedenen Sektoren mehr “Social Impact” und mehr positive Veränderung in verschiedenen Machtstrukturen unserer Gesellschaft hervorbringt.

 

Über die Autorin:

Amei Ott ist Teil von On Purpose. Für die Leser, die sich in diesen Zeilen wieder finden, bietet On Purpose Berlin nun die Möglichkeit, beim ersten Programm für Nachwuchsführungskräfte im Social Enterprise Bereich, mitzumachen. Das Programm läuft in London und Paris bereits seit einigen Jahren erfolgreich, startet erstmals im Januar 2016 einen Jahrgang in Berlin und sucht noch bis Ende September die klügsten Köpfe. Das einjährige Vollzeitprogramm ist bezahlt und hilft Menschen mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung durch die Vermittlung relevanter Praxiserfahrung, Trainings, Coaching und Mentoren beim beruflichen “Umsatteln”. Häufig haben Teilnehmer ihre Karriere im privaten Sektor begonnen und möchten nun in den Social Enterprise Bereich wechseln.

Mehr zu On Purpose erfahrt Ihr hier.
 

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