ursprünglich erschienen: 18.07.2016

Der Medienkonsum ihrer Kinder ist vielen Eltern ein Dorn im Auge. Der Trend geht Richtung Waldkindergarten. Wer möchte schon gerne einen Smartphone-Junkie am Familienesstisch sitzen haben? Doch macht es Sinn digitale Medien als Ganzes zu verteufeln? Oder gilt es – gerade in Zeiten der Digitalisierung – die Medienaffinität der Kleinen als Chance zu sehen und sich diese bestenfalls zu Nutze zu machen?

Das Sozialunternehmen App Camps macht genau das. Statt die Technisierung des Alltags als Bedrohung zu sehen geht das Gründerehepaar Knodel einen anderen Weg. Sie erkennen die Entwicklung als Chance an und vermitteln genau das auch der nachkommenden Generation.

App Camps bringt Schülern ab der siebten Klasse Programmieren bei. Mit einer online-Lernplattform werden Lehrkräfte fit für den Unterricht gemacht, um den Schülern Zukunftsperspektiven im Bereich Programmieren zu eröffnen. Denn die reale Welt ist eben nun mal digital – daran besteht für Philipp Knodel kein Zweifel. „Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten“, sagt Philipp, „und das wäre auch nicht unbedingt wünschenswert“.  Auch sein eigener Sohn könne ein Smartphone ganz intuitiv bedienen, erzählt er. Doch ihn einfach vor einem Tablet zu parken kommt für den zweifachen Vater nicht in Frage. „Es geht darum den Kindern zu zeigen wie man die verschiedenen Devices nutzen kann“, sagt Philipp. „Ein Verbot von Technik und Medien hat doch keinen Sinn. Man muss den Kindern erklären, was man damit machen kann. Weg vom reinen Konsumieren, hin zum Produzieren“, sagt der Gründer.

Ganz entfernt erinnert App Camps an die Drogenberater, die in der Mittelstufe in die Schulen kommen und zum Stuhlkreis aufrufen… Wo da eine Verbindung sein soll?

„Irgendwann hat sowieso jeder ein Handy“, sagt Philipp. „Schon die 12-Jährigen sind am PC und Handy schon richtig fit – aber in den meisten Fällen konsumieren sie eben nur. Das finden wir schade“, sagt Philipp. Potential, das verloren geht. Gebrauch statt Missbrauch lautet stattdessen die Devise. App Camps zeigt den Kindern, welche Möglichkeiten es gibt kreativ zu werden und die Programmiersprache zu nutzen, um eine positive Entwicklung in der Gesellschaft voranzutreiben. 

„Wir wollen die Schüler möglichst früh fürs Programmieren begeistern“, sagt Philipp. Und zwar nicht nur in Gymnasien, wo die Chancen deutlich höher stünden irgendwann mit dem Thema in Berührung zu kommen. Und auch Mädchen sollten Einblick in die Welt der Informatik bekommen. Denn die wären nach wie vor unterrepräsentiert, sagt Philipp. Dabei gibt es bestimmt genauso viele weibliche Talente mit kreativen Ideen.

Das beste Beispiel: Philipps Frau und Mitgründerin Diana. Die Sozialunternehmerin hat Informatik studiert und vor App Camps einen „ganz normalen Job“ gehabt, wie Philipp sagt. Bis das Ehepaar 2014 den Förderwettbewerb Act for Impact gewonnen hat, der von der Social Entrepreneurship Akademie in Kooperation mit der Vodafone Stiftung ausgeschrieben wird. „Act vor Impact war im Prinzip der Startschuss für App Camps“, sagt Philipp. „Die 40 000 € waren damals wahnsinnig viel Geld für uns. Davor haben wir das eher nebenbei gemacht, aus Spaß an der Sache“, sagt der Gründer. „Das Preisgeld und Coaching der SEA war der Impuls, um App Camps zu verwirklichen. Ohne Act for Impact stünden wir wahrscheinlich nicht da, wo wir heute stehen.“

„Programmieren ist ein mächtiges Werkzeug, um Probleme in der Gesellschaft zu verändern“, sagt Philipp. „Auch wenn man natürlich nicht alles mit einer App lösen kann.“

Für den Rest war man ja dann im Waldkindergarten. Denn einen Smartphone-Junkie als Sohn wollen wohl auch Philipp und Diana nicht.  

Interview mit Anne Dörner, verantwortlich für die Gründungsförderung der Akademie

Seit wann kennen sich App Camps und die Social Entrepreneurship Akademie?

„App Camps hat 2014 den Act for Impact Wettbewerb gewonnen und neben dem Preisgeld von 40000 € auch ein begleitendes Coaching.“

Gab es beim Coaching von App Camps einen Moment, der etwas verändert hat?

„Ich weiß nicht, ob es ein bestimmter Moment war. Vielleicht eher eine etwas ungewöhnliche Entscheidung. Wir saßen gerade dabei die Ertrags- und Finanzierungsmodelle durchzuspielen als wir auf einen konkreten Fall kamen. Es gab tatsächlich ein verlockendes Angebot. Doch irgendetwas störte. Philipp fühlte sich sichtlich unwohl, aber das Budget war verlockend und der Förderer eigentlich perfekt für eine Zusammenarbeit. Doch nach genauerem Hinsehen wurde klar, dass noch einiges fehlte, um sich in an die Umsetzung zu wagen. So fiel die Entscheidung letztlich gegen das Angebot: „Nein danke, nicht jetzt. Wir wollen langsam wachsen und die Strukturen nach und nach mitziehen.“  Für solche Schritte braucht es Mut, aber der wurde mehr als belohnt. Die Entscheidung wurde respektiert und das Vertrauen des Investors in die Gründer nur bestärkt.“

Wie kann ich Kontakt zu App Camps aufnehmen?
Über ihre Webseite oder auf facebook