Header: Bethany Beck via Unsplash

Die Elternzeit ist eine wunderbares Element des deutschen Sozialsystems. Anders als in vielen anderen Ländern üblich, erlaubt sie Arbeitnehmer*innen sich für einen frei wählbaren Zeitraum, Auszeit für die Erziehung ihrer Kinder zu nehmen und dabei den Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Natürlich gibt es hier und da Verbesserungsbedarf – gerade bei dem damit verbundenen Elterngeld, welches gebunden an das Einkommen vor der Geburt ist und welches dadurch nur besserverdienenden, bzw. wohlhabenden Menschen erlaubt, länger in Elternzeit zu gehen.

Doch nicht jede*r Arbeitnehmer*in möchte nach der Elternzeit wieder in den alten Job. Sei es, weil man lieber in Teilzeit arbeiten möchte, die alte Arbeitsstelle nicht mehr passt oder es einfach an der Zeit ist für etwas Neues. Aber wie integriert man die Erziehungsauszeit in den Lebenslauf? Ist es besser sie anzugeben oder den Zeitraum zu leer zu lassen? Wir haben für euch recherchiert und stellen euch hier unsere Ergebnisse vor:

Unterschiede bei Frauen und Männern

Mütter werden in unserer Gesellschaft immer noch mit anderen Erwartungshaltungen konfrontiert, als Väter. Nach wie vor erscheint gefühlt wöchentlich ein Artikel, in welchem sich unbändig darüber gefreut wird, dass irgendein Promi seine Frau bei der Kinderpflege unterstützt. Solche Bewertungen implizieren, dass Kinderpflege Frauenarbeit sei und Männer, wenn sie sich denn auch um den Nachwuch kümmern, eine Art Heldentat vollbringen, bzw. über die Rollenvorstellungen der Gesellschaft hinauswachsen.

Und auch auf das Thema der Elternzeit bezogen scheinen Mütter andere Erwartungshaltungen entgegenzuschlagen als Vätern. Doch nicht so, wie wahrscheinlich von den meisten Leser*innen erwartet! Frauen werden in der Arbeitswelt vor allem abgestraft, wenn sie eine kurze Elternzeit nehmen. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung veröffentlichte eine Studie, nach der Frauen, die nur kurze Zeit in Elternzeit gehen, von Arbeitgeber*innen bzw. Personaler*innen oft als egoistisch und feindselig wahrgenommen werden.

Das Ergebnis der Studie: Bewerberinnen, die im Lebenslauf zwölf Monate Elternzeit stehen hatten, erhielten anderthalb Mal öfter eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, wie die mit nur zwei Monaten Elternzeit. Bei Männern hat die Länge der Elternzeit im Lebenslauf keine signifikanten Auswirkungen auf den Erfolg ihrer Bewerbung.

Elternzeit = sinnhafte Zeit?

Viele Texte im Internet über das Thema Lebenslauf und Elternzeit, suggerieren einem, dass man die Elternzeit schon im CV aufnehmen kann, allerdings nur, wenn man gleichzeitig die Ängste der Personaler*innen nimmt. Es sei wichtig, im Lebenslauf "auf Bedenken oder Zweifel proaktiv ein[zu]gehen, um sie zu zerstreuen" heißt es da unter anderem. Sprich: zum Ausdruck bringen, dass man sich um die (sichere!) Betreuung des Kindes gekümmert hat. Dass man die Elternzeit nicht nur damit verschwendet hat, Fläschchen warm zu machen und Kotflecken mit Gallseife aus den Woll-Seide-Bodies des Nachwuchses zu schrubben, sondern am Ball geblieben ist – ja sogar die viele arbeitsfreie Zeit genutzt hat, sich weiterzubilden.

Unser Fazit

Elternzeit und die Anforderungen einer leistungsorientierten Welt scheinen nicht wirklich zusammenzugehören. Gerade wenn man eine Frau ist, kann einem die Bewertung der Länge der Elternzeit im Weg stehen und Nachteile bei der Bewerbung bringen. Allerdings sind wir – im Gegensatz zu unseren Freund*innen von Edition F – nicht dafür, die Elternzeit im Lebenslauf nicht zu erwähnen. Zum einen, weil es möglicherweise verhindern kann, dass man bei einem*einer Arbeitgeber*in landet, welche*r die Rollenvorstellungen der 50iger Jahre innehält ("Frauen, die kurze Zeit in Elternzeit gehen, sind egoistisch und feindselig"). Zum anderen, weil Personaler*innen – ja unsere ganze Gesellschaft – offenbar immer noch dahin erzogen werden muss, dass es absolut OK ist, sich eine Auszeit zu nehmen (egal welcher Länge!) und diese nicht mit Aktivitäten zu füllen, welche die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

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