Seit einigen Jahren sorgt Design Thinking erfolgreich für frischen Wind in der Wirtschaft. Die Innovationsmethode aus dem Silicon Valley versammelt kreativitätsfördernde Methoden unterschiedlichster Disziplinen unter sich. Gerade für Teams, die sowohl strukturiert als auch kreativ miteinander arbeiten wollen, lohnt sich ein genauerer Blick:

Design Thinking verfolgt einen sechsstufigen Prozess, der Problem- und Lösungsraum klar voneinander trennt. Das Design-Thinking-Team entwickelt in den ersten drei Schritten des Prozesses ein tiefes Verständnis von einem beliebigen, zugrundeliegenden Problem. Die betroffenen Personen stehen dabei im Fokus. Das Team lernt durch Befragung, Begleitung und Beobachtung die oft versteckten Bedürfnisse der Menschen zu erkennen. Im nächsten Schritt werden diese Erkenntnisse gefiltert, verdichtet und es entsteht ein prototypischer Nutzer – die Persona. Hiermit geht es weiter in die zweite Hälfte des Prozesses und wir betreten den Lösungsraum. Jetzt werden mit Kreativitätstechniken systematisch Lösungen entwickelt. Zügig geht es weiter ins Prototyping und Ideen werden greifbar gemacht, um sie anschließend mit echten Nutzern zu testen. Das Feedback aus dem Testing wird sofort genutzt, um weiter an der Idee zu arbeiten. Iteration wird im Design Thinking nämlich ganz groß geschrieben.

Um den unterschiedlichen Anforderungen des Prozesses gerecht zu werden, unterstützen sogenannte Warm-up-Übungen die Arbeit des Teams. Sie sind eine Zutat, die in keinem Design-Thinking-Workshop fehlen darf und auch im Arbeitsalltag Wunder bewirken kann. Mit dem passenden Warm-up kann das Team spielerisch in die richtige Arbeits- und Denkweise befördert werden. Je nach Situation eignen sich beispielsweise Fokus-, Energie-, Icebreaker- oder Empathie-Warm-ups.
 
Kreativitäts-Warm-ups eignen sich besonders vor der Ideenentwicklung. Sie unterstützen das „Out-of-the-Box“-Denken im Team, regen die Fantasie jedes Einzelnen an und ermutigen zu wilden und verrückten Ideen. Sie bereiten das Team darauf vor, den inneren Zensor auszuschalten, und geben Mut für außergewöhnliche Ideen.

Wie du die schlummernde Kreativität deines Teams wecken kannst, zeigen wir dir jetzt mit drei ausgewählten Warm-ups zum Thema Kreativität aus dem neuen Buch “Design Thinking Workshop –  66 + 1 Warm-up, die dich als Trainer unvergesslich machen”. Diese Übungen kannst du deinem Team zu Beginn eines Arbeitsabschnitts vorschlagen oder zu einer Pausengewohnheit werden lassen.

1. Warm-up: Äpfel zeichnen

Du denkst, du kannst nicht zeichnen? Dieses Warm-up wird dir das Gegenteil beweisen!

„Äpfel zeichnen“ ist ein visuelles Brainstorming, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten und so viele Begriffe wie möglich zeichnen, die das Wort „Apfel“ enthalten (z. B. Apfelbaum, Apfeltasche, Augapfel). Im Eifer des Gefechts vergisst dabei jeder ganz und gar, dass er angeblich gar nicht zeichnen kann. Und ist der innere Zensor einmal ausgeschalten, können die kreativen Ideen ungehindert fließen.

Gruppengröße: > 4 Personen
Dauer: 5 Minuten
Benötigtes Material: Flipchart oder Whiteboard, Marker

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer teilen sich in zwei Teams auf.
  2. Alle Mitglieder eines Teams stellen sich in einer Schlange hintereinander vor ihr Flipchart bzw. Whiteboard.
  3. Der Timer wird auf 3 Minuten gestellt.
  4. Du gibst das Startsignal.
  5. Die erste Person in der Reihe jedes Teams beginnt zu malen.
  6. Anschließend stellt sie sich hinten an und der nächste in der Reihe malt einen „Apfel-“ Begriff.
  7. Wenn die Zeit abgelaufen ist, werden alle Zeichnungen gezählt und das Team mit den meisten Apfel-Begriffen gewinnt.

Mögliche Variationen:
Statt Äpfel können natürlich andere Begriffe oder Themen verwendet werden, z. B. Karte, Leiter oder Ei.

Warm-up Kreativitätsübung "Äpfel zeichnen"

2. Warm-up: Ich bin ein Baum

Keine Angst: Diese Übung hat nichts mit Yoga zu tun, niemand muss minutenlang auf einem Bein balancieren und mit den Armen eine Krone bilden. Wer möchte, kann allerdings auch das tun!

Dieses Warm-up kommt ursprünglich aus dem Improvisationstheater und lässt die Teilnehmer spielerisch leicht in Assoziationen denken. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es wird lediglich Platz für einen Stehkreis benötigt.

Gruppengröße: > 8 Personen
Dauer: 5 bis 10 Minuten

Anleitung:

  1. Alle stellen sich kreisförmig auf.
  2. Eine Person geht in den Kreis, verharrt in einer Pose und sagt laut, was sie darstellt, z. B. „Ich bin ein Baum“.
  3. Eine zweite Person stellt sich dazu, macht aufbauend auf dem vorangegangenen Objekt eine neue Pose und sagt ebenfalls laut, was sie ist, z. B. „Ich bin ein Vogel“.
  4. Eine dritte Person ergänzt das Bild mit einem weiteren passenden Begriff.
  5. Die erste Person und eine weitere Person ihrer Wahl verlassen nun das Schaubild wieder.
  6. Mit der im Kreis verbliebenen Person, bzw. mit deren Objekt, beginnt eine neue Kette. Zur „Katze“ begibt sich z. B. eine „Sardinendose“.
  7. Es wird solange gespielt, bis jeder einmal in der Mitte war.

Mögliche Variationen:
Man kann eine Reihenfolge festlegen, so dass jeder aus der Gruppe mindestens einmal in die Assoziation einsteigt.

Warm-up Kreativitätsübung "Ich bin ein Baum"

3.    Warm-up: Ich habe ein Problem

Wir haben jeden Tag unzählige Probleme, doch diese Übung zaubert Lösungen im Nu!

In diesem Warm-up trainieren wir das Gehirn darin, kreative Lösungen zu entwickeln und „out of the Box” zu denken. Dabei wird die natürliche Fähigkeit zur Assoziation genutzt. Ziel ist es, einen lockeren Umgang mit dem inneren Zensor zu entwickeln und sich verrückte Ideen zu erlauben.

Gruppengröße: > 4 Personen
Dauer: 5 bis 10 Minuten

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer kommen in 2er-Teams zusammen.
  2. Nun beginnt einer der beiden mit dem Satz „Ich habe ein Problem…“ und fügt etwas frei Erfundenes hinzu „…ich habe ein Loch im Schuh.“
  3. Der Gegenüber überlegt sich nun ein beliebiges Objekt, das in keinem Zusammenhang mit dem Problem steht. Er sagt zum Beispiel: „Schau mal, ich habe einen Besen für dich.“ Dabei macht er eine pantomimische Geste.
  4. Nun ist der andere ganz erfreut und sagt „Super, dankeschön…“ und überlegt sich eine Möglichkeit mit diesem Objekt sein Problem zu lösen. „..dann kann ich ja mit dem Besenstiel Lederreste in das Loch stopfen.“
  5. Nun beginnt der Gegenüber von vorne „Du, ich habe ein Problem…“

Variation: Die Teilnehmer können sich in zwei Reihen vor einander aufstellen und nach jeder Runde wird eine Person weiter rotiert. So können verschiedene Teilnehmer zusammen Probleme lösen.

Warm-up Kreativitätsübung "Ich habe ein Problem"

Über die Autorin

Pauline Tonhauser

Pauline Tonhauser ist erfolgreiche Gründerin und erfahrene Design Thinking Coachin. Seit sie 2010 auf Design Thinking stieß ist die agile Innovationsmethode nicht mehr aus ihrem Wirken wegzudenken. Durch zahlreiche Workshops mit Institutionen aus diversen Wirtschaftszweigen erlangte sie ein ausgeprägtes Expertenwissen. Ihre Expertise bildet die Grundlage für die erste modulare Design Thinking Coach-Ausbildung in Deutschland.

Um noch mehr Menschen mittels Design Thinking in ihre kreative Kraft zu versetzen, entwickelt Pauline stetig neue Methoden und gibt ihr Wissen nun auch als Autorin weiter. Ihre bisherige Veröffentlichung “Design Thinking Workshop: 12 Zutaten, die in keinem Design Thinking Workshop fehlen dürfen” hat bereits viele Coaches inspiriert. In der Fortsetzung ihrer Buchreihe greift Pauline auf die geballte Expertise von 34 weiteren Coaches und Trainern zurück. Mit “66 + 1 Warm-up, die dich als Trainer unvergesslich machen” will sie deinen Workshop noch erfolgreicher machen.

Dieses Buch ist für Coaches, Trainer, Consultants und Innovationstreiber, die ihren Design Thinking Workshop zum Erlebnis machen wollen.

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