Raphael Fellmer lebte fünf Jahre im Geldstreik. Er (mit-)gründete die Foodsharing Bewegung und rettete dadurch über 2,6 Mio. kg Lebensmittel. Er schrieb ein Buch “Glücklich ohne Geld!” und nun startet er zusammen mit seinem Team ein neues Projekt: SirPlus. Was es damit auf sich hat, was ihn antreibt und wie wir ihn unterstützen können, erzählt er im Interview.

Erzähl uns ein wenig zu dir? Was inspiriert, motiviert dich?

Ich bin Raphael und passionierter Social Entrepreneur. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle selbst den Wandel in der Welt leben sollten um nachhaltig Veränderung hin zu einem ökologischen und fairen Miteinander voranzubringen. Wir alle haben eine große Macht mit unserem Konsum bzw. unserem Wirken für eine Sache, Organisation oder Firma und können uns maßgeblich beteiligen bestehende Strukturen zu verändern in dem wir unser Konsumverhalten und Arbeitsplatz mit unserem Wertekanon in Einklang bringen.  

Du bist Gründer der Foodsharing Bewegung, wie ist es dazu gekommen?

Ich setze mich seit 8 Jahren gegen die Lebensmittelverschwendung und für die Wertschätzung aller Lebensmittel ein. Weltweit werden ⅓ aller Lebensmittel verschwendet und das wollte ich ändern. Während meines 5 jährigen Geldstreiks habe ich anfangs viel containert und dann mit der Lebensmittelretten Bewegung (heute foodsharing) die Heute mehr als 27.000 Freiwillige Foodsaver zählt, eine Lösung geschaffen die Lebensmittel legal und in Absprache mit Betrieben vor der Tonne zu bewahren.

Was hat es mit SirPlus auf sich und warum brauchen wir das?

Mit foodsharing haben wir bereits über 8.000 Tonnen Lebensmittel retten können, die 900 Tafeln leisten schon seit über 20 Jahren großartige Arbeit, aber trotzdem werden in Deutschland jede Minute ein voller LKW an Lebensmittel verschwendet, das sind jährlich 20. Mio Tonnen und dafür brauchen wir eine skalierfähige und nachhaltige Lösung entlang der gesamten Wertschöfpungskette. Deswegen habe ich zusammen mit meinem Co-Foundern Martin Schott und Alexander Piutti, der der Ideengeber für unseren digitalen Marktplatz für überschüssige Lebensmittel und den Food Outlet Laden ist, SirPlus gegründet. Wir werden das Lebensmittelretten mainstream machen indem wir mit unserem Laden und Online-Shop mit Lieferservice von geretteten Lebensmitteln allen Menschen die Möglichkeit geben sich für die Wertschätzung von noch genießbaren Lebensmittel einzusetzen. Produzenten, Logistikern und Großhändlern helfen wir mit unserem Marktplatz überschüssige, der Norm nicht entsprechende und abgelaufene Lebensmittel wieder verantwortungsvoll in den Kreislauf zurückzubringen. Für gemeinnützige Organisationen wird SirPlus die Software kostenlos zur Verfügung stellen, um deren schon bestehende Koordination von Betrieben, Abholzeiten und Kooperationen zu digitalisieren und so zu vereinfachen. 

Welche Lebensmittel rettet ihr mit Sirplus? 

Wir retten zunächst abgelaufene, falsch etikettierte und andere noch bestens genießbare Lebensmittel die vom Handel nicht mehr verkauft werden. Später selbstverständlich auch direkt von den Produzenten und Erzeugern krummes, zu groß oder zu kleines Obst & Gemüse.

Was sind deine Tipps, wie ich als Einzelperson meine Verschwendung verringern/ stoppen kann? 

Ich bin überzeugt, dass wir mit einer möglichst pflanzlichen Ernährung der Verschwendung und dem Ressourcenverbrauch am stärksten Entgegenwirken können. Neben geretteten Lebensmitteln von SirPlus, ist der Kauf von regional und saisonal produzierten Obst & Gemüse ein guter Weg und natürlich die grundsätzliche Achtsamkeit und Wertschätzung von Lebensmitteln. Das heißt, dass wir unseren Sinnen mehr Vertrauen müssen als einem Mindeshaltbarkeitsdatum, also schmecken und riechen sowie gezielt die Lebensmittel in unserem Haushalt konsumieren die bald verderben würden.

Wie kann man euch unterstützen?

Derzeit läuft unsere Crowdfunding Kampagne wo schon jetzt Retterboxen mit überschüssigen Lebensmitteln, wahlweise auch vegan oder vegetarisch, vorbestellt werden können. Auf tbd haben wir jetzt auch spannende Job- und Praktikastellen veröffentlicht. Außerdem freuen wir uns wenn die Idee mit Freunden und Bekannten geteilt wird.