„Politikwissenschaften – was macht man denn damit?“ Im Studium habe ich irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich das gefragt wurde. Heute fällt mir die Antwort ganz leicht: Politik – im weitesten Sinne. Man betreibt Forschung, um Politik gut beraten zu können oder geht in den sozialen Bereich, um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Als Politikwissenschaftler ist man recht vielseitig und kann auch – wie ich es getan habe – beides machen. Ich bin aber immer gut damit gefahren, mich thematisch zu fokussieren. 

Neben Fachfragen haben mich vor allem Leitungsaufgaben gereizt. Dicke Bretter bohren und mit gutem Management und motivierten Mitarbeitenden Themen voranbringen, das wollte ich tun. Nach meiner Zeit beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) übernahm ich 2011 im Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt die Abteilung „Arbeit, Soziales und Europa“ und lernte viel dabei. Nach vier Jahren aber zog es mich weiter – neue, dickere Bretter finden. Beim Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes wurde ich fündig. Gesucht war ein Bereichsleiter für die Jugend und Wohlfahrtspflege eines Verbandes, der über 5.000 Gliederungen in ganz Deutschland zählt. Ich bewarb mich und wurde eingestellt. 

Change Happens – Veränderung als Chance

Direkt mit dem Antritt meiner neuen Stelle stand ich vor der Herausforderung, eine umfassende Umstrukturierung des Bereiches zu managen, wie sie in großen Organisationen hin und wieder notwendig sind. Als Bereichsleiter war ich nun unter anderem zuständig für die Verschränkung der Themenfelder und  die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit. Für mich war bzw. ist das eine Chance, Ideen und Vorstellungen in die Tat umzusetzen und  ‚meinen Bereich‘ für künftige Herausforderungen neu aufzustellen und gut zu rüsten. 

Das Credo für die Arbeit in den folgenden Monaten lautete „mehr Vernetzung, weniger Versäulung“. Gemeinsam mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen legte ich den Grundstein für eine moderne, in sich und nach außen gut vernetzte Organisation. Dieser ‚technischen‘ Neustrukturierung mit Teams, Clustern und Sachgebieten, Arbeitskreisen und -gruppen folgt jetzt die kulturelle Weiterentwicklung: Der „bilaterale Austausch“ wird zum lockeren Gespräch beim Mittag in der Kantine und gemeinsames Prototyping ersetzt die akribisch geplante „Pilotierung“. Agiles Projektmanagement und fehlertolerantes Arbeiten werden eingeübt und neue Arbeitsmethoden erprobt. 

Dieser Wandlungsprozess ist nicht weniger herausfordernd als die Umstrukturierung, mit der ich begann. Denn es geht darum, das Zusammenwirken von Menschen mit großer fachlicher Expertise und viel Erfahrung in der Wohlfahrtspflege zu managen. Zwei meiner Kolleginnen und Kollegen werden in den kommenden Wochen von sich und ihren Aufgaben im DRK-Generalsekretariat berichten. Diese kurzen Portraits sollen kleine Einblicke in die Arbeit beim Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes geben, der sich als Spitzenverband der deutschen Wohlfahrtspflege gerade neu aufstellt. Ich lade dich herzlich dazu ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir können sicher viel voneinander lernen.

Über den Autor 

Dr. Joß Steinke hat die Bereichsleitung Jugend und Wohlfahrtspflege im DRK-Generalsekretariat im Februar 2016 übernommen. Er war nach und während seiner Promotion im Fach Politikwissenschaft mehrere Jahre lang als Wissenschaftler für das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und in Berlin tätig und konnte Ende 2011 in die Wohlfahrtspflege wechseln – eine bewusste Entscheidung für ein Themen- und Aufgabengebiet mit zentraler Bedeutung für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Von 2011 an war Steinke etwas mehr als vier Jahre lang Leiter der Abteilung Arbeit/Soziales/Europa im AWO Bundesverband.