ursprünglich erschienen: 28.08.2015

In unserer Interviewserie sprachen wir mit Anne-Sophie Pahl von youvo. youvo ist eine Engagementplattform für junge Kreative. Hier werden kreative Köpfe mit gemeinnützigen Organisationen, die Unterstützung bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit benötigen, zusammengebracht. 

Erzählt uns ein bisschen von youvo. Was war die Motivation dahinter eine solche Plattform zu starten?

Die Idee für youvo entstand, nachdem Sebastian und Simon aus unserem Team während ihres Freiwilligendienstes in den USA ein Video und andere Fundraisingmaterialien für das Communitycenter erstellt hatten, in dem sie arbeiteten. Als Sebastian sein Studium in Berlin begann, wollte er sich gern wieder mit seinen Fähigkeiten engagieren, fand aber keine wirklich passenden Angebote.

Durch ein Praxisprojekt an der Universität der Künste eröffnete sich die Möglichkeit für ihn und seine fünf KommilitonInnen, herauszufinden, ob es noch mehr jungen Menschen aus kreativen Studiengängen so ging - und siehe da: viele wollten sich mit ihren Fähigkeiten für einen guten Zweck einbringen, schreckten aber vor langfristigen Verpflichtungen, wie beispielsweise eine Mitgliedschaft in einem Verein, zurück.

Als dann die Zusage vom EU Programm „Jugend in Aktion“ (Youth in Action) im Briefkasten lag, war klar, dass das Konzept, das an der Uni entstanden war, auch in die Tat umgesetzt werden würde.

Welches Feedback habt ihr von NPOs erhalten?

Ich bin bei youvo.org für die Vermittlung verantwortlich und habe so täglich vor allem mit den Organisationen - die bei uns klassische Nonprofits aber auch Social Startups in der Gründungsphase sind - zu tun. Am Anfang wurden wir da fast überrannt und mussten erst testen, welche Art von Projekten sich unsere Community wünscht. Die Organisationen, die ihre Projekte über youvo.org ausschreiben, sind meist begeistert von den großartigen, motivierten jungen Menschen, die sich auf die Projekte bewerben. Sie erkennen die tolle Wirkung, die professionelle Kommunikation für ihre Arbeit hat und fühlen sich durch den frischen Input oft bestärkt in ihrem eigenen Engagement. Wenn sie dann im nächsten Antrag die Möglichkeit haben, Designarbeit zu budgetieren, haben wir unser Ziel erreicht.

Wie steht es um die Kreativen? Es gab Diskussionen, ob eine Plattform wie youvo bezahlten Möglichkeiten in die Quere kommt. Wie siehst Du das?

Unsere Community hat uns von Anfang an überwältigt. Täglichmelden sich neue Kreative auf youvo.org an und erstellen ein Profil - manchmal blättere ich da durch die Portfolios und bin einfach hin und weg.

Was die Konkurrenz zu bezahlten Jobs angeht, haben wir ziemlich „strenge“ Regeln für Projekte, die über youvo veröffentlicht werden. Wir wollen unserer Community gern eine „Blase“ außerhalb von Marktzwängen und Wettbewerb bieten - ihre Arbeit wird oft genug viel zu gering geschätzt. Das heißt, dass niemand für die Schublade arbeiten soll, sondern alle Arbeiten auch in den Organisationen verwendet werden. Wir wollen gern sicherstellen, dass niemand ausgenutzt wird und die geleistete Arbeit immer gebührend wertgeschätzt wird. Auch ist uns wichtig, dass nur Aufgaben ausgeschrieben werden, die ohne ein Angebot wie youvo nicht umgesetzt werden könnten. Wir stellen sicher, dass youvo nicht als eine „kostenlose Alternative“ angesehen werden kann. Bei unseren Projekten geht es wirklich darum, Kommunikation dort zu ermöglichen, wo sonst die Mittel dazu fehlen.

In jedem Sektor gibt es Aufs und Abs. Was war bis jetzt Dein persönlich größter Erfolg? Gab es auch Rückschläge?

Ich erlebe eigentlich fast jede Woche persönliche Erfolge - wenn ich begeistertes Feedback von den Organisationen bekomme á la „unsere Designerin ist ein Engel“ ;), wenn ich die tollen Ergebnisse zu sehen bekomme oder ab und zu sogar ein entstandener Flyer bei uns im Briefkasten landet.

Auch das Feedback der kreativen Community wie z.B. von Max motiviert mich immer wieder - wenn mir jemand erzählt, wie er sich bei youvo das erste Mal ehrenamtlich engagiert hat, weiß ich, warum wir das alles machen. Mein größter persönlicher Erfolg war aber wohl, als ich eine kurzfristige Anfrage von einer Designerin aus unserer Community bekommen habe, die sich ein Projekt in Uganda wünschte, das sie unterstützen kann: Nach ein paar Mails rief mich einen Tag später Anna Vikky von 2aid.org an und erzählte, dass sie miteinander geskypt haben und sich auf die Zusammenarbeit freuen. Mein Wunsch, für jede und jeden das Traumprojekt zu finden, ist da wunderbar in Erfüllung gegangen und hier kann man sich schon einen ersten Teil der Zusammenarbeit anschauen.

Natürlich gibt es auch Rückschläge bei einem so schnell wachsenden, rein ehrenamtlichen Projekt wie youvo: Wir haben uns lang um eine institutionelle finanzielle Förderung bemüht, um noch mehr Projekte ausschreiben und nachhaltiger wachsen zu können, aber als sogenannte „Intermediäre“ gibt es da leider nicht so viele Möglichkeiten.

Wie finanziert ihr Euch?

Ich studiere momentan noch und beziehe BaföG - heißt, der liebe Staat finanziert youvo irgendwie doch ;) Aber auch unsere Eltern sind da momentan eine große Unterstützung, weil youvo die Zeit eines sehr umfangreichen Nebenjobs frisst, ohne die Miete zu bezahlen…

Wir arbeiten allerdings mit Hochdruck daran, dass sich das schnellstmöglich ändert.

youvo finanziert sich bisher aus kleineren Fördergeldern, mit denen wir unsere Webdesignerin oder den Programmierer bezahlen - momentan haben wir ein Stipendium von Think Big #Pro, das uns ermöglicht, im Social Impact Lab in Berlin und Leipzig zu arbeiten.

Was sind die nächsten Schritte for youvo?

Wie schon erwähnt, ist das liebe Geld ein immer wiederkehrendes Thema und wir erarbeiten gerade langfristige Finanzierungsstrategien. Um die größer werdenden Aufgaben bei youvo stemmen zu können, vergrößern wir gerade unser Team. Es ist ein sehr cooles Gefühl, die Begeisterung für ein Projekt mit neuen Menschen zu teilen.

Anne-Sophie Pahl 3

Was ist ein erfolgreiches Social Business für Dich?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich habe durch youvo mittlerweile schon einige Social Startups kennengelernt und finde es großartig, dass Wirtschaft endlich auch außerhalb der „Berlin-Blase“ neu gedacht wird. "Meiner Meinung nach ist es essentiell, dass die soziale Wirkung - der „social impact“ - nicht hinter finanziellen Interessen verschwindet." Das passiert leider nicht selten, vor allem wenn aus kleinen ehrenamtlichen Projekten Unternehmen mit wirtschaftlichen Zwängen werden. Es wäre toll, wenn es in diesem Feld auch in der Öffentlichkeit größere Unterstützung gäbe. Ich finde Euer Engagement in diese Richtung super und dringend notwendig!

Bitte teile die 3 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen Social Entrepreneurs empfehlen, wovon abraten?

Eins der wichtigsten Learnings bei youvo war die Erkenntnis, dass das Team alles ist. Nur mit einem guten Team, in dem jeder seine Aufgabe kennt und die Zusammenarbeit Spaß macht, kann man langfristig ein größeres Projekt stemmen. Da wir dezentral arbeiten, geben wir uns Mühe, dass regelmäßig alle zusammenkommen und nehmen uns dann auch Zeit für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Wir sind auch über youvo hinaus gut befreundet und mussten erst lernen, dass es wichtig ist, auch mal nicht darüber zu reden, wenn wir uns sehen. ;)

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zielgruppenorientierung - wir haben von Anfang an unsere Community in die Entwicklung von youvo miteinbezogen - Was wünscht sie sich, was motiviert sie und was soll eine Plattform wie youvo.org bieten? Dafür ist es entscheidend, auch persönliche Gespräche zu führen - auch wenn das trocken klingt: quantitative und qualitative Forschung sind für eine Idee meiner Meinung nach der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Erfolg.

Das dritte Learning, das ich Social Entrepreneurs mit auf den Weg geben möchte, ist die Relevanz von Wissenstransfer. youvo wäre nicht so toll, wenn uns nicht zahlreiche Menschen beraten, Feedback zu unseren Ideen gegeben und uns unterstützt hätten. Konkurrenzgedanken sind in diesem Bereich völlig fehl am Platz. Jemand hatte die selbe Idee wie Du? Sprich mit ihm und vielleicht könnt Ihr gemeinsam viel besser Eure Ziele erreichen!

Photocredit: Sebastian Schütz

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