ursprünglich erschienen: 24.10.2016

Wir haben uns alle danach gesehnt. Wir haben uns alle darüber gewundert, dass es sowas noch nicht gibt und manche haben vielleicht sogar versucht es auf die Beine zu stellen. Die Rede ist von einem öffentlichen Verzeichnis aller sozialer Dienstleistungen und Organisationen in Deutschland. Dank der Benckiser Stiftung Zukunft, schafft clarat genau das! In diesem Interview erzählt uns Anne Schulze darüber, warum und wie sie und ihr Team clarat gestartet haben, was als Nächstes kommt und was sie sich für den sozialen Sektor wünscht. 

Erzähl uns über clarat- was war die Motivation dahinter ein Verzeichnis für den sozialen Sektor zu bauen? 

Wir haben clarat geschaffen, weil derzeit niemand in Deutschland einen detaillierten Überblick über das Netz an Unterstützungsangeboten für Kinder, Jugendliche, Familien und Flüchtlinge hat.

clarat ist lateinisch und bedeutet „Es klärt auf.“ Wir wollen aufklären über die Vielzahl und Vielfältigkeit an Unterstützungsangeboten. Und über den Zugang zu diesen Angeboten. Und das online, systematisch und gebündelt an einem Ort. Das gab es bisher noch nicht. Eine ganz einfache Idee. Und eine riesen Aufgabe, denn in Deutschland gibt es unheimlich viele Unterstützungsangebote. 

clarat ist allerdings weitaus mehr als nur ein Adressverzeichnis. In unserem Fokus stehen konkrete Angebote, die wir nach Themen kategorisieren. Ein Angebot beschreibt genau eine Hilfe für ein Problem. Über eine einfache Navigation, diverse Filtermöglichkeiten und eine Umkreissuche findet man passgenaue Angebote in der Nähe.

clarat ist somit unser Beitrag für mehr Orientierung und Transparenz im sozialen Sektor. 

Wer nutzt Eure Plattform und wie genau helft Ihr? 

Wir wollen, dass Hilfesuchende selbstständig einfach Hilfe finden können: Kinder, Jugendliche und Familien mit clarat family auf www.clarat.org/family. Und Flüchtlinge mit clarat refugees auf www.clarat.org/refugees. Mit clarat family fokussieren wir uns zur Zeit auf Berlin. Mit clarat refugees auf Berlin, Düsseldorf, Köln und München. Langfristig wird es beides deutschlandweit geben. 

clarat family und clarat refugees richten sich aber nicht nur an die Betroffenen selbst. Auch Lotsen, also Personen, die für andere nach Unterstützungsangeboten suchen, finden hier einfach Hilfe. Zum Beispiel Freunde, Lehrer, Streetworker oder Ehrenamtliche. 

Langfristig schaffen wir außerdem mit unserem Produkt clarat data eine Datengrundlage, die es ermöglicht, sich einen Überblick über vorhandene Angebote zu machen und Versorgungslücken zu erkennen. Das ist beispielsweise wertvoll für Vertreter der Öffentlichen Hand, aber auch für Organisationen oder Redakteure. 

Ihr habt eine ganze Menge Daten und Informationen gesammelt, was habt Ihr so über soziale Organisationen, vor allem in Berlin, gelernt? 

Da gibt es zwei wesentliche Erkenntnisse. 

Zum einen, dass es wahnsinnig viele Unterstützungsangebote gibt. Das hätten wir nie gedacht. Man kann wirklich bei allen Sorgen und Problemen Unterstützung finden. Wenn man weiß, wo es diese Unterstützung gibt und wie man sie nutzen kann.

Zum anderen, dass es keine Transparenz über das Unterstützungsangebot gibt. Wir werden immer häufiger von Menschen und Institutionen kontaktiert, um diese dabei zu unterstützen, sich einen Überblick zu verschaffen. 

Beide Erkenntnisse zeigen uns, wie sehr wir mit clarat genau an der richtigen Stelle ansetzen. 

Wie waren die Reaktionen der Organisationen, die im Verzeichnis gelistet sind?  

Die Reaktionen sind sehr positiv. Die Organisationen begrüßen eine Plattform wie clarat. Um einerseits dort eingetragen zu sein. Aber auch um selbst mit clarat zu arbeiten und so schnell nach anderen Unterstützungsangeboten schauen zu können. Die Organisationen sind für uns wichtige Multiplikatoren. Und bestätigen den Bedarf für clarat. 

Was waren die größten Herrausforderungen, die Ihr überwinden musstet und wie habt Ihr das geschafft?

Intern war sicher das schnelle Wachstum unseres Teams die bisher größte Herausforderung. Innerhalb von einem Jahr vom kleinen Labor zu einer jetzt recht großen Manufaktur mit rund 40 Mitarbeitern. Deshalb haben wir zu Beginn des Jahres verschiedene Organisationsentwicklungsmaßnahmen ergriffen. Das hat Zeit gekostet und war streckenweise auch anstrengend. Aber sehr wertvoll. Es macht sehr viel Spaß, das Team weiter wachsen zu sehen.

Extern ist unsere größte Herausforderung zur Zeit, unsere Website bei hilfesuchenden Menschen bekannt zu machen. Und Vertrauen für unsere Seite zu gewinnen. Aus diesem Grund arbeiten wir gerade an unserer Marketingstrategie. Und betreiben umfangreiche Nutzerforschung. Bald hört ihr mehr von clarat.

Was kommt als Nächstes? Können wir in Zukunft noch mehr Verzeichnisse für andere Städte oder Themen erwarten? 

Viel. Sehr viel.

Mit clarat family wollen wir zunächst Berlin erobern. Und an diesem Beispiel zeigen, was clarat kann und wie clarat geht. Hier ist noch viel zu tun, weil die Anzahl an Unterstützungsangeboten in Berlin enorm ist. Ein echt dickes Brett. Wenn das geschafft ist, wird clarat family in weitere deutsche Städte ziehen.

Mit clarat refugees wollen wir schon sehr bald bundesweit erreichbar sein. Das heißt, es kommen demnächst noch mehr Städte und bundesweite Angebote hinzu.

Und wir wollen clarat data offiziell launchen. Ein Produkt, das wie schon erwähnt, auf Analysen und Datenauswertung abzielt. Und für das wir schon jetzt überraschend viel Nachfrage verzeichnen können.

clarat ist ein Projekt der Benckiser Stiftung Zukunft - Was sind die Richtlinien und die Mission der Stiftung? 

Die Benckiser Stiftung Zukunft hat sich den Leitsatz gegeben „To connect the disconnected.“ Wir wollen Zugänge schaffen. Und mehr Menschen besser erreichen. Ziel ist es, dysfunktionale Systeme zu verändern. Die Projekte der Benckiser Stiftung Zukunft richten sich in erster Linie an Kinder, Jugendliche und ihre Familien.

Was ist Dein Wunsch für den sozialen Sektor in Deutschland? 

Dass der soziale Sektor in Deutschland bald total clarat ist. Das ist unsere Vision. Damit meinen wir, dass der soziale Sektor zukünftig transparent und für jeden Hilfesuchenden leicht zugänglich ist. 

Kurz gesagt: Wir wollen einen sozialen Sektor, in dem trotz zunehmend begrenzter Mittel möglichst vielen Menschen bestmöglich geholfen wird.

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