ursprünglich erschienen: 22.04.2016

Am 22. April 2016, dem internationalen „Earth Day“, wurde der Weltklimavertrag in New York unterzeichnet und somit die Verhandlungen von Paris bei der „COP21“ Ende 2015 abgeschlossen. Vertreter aller 195 Staaten der Welt hatten sich für zwei Wochen in Paris getroffen und mit der gemeinsamen Verpflichtung zum Klimaschutz Geschichte geschrieben. 

Worum geht es beim Weltklimavertrag?

Das Pariser Abkommen macht eines klar: der Klimawandel wird von allen als tatsächlich existierendes, von Menschen verursachtes Phänomen anerkannt. 

Weltklimavertrag
Die 195 Staaten der Welt und die EU haben gemeinsam beschlossen Anstrengungen zu unternehmen die Erhöhung der bodennahen Temperatur unter 1,5 Grad im Vergleich zur Temperatur Ende des 19. Jahrhunderts, dem Beginn der Industrialisierung, zu begrenzen. 

Wir liegen zur Zeit bei 1 Grad über diesem Wert und haben schon jetzt mit Auswirkungen der Klimaerwärmung, wie zum Beispiel dem Anstieg des Meeresspiegels und der Ausdehnung von Wüsten zu kämpfen. Zwei Phänomene die bereits Lebensraum zerstören und Todesopfer fordern. Es gibt mehr Wirbelstürme und Klimazonen verschieben sich. Wo es früher nicht geregnet hat fällt jetzt unverhältnismäßig viel Regen und führt zu Überschwemmungen, anderorts gibt es nie gekannte Dürren. 

186 Staaten haben Pläne eingereicht, in denen sie ihre angestrebten nationalen Beiträge zum Kampf gegen den Klimawandel (INDC = Intended Nationally Determined Contribution) darlegen. Von Plänen für die Reduktion von Emissionen klimaschädlicher Gase über den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu Aufforstung und weiteren. Sollten alle Maßnahmen umgesetzt werden reichen sie jedoch nicht aus, um das Ziel des Stopps der Erderwärmung bei 1,5 Grad zu erreichen. Die Prognosen variieren zwischen 2,7 und 3,5 Grad. Alle diese Maßnahmen sind freiwillig. Ab 2018 werden alle 5 Jahre die Umsetzung der Maßnahmen überprüft. Ab 2020 erstellen alle Länder im 5 Jahres – Rhythmus neue Maßnahmenpläne und passen diese an die aktuelle Situation an. Das Problem wird dringender, die politische und gesellschaftliche Umweltbewegung wird stärker, „saubere“ Technik wird besser und erschwinglicher. 

Man will den Peak des Treibhausgasausstoßes so bald wie möglich erreichen, „um in der zweiten Jahrhunderthälfte ein Gleichgewicht zwischen menschengemachten Emissionen und der CO2-Bindung in Senken herzustellen“.

Außerdem wurde verabredet, dass die Industrieländer von 2020 bis 2025 jährlich insgesamt 100 Milliarden Dollar für Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien und die Beseitigung von Klimaschäden in Entwicklungsländern investieren. 

Der komplette Vertrag zum nachlesen: http://unfccc.int/resource/docs/2015/cop21/eng/l09r01.pdf

Wie wird der Weltklimavertrag eingeschätzt?

Eine Auswahl der Stimmen zum Weltklimavertrag zeigen wie unterschiedlich das Abkommen beurteilt wird.

Al Gore / ehemaliger Vizepräsident der USA / Unternehmer / Umweltschützer

“No agreement is perfect, and this one must be strengthened over time, but groups across every sector of society will now begin to reduce dangerous carbon pollution through the framework of this agreement.”

Bill McKibben  350.org / Gründer des Divest Movement

„We've got a 1.5 degree target, and a 3.5 degree plan. So, let's get to work!“

„... this means is that we need to build the movement even bigger in the coming years, so that the Paris agreement turns into a floor and not a ceiling for action.“

Crystal Lameman / Beaver Lake Cree Nation (Kanada) / Aktivistin

“The Paris Accord is a treaty, it’s the first time since the UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples defined the minimum standard, so further to that a treaty is a treaty and whether it’s legally binding text or not, we need to remember that the pre-amble is the framing of the operative and the framing of the operative that is left for interpretation; it’s common knowledge that when people cite the UN declaration they almost always go to the preamble- so this is a win.”

Francois Hollande / Präsident Frankreichs  

“We are at a decisive point in time.”

Jagoda Munic, Vorsitzende Friends of the Earth International 

"Instead of acting with ambition and urgency, our governments are acting in the interests of powerful lobbies and corporations, but people are taking back the power. History will not be made in the convention centre, but on the streets of Paris and round the globe. The climate justice movement is unstoppable and will continue to expand in 2016 and beyond. A handful of politicians will not stop the energy revolution."

Kumi Naidoo, bis Dezember 2015 International Executive Director Greenpeace 

„ The wheel of climate action turns slowly, but in Paris it has turned. There’s much in this deal that frustrates and disappoints me, but it still puts the fossil fuel industry squarely on the wrong side of history.“

Naomi Klein / Journalistin / Bestsellerautorin „This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate“ / Aktivistin

“(The Paris agreement) is like going: ‘I acknowledge that I will die of a heart attack if I don’t radically lower my blood pressure. I acknowledge that in order to do that I need to cut out alcohol, fatty foods and exercise everyday. I therefore will exercise once a week, eat four hamburgers instead of five and only binge drink twice a week and you have to call me a hero because I’ve never done this before and you have no idea how lazy I used to be.’”

The International Investors Group

“Investors across Europe will now have the confidence to do much more to address the risks arising from high carbon assets and to seek opportunities linked to the low carbon transition already transforming the world’s energy system and infrastructure.” 

Vivienne Westwood / Punk / fashion designer / Aktivistin

„(The COP21) is a mirror of death. The scientists and NGOs will now fight for our lives against the governments of the rich countries. A green economy is one that can grow.
Our NGO, Climate Revolution means that Climate Change will force us to choose a better, beautiful world. This one will die. We need to transfer to the new one before it’s too late.“

Was ist zu erwarten?

Heute treffen sich Vertreter von 155 Ländern der Erde um einen Weltklimavertrag zu unterschreiben. Das ist tatsächlich ein Rekord. Auch die Präsidenten der beiden Länder, die mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen verursachen, USA und China, Obama und Jinping, werden unterzeichnen. Dadurch wird der Vertrag wahrscheinlich bereits in diesem Jahr in Kraft treten. Die Vorgänger, das Kyoto Protokoll trat erst acht Jahre später und das  Montreal Protokoll trat erst zwei Jahre nach der jeweiligen Konferenz in Kraft.

"We are not defending nature - we are nature defending itself"

Mein persönliches Fazit:

Ich war in den zwei Wochen in Paris als eine von tausenden AktivistInnen aus der ganzen Welt dabei. Die Stimmung war hoffnungsvoll und positiv. Wir haben uns über den politischen und zivilgesellschaftlichen Stand der Umweltschutzbewegung in unseren Ländern ausgetauscht, mit viel Spaß und Kreativität in Workshops und Happenings viel voneinander gelernt und Projekte entwickelt. Wir haben gemeinsam gefeiert. Wir haben trotz Ausnahmezustand und Versammlungsverbot öffentlich Stellung bezogen und unsere Forderung laut ausgesprochen: Leave it in the ground! - Alle fossilen Brennstoffe müssen im Boden bleiben!

Unsere Aktionen wurden vom französischen COP-Präsidenten Fabius und der UNFCCC-Generalsekretärin Figueres deutlich wahrgenommen und in ihren Reden positiv gewürdigt.

Wir haben ein wunderschönes, stärkendes, inspirierendes Gefühl der Oneness erlebt. Wir sind viele, wir sind überall und wir werden jeden Tag mehr. 

Sicher sind politische Entscheidungen unabdingbar um das Ziel von 1,5 Grad zu erreichen aber auch jeder Einzelne von uns kann etwas bewegen. Jeden Tag ein kleines Stück. Die Zivilgesellschaft weltweit sollte nicht auf Politiker warten und weiter konstruktiv und kritisch die Umsetzung der Punkte begleiten, mahnen, selber tun was in ihrer Macht steht. Und diese Macht vor allem als Konsument in Industriestaaten wie Deutschland ist nicht zu unterschätzen. Wenn man sich erlaubt seine Gewohnheiten zu hinterfragen, als Konsument und im Job kreativ Alternativen findet, die einen nachhaltigen Lebensstil erlauben, setzt man Signale, inspiriert andere um sich herum und kann damit schon sehr viel erreichen. Wir gehen einfach schon mal vor!

Über die Autorin:

Annekathrin Otto, PR Beraterin und Veranstaltungskauffrau, schiebt mit ihrem Kommunikationsbüro Gruen Schlau & Partner den ökosozialen Wandel mit an. Ihre Philosophie ist dabei einfach, positiv und lösungsorientiert möglichst weit in Richtung Mainstream zu kommunizieren. Zufriedene Kunden sind unter anderem Change Maker wie der Regisseur Valentin Thurn (Taste The Waste, 10 Milliarden), das Transformationsfestival Forever Now und der Co-Working Space Thinkfarm. Außerdem schreibt sie in ihrem Blog "eco me eco you" über kleine und große Ideen, Aktionen und Inspirationen für eine grünere Welt.