„Wenn die Vereinten Nationen überleben sollen, müssen diejenigen, die es repräsentieren, es stärken; diejenigen die es verfechten, sich danach richten und diejenigen die daran glauben, dafür kämpfen.“ Norman Cousins

Die Vereinten Nationen ähneln in gewisser Weise dem berühmten Club Berghain. Jeder will rein, aber nur die wenigsten wissen wie.

Eine Sache ist sicher. Nämlich, dass es nicht nur darum geht, wie du angezogen bist. Es gibt (mindestens) drei Gründe, die junge Talente daran hindern, einen der begehrten Jobs in der UN zu bekommen:

  1. Das größte Problem ist nach wie vor, dass viele Berufseinsteiger/innen zu großen Respekt vor der UN haben und ihre Chancen, tatsächlich angestellt zu werden, unterschätzen.
  2. Anders als Consulting Firmen oder Investmentbanken, sucht die UN nicht gezielt auf dem Campus oder in Karriereevents nach neuen Talenten. Dadurch gibt es einfach nicht viele Möglichkeiten für junge Absolventen/innen auf direktem Wege mit der Organisation in Kontakt zu treten oder von den zahlreichen Karrieremöglichkeiten zu erfahren.
  3. Zu guter Letzt bedarf die Informationspolitik der UN eindeutig Verbesserung, vor allem in Bezug auf Homogenität und Übersichtlichkeit. So gibt es nicht ein zentrales Portal, sondern zahlreiche, je nach Programm und Informationsgesuch.

Aus diesen Gründen, soll der folgende Artikel einen Überblick über Orientierungs- und Jobmöglichkeiten in den Vereinten Nationen geben, so dass du am Ende den UN-Job findest, der zu dir und deinen Fähigkeiten passt.

Was braucht man, um einen Job in der UN zu bekommen?

Ich werde jetzt nicht anfangen, über Werte oder Moralvorstellungen zu reden. Wenn du dich dazu entschlossen hast diesen Artikel zu lesen, gehe ich davon aus, dass du ein lebhaftes Interesse an internationaler Entwicklungsarbeit mitbringst und den Wertekanon der UN teilst. Deswegen möchte ich mich lieber auf die Hard Facts fokussieren.

Mitarbeiter der UN werden normalweise international akquiriert und bekleiden während ihrer Laufbahn verschiedene UN-Organisationen und Positionen. Zu den Zugangsvorraussetzungen zählen ein weiterführender Universitätsabschluss, perfekte Fähigkeiten in englischer und französischer Sprache (da diese zu den allgemeinen Geschäftssprachen zählen). Kenntnisse einer weiteren Fremdsprache sind zwar ein Bonus, aber keine Voraussetzung für die meisten Jobs.

Die wichtigste Komponente ist und bleibt jedoch Arbeits- und Praxiserfahrung. Bewerber*innen können sich je nach vorhergehender Tätigkeit für verschiedene Kategorien bewerben: P-1 Positionen verlangen keine Arbeitserfahrung, aber eigentlich gibt es solche Positionen gar nicht. Für P-2 Positionen braucht man mindestens 2 Jahre Berufserfahrung, für P-3 mindestens fünf, für P-4 mindestens 7 Jahre praktische Erfahrung und für Positionen aus dem P-5 Bereich mindestens 10 Jahre. Ein umfassender Überblick der formellen Kriterien findest du hier.

Nach diesen eher allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen, die so ziemlich für alle Jobs gelten, möchte ich nun einen näheren Blick auf konkrete Programme für Berufseinsteiger*innen werfen.

1. Das UN Internship Programm

Von allen UN-Programmen ist das UN Internship Programm die Option, die die niedrigsten Zugangsvorraussetzungen für potenzielle Bewerber*innen birgt. Mit mehr als 4000 Praktikanten*innen allein im New Yorker Headquarter, ist die Zahl der bei der UN Beschäftigten in den letzten Jahren fulminant in die Höhe geschossen. Grundvoraussetzung ist die Immatrikulation als Master- oder Promotionsstudent*in oder in einem, sich in den letzten Zügen befindlichen, Bachelorstudiengang. Das Praktikum ist auf 2 bis 6 Monate angelegt.

Der größte Nachteil ist die fehlende Vergütung. Denn nicht einmal die Reisekosten werden abgedeckt.

Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Initiativen, die das verändern möchten: allen voran die  Fair Internship Initiative New York und die Pay Your Interns Initiative in Genf.

Allerdings gibt es auch einige Fonds und Programme der Vereinten Nationen, die unabhängig genug sind, um eine eigene Vergütungspolitik zu haben und ihre Praktikanten*innen so auch bezahlen zu können. Wenn es nach der International Labor Organization (ILO) geht, dann können „Praktikanten, die von ihrer Institution (universitäre, politische o.ä.) keine Vergütung erhalten, von der ILO ein Stipendium erhalten, das deren finanzielle Grundsicherung abdeckt.“

Zusätzlich dazu gibt es bestimmte nationale Internship-Programme, die von Seiten der Regierung unterstützt werden. In Deutschland zählen dazu das Carlo-Schmid-Programm, das dem Deutschen Akademischen Ausstauschdienst (DAAD) unterstellt ist und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Ein letzter Aspekt bliebe noch zu erwähnen: Eine beträchtliche Anzahl von Praktikanten*innen erhalten das Angebot, nach ihrem Praktikum als Berater*in zu arbeiten, vorausgesetzt, dass das Budget der Organisation eine solche Position zulässt. Allerdings gibt es solche Angebote meist nur für eine kurze Dauer (durchschnittlich 3 bis 12 Monate). Diese bieten auch nicht die gleichen Benefits wie eine Festanstellung.

2. UN-Voluntär/innen

Eine zweite Einstiegsmöglichkeit, die ähnlich organisiert ist wie ein Praktikum, ist das United Nations Volunteers (UNV) Programme. Aktuell findet dieses Programm in 86 Ländern Verwendung. Über 7700 UN Voluntär*innen werden jedes Jahr sowohl national als auch international dazu aufgerufen, in verschiedenen Entwicklungsprojekten oder humanitären Hilfs- und Friedensorganisationen mitzuarbeiten. In 80% der Fälle handelt es sich dabei um Hilfe in Entwicklungs- oder Schwellenländern.

Die Idee hinter dem Programm ist es, den Voluntär*innen durch gezielten Wissensaustausch, ein besseres und fundierteres Verständnis von Entwicklungsarbeit zu vermitteln. So betont die UNV: „ Obwohl UN-Freiwillige aus unterschiedlichen beruflichen und technischen Hintergründen immer gefragt sind, gibt es besondere Fachgebiete, in denen potenzielle Freiwillige mit relevanten Hintergründen und Fertigkeiten häufiger angefragt werden." Unnötig zu erwähnen, dass die Bewerber einwilligen müssen, auch in Gefahrenregionen eingesetzt zu werden und sich schnell an verschiedene Lebens- und Arbeitsbedingungen anpassen müssen.

Wohingegen die normalen Arbeitseinsätze auf mindestens 12 Monate ausgelegt sind, gibt es auch kürzere von 3 Monaten. Die Voluntär*innen müssen älter als 25 Jahre sein und erhalten Unterstützung und Benefits in Form einer finanziellen Grundsicherung, eines Jahresurlaubs und einer Gesundheitsversicherung.

3. Das Junior Professional Officer (JPO) Programm

Das Junior Professional Officer (JPO) Programm bietet Interessierten eine andere Möglichkeit Teil des UN-Systems zu werden, gilt aber gleichzeitig als begehrter und umkämpfter als die beiden vorherigen. JPO-Stellen werden nur von bestimmten Organisationen der Vereinten Nationen angeboten. Die Teilnehmer des Programms werden in den Länderzentralen der beteiligten Organisationen vor Ort untergebracht. JPO-Angebote werden von der zuständigen nationalen Regierung übernommen, was bedeutet, dass man sich nur für die Stellen bewerben kann, die derzeit von deiner zuständigen Regierungsbehörde angeboten werden. Erfolgreiche Bewerbern*innen erhalten einen festen Einjahresvertrag, welche normalweise auf ein zweites Jahr, bei sehr guter bis zufriedenstellender Leistung, erweitert werden. Einige Sponsoren des Programms vergeben sogar Vierjahresverträge. Einkommen ähneln denen der Einstiegslevel für Mitarbeiter der UN (P1-P2).

JPOs müssen jünger als 32 Jahre sein. Weitere Zugangsvorraussetzungen sind in der Regel ein Master-Abschluss (oder etwas gleichwertiges) in einer entwicklungsbezogenen Disziplin, mindestens zwei Jahre vergüteter Arbeitserfahrung in einem relevanten Sektor (bevorzugt in einem Entwicklungsland), schriftliche und gesprochene Expertise in mindestens zwei der drei offiziellen UN-Sprachen (englisch, französisch, spanisch), ausgezeichnete Skills im informationstechnologischen Bereich sowie ein ausgeprägtes strategisches Denkvermögen und starkes Engagement für die Entwicklungsarbeit.

4. Das Young Professionals Programm

Das letzte Programm, dass in meiner Auflistung Erwähnung finden soll, ist das Young Professionals Programm, eine Recruitment-Initiative, die es jungen Berufseinsteigern*innen ermöglich soll, eine Karriere als internationaler Beamter im UN-Sekretariat, dem Verwaltungsorgan der Vereinten Nationen, einzuschlagen. Das normale Zulassungsverfahren setzt sich aus einer eimal im Jahr stattfindenden Aufnahmeprüfung und verschiedenen Entwicklungsprogrammen zusammen.

Als erstes musst du herausfinden, ob dein Land momentan zu den partizipierenden Teilnehmern gehört (dies verändert sich alljährlich). Der zweite Schritt besteht aus der sorgfältigen Überprüfung der Stellenangebote aus dem dich interessierenden Bereich. Stelle dabei unbedingt sicher, dass du die fachspezifischen Anforderungen erfüllst. Eine Liste der aktuellen Stellenangebote findest du auf der YPP Homepage.

Du kannst deine Bewerbung für deinen Traumjob bei der UN auf dem Onlineportal Inspira einreichen. Deine Bewerbung wird dann auf Zulässigkeit geprüft. Wenn deine Bewerbung erfolgreich war, wirst du zur Aufnahmeprüfung eingeladen.

Ähnlich wie beim JPO Programm, müssen Bewerber*innen unter 32 Jahren alt sein, über einen Universitätsabschluss in einem der relevanten Prüfungsgebiete (Administration, Finanzen, Rechtsfragen, Öffentlichkeit- oder Sozialarbeit, Statistik) verfügen und über hervorragende Englisch- oder Französischkenntnisse in Wort und Schrift verfügen. Die Voraussetzungen sind demnach ein wenig lockerer als für das JPO Programm. Relevante Arbeitserfahrung kann hier  jedoch laut YPP Aussage den Unterschied machen: „In Fällen, in denen es mehr als 40 Kandidaten*innen derselben Nationalität für eine Bewerbung gibt, entscheiden oft deren relevante Arbeitserfahrungen.“

Wie es üblicherweise bei Traumjobs der Fall ist, sind Beharrlichkeit und Hingabe entscheidend.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es, obwohl nicht klar und homogen kommuniziert, zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten für einen Job in der UN gibt. Es erübrigt sich allerdings zu erwähnen, dass der Einstieg einen beträchtlichen Arbeitsaufwand, Durchhaltevermögen und Engagement verlangt.

Vielleicht hilft es ja, so heranzugehen: die ersten beiden oben beschriebenen Angebote der UN sind für diejenigen hilfreich, die noch nicht ganz genau wissen, ob ein Job in den Vereinten Nationen wirklich das Richtige für sie ist. Die letzten beiden Programme sind hingegen sehr spezifisch und anspruchsvoll und somit besser für Bewerber*innen geeignet, die sich sicher darin sind, durch ihre Arbeit Teil der Vereinten Nationen werden zu wollen.

Zu guter Letzt noch ein Ratschlag: Seid euch bewusst, dass der Großteil der Programme, vor allem für Newbies, in den teilnehmenden Ländern absolviert wird und nicht in den Zentralbüros New Yorks, Genfs oder Nairobis. Wenn du dir allerdings sicher bist in globaler Entwicklungshilfe der UN tätig zu werden, bewirb dich für eines der Programme vor Ort. Wir wünschen dir viel Erfolg damit!