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Banker haben nicht mehr den besten Ruf. Insbesondere nicht nach der Finanzkrise 2008. Aber wie wirkt sich so etwas auf die einzelnen Mitarbeiter aus und was gibt es für Alternativen, wenn man sich für eine Karriere in der Finanzwelt entschieden hat? Auf der Suche nach Antworten haben wir mit Georg Schürmann dem Geschäftsführer von der Triodos Bank Deutschland gesprochen, der damals nach der Krise von der Deutsche Bank gewechselt hat. "Anstrengend" sei es - ein Gleichgewicht zwischen Gewinnmaximierung und gesellschaftlichem Mehrwert zu schaffen. Aber andererseits ist das persönliche Highlight nicht der neue Profit-Rekord sondern die Rückmeldung von Kunden, die es geschafft haben, mit ihren innovativen Geschäftsmodellen, einen positiven Beitrag für den Planeten zu leisten.

Triodos Bank Georg Schürmann

Wie kam es dazu, dass Sie Geschäftsführer einer nachhaltigen Bank geworden sind?

Da kamen verschiedene Dinge zusammen. Es war im Jahr 2008, als ich die Triodos Bank kennengelernt und erfahren habe, dass sie nach Deutschland kommt und dafür einen Geschäftsstellenleiter mit Erfahrung im Privatkundengeschäft sucht. Zu der Zeit habe ich noch bei der Deutschen Bank gearbeitet. Mit Mitte 40 befand ich mich damals in einer Lebensphase, in der ich mich gefragt habe, was mache ich beruflich noch, ist das überhaupt das Richtige? Der Wechsel zur Triodos Bank hat mir die Chance gegeben, Banking aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen und Werte, die mir persönlich wichtig sind, auch beruflich leben zu können.

Weitere Gründe waren die Finanzkrise mit der Lehman Pleite in demselben Jahr und dass ich erleben durfte, wie wenig Innehalten bei meinem alten Arbeitgeber daraufhin stattgefunden hat. Das hat mir die Entscheidung erleichtert, zur Triodos Bank zu wechseln und damit den Sprung zu einer Nachhaltigkeitsbank zu wagen. Und es war natürlich auch eine tolle Herausforderung, eine neue Bank in Deutschland aufzubauen – vor allem eine nachhaltige Bank, die auf echten Werten basiert.

Was ist bisher der Höhepunkt gewesen in Ihrer Rolle bei der Triodos Bank?

Das ist eine spannende Frage. Ich glaube nicht, dass es nur einen Höhepunkt gab. Es waren viele Dinge, die mich in den letzten fünf, sechs Jahren beeindruckt haben. Natürlich habe ich noch die Eröffnungsveranstaltung im Dezember 2009 vor Augen, als wir erleben durften, was es für einen ungeheuren Zuspruch für diese neue Art von Banking in Deutschland gibt.

Am Ende gehören aber die Begegnungen mit den Kunden zu den Höhepunkten: Zu sehen, dass wir in den letzten Jahren tolle Kunden gewonnen haben, die wir ein Stück weit unterstützen konnten bei ihren Vorhaben, neue innovative Projekte verwirklichen zu können.

Landgut Börsig

Ein konkretes Beispiel ist das Landgut Borsig, das erste Bio-Tagungshotel in Berlin-Brandenburg, das kürzlich den Green Award als nachhaltigste Veranstaltungslocation erhalten hat. Ein weiteres Beispiel ist der Stallbau Weiland mit seinem Hühnermobil, das als Hessenchampion 2013 in der Kategorie Innovation ausgezeichnet worden ist.

Für mich sind dies die wahren Höhepunkte, wenn wir einen Kunden unterstützen konnten, der ein Umdenken anstößt und Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt.

Was sind die Herausforderungen, Banking und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen?

Ich würde das gar nicht auf Banking allein beschränken, sondern die Frage eher so stellen: Was sind die Herausforderungen, ein Unternehmen nachhaltig zu führen? Im Prinzip ist es die ständige Balance, die wir als Bank oder auch als nachhaltiges Unternehmen immer wieder finden müssen: auf der einen Seite gesellschaftlichen Nutzen zu generieren, also wirklich nur Projekte zu finanzieren und Unternehmen zu begleiten, die einen gesellschaftlichen Mehrwert haben, und auf der anderen Seite zu prüfen, wie wir das mit  ökonomischen Anforderungen in Einklang bringen können.

Die gleiche Herausforderung haben wir auch intern. Zum einen wollen wir unseren Ansprüchen, gesellschaftliche Akzente zu setzen und für gesellschaftlichen Wandel Beiträge zu leisten, gerecht werden, zum anderen gilt es allen Stakeholdern und auch unseren eigenen Mitarbeitern gerecht zu werden. Dabei immer wieder das richtige Gleichgewicht zu finden, das ist eigentlich die ständige Herausforderung. Das ist zwar ein Stück weit anstrengend, macht aber auch Spaß, weil es einem eine ganz andere Motivation und Kraft gibt, wenn man weiß, man kann in der Gesellschaft etwas Positives bewirken.

Wie nehmen Sie den Sektor der nachhaltigen Unternehmen in Deutschland wahr und wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Das bekomme ich immer hautnah im Dialog mit den Kollegen aus anderen europäischen Ländern mit, die von Deutschland als Vorreiter in vielen Fragen der Nachhaltigkeit beeindruckt sind. Vorneweg muss man das Beispiel Energiewende bzw. Erneuerbare Energien nennen, wo Deutschland Akzente setzt und mit Sicherheit eine Vorreiterrolle in Europa einnimmt.

Es ist aber auch die Vielfalt an biologischen Produkten und nachhaltig orientierten Unternehmen, die in Deutschland außergewöhnlich ist. Zwar gibt es die natürlich auch in anderen Ländern, aber gerade im Einzelhandel sieht man viele regionale Player, die auch im Mainstream bekannt sind. Mittlerweile sind bei uns Bio-Produkte in jedem Supermarkt  erhältlich, was gewiss nicht in allen anderen europäischen Ländern in diesem Maße der Fall ist.

Leider gilt dies nicht für das Thema nachhaltige Finanzen. Da sind andere Länder weiter.

Was macht Sie zu einem Changer?

Da passt sehr gut der Slogan unserer britischen Kollegen „change finance – finance change“, das macht Triodos aus. Zunächst wollen wir natürlich einen Beitrag dazu leisten, die Finanz- und Bankenwelt zu verändern  und weiterzuentwickeln. In Deutschland waren wir die erste Bank überhaupt, die 2012 den Deutschen Nachhaltigkeitskodex für mehr Transparenz unterzeichnet hat. Aber wie der Slogan besagt, sehen wir unsere Rolle vor allem auch darin, den gesellschaftlichen Wandel zu finanzieren. Darin liegt für uns als Nachhaltigkeitsbank der wahre Auftrag.

Willst Du wissen, ob man durch "Gutes tun" Geld verdienen kann? Lies hier unseren Artikel "Geld verdienen, gut gemacht".

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Triodos Bank entstanden. Die Sozialunternehmen in diesem Artikel sind alle Geschäftskunden der Triodos Bank. Die Triodos Bank ist eine Nachhaltigkeitsbank, die sich darum bemüht innovative Wege zu finden mit denen man Geld für die Gesellschaft und eine bessere Zukunft arbeiten lassen kann. Und dies mit größtmöglicher Transparenz – indem über jeden vergebenen Kredit berichtet wird. Die Nachhaltigkeitsbank unterstützt mit Krediten nur Projekte und Unternehmen, die langfristig positive Veränderungen für Mensch und Umwelt bewirken.