ursprünglich erschienen: 26.06.2015

Die immense Nutzung von Plastik ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Die Gründer/innen von Tiffin Projekt wollen dieses Problem angehen. Um Müll bei Take Away Produkten zu vermeiden, möchten sie ein Leihsystem für Edelstahlboxen einführen. Wir sprachen mit ihnen über ihre zukünftigen Ziele und ihre Appelle an die Politik und Gesellschaft.

Erzählt uns mehr! Was war die Motivation dahinter Tiffin Projekt zu starten?

Vermutlich kennt jeder das Problem: Man holt sich einen leckeren Imbiss zum Mitnehmen und bekommt sein Essen in einer ordentlichen Ladung Plastik überreicht. Toll und appetitlich findet das wohl niemand, schon gar nicht die Umwelt. Denn letztendlich landen diese Einwegverpackungen nach kurzer Verwendung oft auf den Straßen oder in der Natur.

Wir haben uns deshalb gedacht, dass das auch anders gehen muss. Deshalb wollen wir jetzt mit dem Tiffin Projekt die ganzen unnötigen Einwegverpackungen durch unsere Mehrwegboxen aus Edelstahl ersetzen – die Tiffin Boxen.

Viele denken sich jetzt vermutlich: „Das ist ja gar nichts Neues, solche Boxen gibt es schon seit Jahrzehnten.“ Das stimmt, allerdings geht es beim Tiffin Projekt nicht um die Boxen an sich.

Zur Teilnahme muss man nicht unbedingt immer eine eigene Box in der Tasche haben. Stattdessen wollen wir in einem Netzwerk aus Partnerrestaurants ein Leihsystem einführen. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich direkt im Restaurant für die müllfreie Variante mit der Tiffin Box zu entscheiden. Das Ausleihen ist für den Kunden kostenlos und unkompliziert: Einfach ein Pfand hinterlegen oder kurz registrieren und los geht’s.

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Was muss sich gesellschaftlich und in der Politik ändern, damit Plastik nicht mehr zum Alltag gehört?

Wenn man sich umschaut, ist man ja nur so umgeben von Produkten in Plastikverpackungen, das fördert natürlich auch das unangemessene Abfallverhalten vieler Bürger. Mit fast 45% machen Verpackungen inzwischen einen riesigen Anteil am gesamten Müllaufkommen aus.

Damit sich etwas ändern kann, muss sich das Bewusstsein der Menschen verändern. Jeder muss wissen, welche kurz- aber vor allem langfristigen Folgen die massenhafte Verwendung von Plastikprodukten für die Umwelt, aber auch für unsere Gesundheit hat. Doch nicht nur die Probleme müssen aufgezeigt werden, auch Lösungsvorschläge und nachhaltige Alternativen müssen geboten werden. Die Gesellschaft muss wissen, dass Recycling allein nicht die Welt rettet. Recycling ist sehr energieaufwändig und trotzdem bleiben am Ende noch ganze 15% komplett unverwertet übrig.

Hier muss unserer Meinung nach auch die Politik mehr eingreifen und Aufklärungsarbeit leisten. Es könnten beispielsweise finanzielle Anreize zur Plastikvermeidung schaffen oder durch Richtlinien/Gesetzte dem Missbrauch von Nachhaltigkeitsversprechen in der Werbung/Greenwashing vorbeugen.

Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?

Zunächst möchten wir das Tiffin Projekt mit einer Pilotphase in Berlin starten um das System zu testen und zu optimieren. Schon jetzt haben wir zahlreiche Anfragen aus anderen Städten, so dass wir müllfreies Take-Away in Zukunft mit Sicherheit auch über die Grenzen von Berlin weg möglich machen werden.

Welche Learnings würdet Ihr anderen, die Ihre eigene Idee in die Tat umsetzen möchten, mit auf den Weg geben?

Wenn man eine gute Idee hat, sollte man auf jeden Fall sofort loslegen und versuchen sie umzusetzen. Denn nur weil es etwas noch nicht gibt, heißt nicht, dass es nicht gebraucht wird. Vielleicht ist eure Idee so anders, dass ihr erstmal in fragende Gesichter schaut. Dann hilft es nur stark zu bleiben und mit Hilfe eines guten Teams die Idee durchzusetzen.

Um ein Projekt ist es auf jeden Fall sehr wichtig, die Öffentlichkeit einzubinden und Netzwerke aufzubauen und zu nutzen. Versucht bekannte Fürsprecher oder Experten für euch zu gewinnen!

Letztendlich solltet ihr eure Idee mit den richtigen Zahlen und Fakten begründen können. Denn es gibt immer Kritiker, die alles ganz genau hinterfragen. Da hilft es nur einen kühlen Kopf zu bewahren und alles so genau wie möglich darzulegen.