Das Hertie-Innovationskolleg (HIK) ist ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, welches schon zum Vorzeigeprojekt der Förderlandschaft für soziale Innovation in Europa geworden ist. Um einen tieferen Einblick in die Arbeit und Mission des HIKs zu gewinnen, haben wir mit drei Kollegiatinnen Tina Simon, Anne-Marie Kortas und Evgeniya Sayko und einer Mitarbeiterin des HIK, Ann Kathrin Schubert gesprochen. Aktuell kann man sich hier bis zum 31. Oktober mit seiner Projektidee bewerben.

2016 startete das Hertie-Innovationskolleg erstmalig mit einem Pilotjahrgang. Vier Projekte wurden ein Jahr lang nicht nur durch Projektmittel, sondern auch durch die Bereitstellung von Coworking-Spaces und einem breiten Workshop-Angebot gefördert. "Wir hatten am Standort Berlin der Hertie-Stiftung schon über viele Jahre immer wieder Leute, die mit spannenden Ideen an uns herangetreten sind, so wie die Gründer von Teach FirstDritte Generation Ostdeutschland oder One Week Student", sagt Ann Kathrin vom HIK, "als die Idee in der Stiftung reifte, gezielt Menschen mit hervorragenden Ideen für gesellschaftliche Innovationen zu fördern, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl engagieren wollen, musste unser Vorgehen nur noch institutionalisiert werden und so entstand das Hertie-Innovationskolleg. Das HIK bietet Menschen einen Raum, ihre Ideen für gesellschaftliche Innovationen auszuarbeiten und soweit möglich exemplarisch in die Umsetzung zu bringen. Wir haben schon beim ersten Durchlauf gemerkt, wie wertvoll das Programm für die Teilnehmer*innen gewesen ist. Und seither startet eine neue Generation zweimal im Jahr. Wir suchen Menschen, die sich mit ihrem Herzensprojekt auseinandersetzen wollen und das in Vollzeit ein Jahr lang".

Ann Kathrin Schubert vom Hertie Innovationskolleg

Ann Kathrin Schubert, Mitarbeiterin des Hertie-Innovationskollegs

Aktuell streben viele nach einem modernen und nachhaltigen Gesellschaftsmodell. Einen konkreten Beitrag zu leisten, ist allerdings oft alles andere als leicht. Gerade deshalb verfolgt das HIK diese Absicht schon seit Jahren. "Ziel ist es, Debatten nicht nur mitzugestalten, sondern Akteure des gesellschaftlichen Wandels zu identifizieren und zu fördern", so Michael Knoll, Leiter des Kollegs. Aus diesem Grund fördert das Programm Projekte, die eine große gesellschaftliche Relevanz haben und sich folgenden Themenfeldern zuordnen lassen:

  • Zukunft der Demokratie
  • Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts
  • Zukunft der Bildung

Wir haben uns bei Ann Kathrin erkundigt, wieso die Hertie-Stiftung sich gerade mit diesen Themen beschäftigt: "Die Hertie-Stiftung hat die Ziele Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie in ihrer Satzung verankert. Die Themen haben an ihrer Aktualität nichts verloren und so bündeln wir aktuell unter dem Leitthema Demokratie stärken Projekte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt Deutschlands und Europas sichern. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in den Themen des HIK wieder, die dies ansprechen. Wir versuchen, Projekte zu finden, die unsere Demokratie erneuern und eine europäische Komponente haben. Außerdem bearbeiten wir diese Themen in der Stiftung schon seit Jahren, weshalb hier auch unser Know How und das Netzwerk angesiedelt sind."

Tina Simon: Teachers Impact Lab
"Ich bin im April 2017 mit dem Teachers Impact Lab gestartet. Es soll dazu beitragen, dass Lehrkräfte motiviert und begeistert den Herausforderungen ihres Arbeitsalltags begegnen. Es wird sich immer sehr viel auf die Inhalte gestürzt, aber mir geht es mehr darum die Bedürfnisse der Arbeitnehmer im Schulsystem anzugehen."

Lies das vollständige Interview mit Tina Simon über ihr Projekt "Teachers Impact Lab" und die Bildungssituation in Deutschland.

"Für uns ist es wichtig, dass das Projekt und die Person zusammenpassen" erzählt Ann Kathrin, "Außerdem suchen wir Teamplayer und keine Einzelgänger, da es uns wichtig ist, dass die Projekte auch voneinander profitieren. Die Kollegiat*innen lösen in ihren regelmäßigen Treffen auch individuelle Probleme eines Projektes und beraten sich gegenseitig. Dieser ständige Austausch ist sehr hilfreich für die Projektarbeit. Obwohl sich Einzelpersonen bei uns bewerben, ist man auf keinen Fall alleine. Durch das Kolleg hat man die Unterstützung des persönlichen Betreuers und einer Peer Group, die an ähnlichen Problemen knabbert. Wir vermitteln natürlich auch Kontakte und bestimmte Probleme können vermieden werden, wenn eines der Projekte schon damit zu kämpfen hatte."

"Eine gute Idee, wie ein gesellschaftliches Problem in unseren Themenfeldern gelöst werden kann, ist ausreichend, um sich bei uns zu bewerben. Der Reifegrad der Projekte, die gefördert werden, ist wirklich sehr unterschiedlich. Manche verfolgen seit Kurzem den Gründungsgedanken und stehen sehr am Anfang mit den strukturellen Fragen. Dann gibt es aber auch Beispiele, dass Kollegiat*innen bereits in einem Verein sind und da die Weiterentwicklung oder Professionalisierung des Vereins ansteht. Manchmal gibt es auch eine rasante Entwicklung zwischen dem Bewerbungsscheiben und dem Projektantritt. Bei der Bewerbung existiert noch keine Organisation und beim Antritt ist da bereits ein Verein.", so Ann Kathrin.

Anne-Marie Kortas: Diversität und Integration
"Ich habe zwei Ziele, die ich mit meinem im April 2016 gestarteten Projekt verfolge. Auf der einen Seite möchte ich die Bedürfnisse der Geflüchteten raustragen: Was ist für sie wichtig? Wie definieren sie Zielgruppen gerichtete Angebote? Auf der anderen Seite will ich Wissen vermitteln und die Mentalität von Akteuren, die Angebote vermitteln, verändern. So will ich dazu beitragen, dass es mehr zielgruppengerechte Angebote für Geflüchtete gibt."

Lies das vollständige Interview mit Anne-Marie Kortas über ihr Projekt "Diversität und Integration".

Das Programm stößt auf sehr gute Resonanz bei den Teilnehmenden, da es weit über eine finanzielle Förderung hinausgeht und einen echten Raum schafft, indem Ideen reifen können.

Evgeniya Sayko: Wertediskurs mit Russland: klären, formulieren, vermitteln
"Wir Kollegiaten sehen den Bedarf für eine Veränderung, zu welcher es allerdings noch keine Nachfrage gibt. Es gibt keinen vorgegebenen Weg, es gibt nur die Richtung. Um diese Veränderung durchzusetzen, braucht man viel Mut, Energie und Durchsetzungskraft."

Lies das vollständige Interview mit Evgeniya Sayko über ihr Projekt "Wertediskurs mit Russland: klären, formulieren, vermitteln".

Das Schöne ist, dass die Kollegiat*innen den Willen mitbringen auch nach der offiziellen Förderphase zielstrebig ihre Projekte weiterzuverfolgen. So dient das Hertie-Innovationskolleg als Sprungbrett für Ideen und Menschen, die es wert sind, gefördert zu werden, weil sie unser aller Zukunft ein Stückchen besser machen wollen. Egal ob eine Weiterförderung, Selbstständigkeit oder eine Beratungstätigkeit angestrebt wird, es ist ein Schritt in die richtige Richtung – etwas näher zur Vision eines modernen und nachhaltigen Europas.

Hast auch du ein Projekt, welches Realität werden soll?

Dann bewirb dich hier bis zum 31. Oktober für ein einjähriges Stipendium ab dem 01. April 2018! Hier nochmal die Bewerbungskriterien im Überblick:

  • Gefördert werden Vereine oder Einzelpersonen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem abgeschlossenen Hochschulstudium.
  • Eine wichtige Voraussetzung ist die Vollzeitbeschäftigung mit dem Projekt und die Bereitschaft regelmäßig an Treffen teilzunehmen.
  • Die Themenfelder der Projekte sind: Zukunft der Demokratie, Bildung oder des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
  • Die gesellschaftliche Relevanz des Projekts sowie das Potenzial, Wandel herbeizuführen, spielen eine zentrale Rolle.

Alle wichtigen Kriterien und Informationen zum Bewerbungsprozess haben wir nochmal hier für dich zusammengefasst.

Du willst mehr über das Hertie Innovationskolleg erfahren?

Dann geht's hier zu einer Übersicht der Kollegiat*innen und deren Projekte. Einen guten Eindruck von der kreativen Stimmung im HIK bekommst du auch durch dieses Video:

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