Dieser Artikel ist zuerst auf Englisch bei EVPA/ Pioneers Post erschienen.
Er wurde von Naomi Ryland für tbd* ins Deutsche übersetzt.

Als Felix Oldenburg seine Karriere von Social Entrepreneurship zur Philanthropie verlagerte, hatte er große Hoffnungen auf die Rolle von Stiftungen bei der Finanzierung von Sozialprojekten. Nach drei Jahren als Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen – ein Netzwerk von 4.500 Stiftungen – sind diese Hoffnungen jedoch noch nicht erfüllt. Aber, schreibt er, es ist noch nicht an der Zeit aufzugeben: Stiftungen könnten zu ernstzunehmenden Investoren werden, wenn sie mit ihrem Stiftungsgkapital innovativ wären – nicht nur mit ihren Fördergeldern.

Wenn du dies liest, stehen die Chancen gut, dass du nicht nur an Impact-Investitionen interessiert bist, sondern auch denkst, dass diese eine große Zukunft haben.

Du befindest dich in guter Gesellschaft: Die meisten Menschen in der Branche glauben das – auch ich selbst. Ich habe lange Zeit geglaubt, dass der Wendepunkt nahe war und dass Impact-Investitionen auf dem Weg wären, konventionelle Investitionen zu überholen – wie es der Fall sein müsste, wenn wir die Klimaziele erreichen und die globale Ungleichheit verringern wollen. Heute stimmen viele der führenden Ökonom*innen und Investor*innen des Planeten dem zu, auch wenn verwirrende Terminologie und "Greenwashing" es schwierig machen, sich auf irgendetwas zu einigen.

Und doch: Unabhängig von der von dir gewählten Definition bezweifle ich bei der derzeitigen Wachstumsrate der investierten Vermögenswerte für Impact sehr, dass ich den Tag erleben werde, an dem die Finanzwelt zu einem Nettozahler für eine nachhaltige und gerechte Welt wird.

Im Schneckentempo

Es war zum Teil meine Begeisterung für Impact Investment, das meine Entscheidung veranlasste, von einem Sozialunternehmen in den Philanthropiesektor zu wechseln. Ich hatte aus meiner Arbeit mit Hunderten von Sozialunternehmer*innen in Deutschland und ganz Europa gelernt, dass Stiftungen das fehlende Glied im Finanzökosystem für soziale und ökologische Lösungen sein könnten. Schließlich verfügen sie in der Regel über wirklich geduldiges Kapital, sowie Zugang und Expertise in der Zusammenarbeit mit führenden Changemakern in ihrem Bereich. Und was könnte ein besserer Zeitpunkt für den Übergang zu Impact-Investitionen sein als ein historisch niedriges Zinsumfeld, das die Stiftungen zwingt, darüber nachzudenken, wie sie mit ihren Stiftungsgeldern Wirkung erzielen können?

Was wäre ein besserer Zeitpunkt für Stiftungen, um darüber nachzudenken, wie sie mit ihrem Stiftungsvermögen Wirkung erzielen können?

Quantitative Nachweise über die Rolle, die Stiftungen bei der Wirkungsinvestition spielen, sind selten oder gar nicht vorhanden. Aber es ist klar, dass sie bei weitem keine bedeutende Kraft sind. Meine Schätzung ist, dass ihre kombinierten jährlichen Investitionen in Deutschland im unteren Millionenbereich liegen und nicht einmal typischerweise aus dem Stiftungskapital stammen, sondern eigentlich aus deren Projektbudget. Der Unterschied ist beträchtlich, da diese Fonds in Bezug auf die finanziellen Erträge flexibler sind, aber auch viel kleiner als die des Stiftungskapitals. Infolgedessen ist es möglich, dass Impact-Investitionen nicht zu einer allgemeinen Erhöhung der auf die Wirkung ausgerichteten Ressourcen führen, sondern die verfügbaren Zuschussmittel reduzieren - welche ebenso wichtig sind als Quelle der Früh- und Seed-Finanzierung für soziale Innovationen.

Zerbrochene Hoffnungen

Nach drei Jahren an der Spitze eines großen und vielfältigen Netzwerks von Stiftungen unterschiedlicher Größe und Mission muss ich zugeben, dass ich mindestens drei Fehleinschätzungen gemacht habe, als ich zum ersten Mal in den Philanthropiesektor kam.

Zuerst nahm ich an, dass niedrige Zinssätze Stiftungen dazu bringen würden, nach alternativen Renditen zu suchen. Es geschieht jedoch das Gegenteil: Die meisten Stiftungen priorisieren finanzielle Erträge noch stärker als bisher. Nach unseren Daten kommt rund die Hälfte der deutschen Stiftungen nicht über der Inflationsrate. Und selbst die Größeren spüren den Druck von Jahren mit niedrigen Zinsen und zunehmend volatilen Aktienmärkten. Dieses Umfeld könnte ein Umdenken auslösen, scheint aber in vielen Fällen konservative Anlagestrategien zu festigen.

Zweitens hoffte ich, dass die Stiftungen mehr Interesse an Finanzinnovationen zeigen und diese annehmen würden. Wieder falsch: Während die meisten Stiftungen - auf Gedeih und Verderb - Innovationen auf der Programmseite verfolgen, zögern sie sehr, auf der Managementseite zu experimentieren.

Drittens ging ich davon aus, dass Stiftungen eine privilegierte Position haben würden, um einen Deal Flow aus ihrem operativen Know-how oder ihrer Expertise in diesem Bereich zu generieren. Schließlich kennen sie oft Hunderte von sozialen Projekten und Unternehmungen, die in ihren thematischen oder regionalen Netzwerken operieren. Nochmals, kein Glück. Die Wahrheit ist, dass die meisten Grant Maker wenig über Finanzen wissen und eine Investitionsmöglichkeit so gut erkennen können, wie sie Eigenkapital von Darlehen unterscheiden können.

Neue Engagementstrategien

Setzen wir hier auf das falsche Pferd? Schließlich könnte man argumentieren, dass die Summe der institutionellen Philanthropie im Vergleich zu Privat- oder Firmenvermögen gering ist. Würde das Ansprechen der Risikokapital-Community oder die Förderung von Corporate Impact Investment Vehicles mehr Mittel mobilisieren?

Möglicherweise. Ich denke jedoch, dass es ein großer Fehler wäre, auf Stiftungen als Treiber von Impact-Investitionen zu verzichten. Sie sind eine einzigartige Kapitalquelle auf dem Markt - Kapital, das mit Impact-Expertise und Verbindungen zu allen Segmenten ausgestattet ist.

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