ursprünglich erschienen: 16.06.2015

Startnext ist Deutschland's größte Crowdfunding Plattform und wird auch von Sozialunternehmen immer wieder gerne genutzt. Im Interview erzählt uns Denis Bartelt, Mitgründer von Startnext, wie Crowdfunding zukünftig eine Art Facebook sein wird und wie die richtige Botschaft Deine eigene Kampagne zum Erfolg bringen kann.

Was unterscheidet Startnext von anderen Crowdfunding Plattformen?

Startnext ist aktuell die größte Crowdfunding-Community im deutschsprachigen Raum und besonders bekannt für die Finanzierung von kulturellen, kreativen und nachhaltigen Ideen sowie für Sozialunternehmen. Während zum Beispiel amerikanische Plattformen hierzulande eher für den Vorverkauf von Gadgets oder Produkten bekannt sind, setzt sich unsere Community vor allem für gesellschaftliche Innovationen und kreative Ideen ein, die etwas verändern.

Wir haben mit Startnext unsere Wurzeln im deutschsprachigen Raum und unser Team bringt langjährige Erfahrungen aus der Kreativwirtschaft und Social Business mit, sodass wir die Starter vor Ort individuell betreuen können und damit die Erfolgsquote der Projekte deutlich steigern können. Auf Startnext werden aktuell 60% der Projekte erfolgreich finanziert, auf Kickstarter liegt die Quote bei 38% und auf Indiegogo bei rund 10%. Wichtig ist uns außerdem eine möglichst große Vielfalt an Bezahlmethoden anzubieten, die insbesondere im deutschsprachigen Raum von vielen Menschen genutzt werden, wie zum Beispiel Lastschrift oder Vorkasse. Auf Startnext haben wir außerdem ein anderes Geschäftsmodell als andere Crowdfunding-Plattformen: Wir finanzieren uns über ein freiwillige Provision, das heißt jeder Starter entscheidet nach seiner erfolgreichen Kampagne selbst, mit welchem Betrag er Startnext unterstützt.

Wie lässt sich die Crowdfunding Szene in Deutschland zu den USA oder UK vergleichen? Ist man hier genauso bereit zu spenden?

In Deutschland haben wir im Vergleich zu den USA einen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund: In Deutschland ist die private Finanzierung von neuen Ideen und Unternehmen noch ein junges Thema, da viele Projekte beispielsweise über öffentliche Förderung finanziert werden, die wiederum in den USA kaum ausgeprägt ist. Wir leisten hierzulande somit seit über fünf Jahren Pionierarbeit und die Erfolgsgeschichten und der Wachstum der Fundingsummen zeigen uns, dass viele Menschen sich gerne an neuen Ideen beteiligen wollen. Nach einer Studie der Cambridge Universität wurden 2014 europaweit insgesamt schon knapp 3 Milliarden Euro über Crowdfunding finanziert, davon 140 Millionen Euro in Deutschland. Deutschland ist damit der drittgrößte Markt in Europa nach Großbritannien und Frankreich. 

Interessant ist, dass die durchschnittlich erreichten Finanzierungssummen der Projekte auf den deutschen und den internationalen Crowdfunding-Plattformen doch sehr ähnlich sind: Die meisten Projekte liegen zwischen 5.000 und 10.000€.

Was war die erfolgreichste Kampagne auf Startnext?

Die finanziell erfolgreichste Crowdfunding-Kampagne auf Startnext ist bisher der Dokumentarfilm „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB" über den Gründer des Fußballvereins Borussia Dortmund mit rund 218.000€. Das Projekt ist zugleich auch das erfolgreichste Crowdfunding-Projekt auf einer deutschen Plattform. Zu den gesellschaftlich erfolgreichsten Kampagnen gehören aber zum Beispiel Cucula und Original Unverpackt, die großen Impact generieren konnten.

Was ist Deiner Meinung nach der Schlüssel zu einer erfolgreichen Crowdfunding Kampagne?

Erzähle nicht nur, was du für ein Projekt oder Unternehmen machen möchtest, sondern warum du diese Idee realisieren möchtest. Was ist die Botschaft hinter deinem Projekt? Was möchtest du mit deiner Idee verändern oder bewegen? Starter, die diese Frage in ihrer Kampagne beantworten, sind aus meiner Erfahrung am Erfolgreichsten. 

Das ist übrigens auch der Grund, warum Social Business Projekte so erfolgreich sind, weil die Starter fast immer die „Warum-Frage“ beantworten können. Dafür gibt es viele eindrucksvolle Beispiele auf Startnext, zum Beispiel Einhorn, Cucula, Original Unverpackt, Mein Grundeinkommen oder die Karma Chakhs.

Wie wird sich Crowdfunding/-investing in der Zukunft entwicklen? Was prophezeist Du für die nächsten 10 Jahre?

Ich glaube, dass wir Crowdfunding in Zukunft so selbstverständlich und alltäglich nutzen werden, wie wir heute soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nutzen. Crowdfunding ist für mich der logische nächste Schritt von Social Media, da wir durch die wachsende digitale Vernetzung nicht nur Ideen schnell und kostengünstig mit vielen Menschen teilen können, sondern auch direkt finanzieren können. Wir demokratisieren damit den Zugriff auf und die Verteilung von Kapital.

Was würdest Du Leuten raten, die eine Crowdfunding Kampagne starten wollen? Bitte teile Deine Top 3 Tipps mit uns.

  • Die eigene Idee auf den Punkt bringen, so dass Andere sie leicht weiter erzählen können. 
  • Die Macher und das Projekt authentisch in einem Pitch-Video vorstellen.
  • Die Idee in die Welt hinaustragen und die passende Zielgruppe für das Projekt gezielt ansprechen.