ursprünglich erschienen: 04.12.2014

Vor einiger Zeit haben wir uns auf die Reise nach Hamburg gemacht und dort auch startsocial kennengelernt. Ganz im Sinne des Ehrenamt Tages  haben wir Dr. Sunniva Engelbrecht interviewt, die das Amt des geschäftsführenden Vorstands trägt. Im Interview erzählt Dr. Engelbrecht worüber sie besonders stolz ist, wie die Zukunft des Ehrenamts aussieht und was das alles mit Frau Merkel zu tun hat.

Was genau macht startsocial und was ist die soziale Wirkung?

startsocial ist ein bundesweiter Wettbewerb für soziale Initiativen, in welchem jährlich einhundert Projekte mit Beratungsstipendien gefördert werden. Das beginnt bei der reinen Idee für ein Projekt bis hin zu etablierten Vereinen. Alle Projekte werden über vier Monate jeweils von zwei Fach- und Führungskräften ehrenamtlich beraten. Die besten Initiativen werden mit Geldpreisen im Wert von 35.000€ ausgezeichnet. In jeden Wettbewerb sind dabei mehrere hundert Beteiligte involviert. Seit dem Jahr 2001 haben wir mehr als 1.000 Initiativen gefördert, darunter Projekte wie Viva von Agua oder Rock your Life! Die Landschaft der sichtbaren Engagementprojekte wird also jährlich reicher.  Neben der Sichtbarkeit geben wir über die von uns eingesetzten Coaches und auch über die Juryfeedbacks unserer Juroren eine ganze Menge Wissen in die sozialen Initiativen. Viele unserer Alumni werden deswegen gern von anderen Förderern in eine Anschlussförderung aufgenommen. Auf Grundlage unserer langen Erfahrung konnten wir uns zu einem Gütesiegel freiwilligen Engagements in Deutschland entwickeln und tragen damit unmittelbar zur Entwicklung von gemeinnützigen sozialen Initiativen bei.

Warum sollten sich soziale Initiativen bei startsocial bewerben?

Jedes Jahr bewerben sich fast dreihundert Initiativen, weil sie eins der einhundert Beratungsstipendien mit Profis aus der Wirtschaft erhalten möchten. Mit ein bisschen Glück gewinnen sie dann am Ende sogar einen der Geldpreise. startsocial bietet seinen Stipendiaten darüber hinaus Pro-bono-Angebote wie kostenlose Rechtsberatungen und neben zahlreichen Veranstaltungen auch interessante Kontakte zu Unternehmen und Netzwerken. Alle Bewerber erhalten zudem ein detailliertes und individuelles Experten-Juryfeedback. So profitiert jedes Projekt, das eine Bewerbung bei uns einreicht – egal ob es ein Stipendium erhält oder nicht.

Was ist die Intention hinter der startsocial-Förderung?

Wir möchten das Ehrenamt professioneller aufstellen. Dafür fördern wir nicht kurzfristig und projektbezogen sondern nachhaltig und strukturell. Es ist einfach ein Unterschied, ob man in einem Kinderschutzprojekt die Räume anstreicht oder die Strukturen der Organisation neu aufstellt. Diese Strukturen in ihrem jeweiligen Mikrokosmos zu stärken, ist unser Anliegen. Dafür initiieren wir Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und sozialem Sektor, über die gemeinsame Lösungen geschaffen werden und von der beide Seiten profitieren.

Wie erfahren soziale Initiativen von einer Fördermöglichkeit durch startsocial? Die Förderlandschaft ist ja sehr groß in Deutschland.

Die Bandbreite der von uns geförderten Projekte ist enorm groß. Eine Selbsthilfegruppe für Crystal-Abhängige erreicht man anders als das großstädtische Inklusionsprojekt oder eine Zeugenbegleitung für Gewaltopfer. Wir sprechen diese verschiedenen Zielgruppen über mehrere Kanäle an. Da gehören gute Alumni-Arbeit genauso dazu wie der professionelle Einsatz von Social-Media oder gute Kontakte zu kommunalen Trägern und Stiftungen. Zudem haben wir das Glück, dass uns ein Medienkonzern als einer unserer Förderer großzügige Werbezeiten zur Verfügung stellt, über die wir auch außerhalb des Dritten Sektors auf uns aufmerksam machen können.

Sie sind seit 5 Jahren Vorstand von startsocial- gibt es etwas worauf Sie besonders stolz sind?

Natürlich freue ich mich, dass wir es schon über so viele Jahre schaffen, einen Wettbewerb professionell und verlässlich hochzuziehen, so dass viele Fachkräfte immer wieder Interesse anmelden, über uns soziale Projekte zu beraten. Zudem zeichnet uns aus, dass wir uns immer wieder hinterfragt haben: Was können wir anders machen?  Wie können wir die Projekte besser fördern? Sie stehen bei allem was wir tun, im Mittelpunkt. Dass von den über sechzig Bundespreisträgern der letzten neun Jahre fast alle noch aktiv sind, macht uns da schon ein bisschen stolz.

Wie schätzen Sie persönlich die zukünftige Entwicklung des Ehrenamts ein?

Unsere Gesellschaft ändert sich und das zeigt sich auch darin, wie ehrenamtliches Engagement interpretiert wird.  "Nach wie vor erfahren Menschen Sinnhaftigkeit, indem sie ehrenamtlich arbeiten." Aber es ist zunehmend schwieriger Menschen für verantwortungsvolle Ämter – zum Beispiel den  Vorstandsvorsitz eines Vereins – zu gewinnen. Für viele der von uns geförderten Initiativen ist daher modernes Ehrenamtsmanagement ein zunehmend wichtiges Thema. Zwar engagieren sich Menschen von jeher, aber sie tun es eher projektzogen, für einen begrenzten Zeitraum und deutlich ergebnisorientierter. Langfristig Verantwortung zu übernehmen, wollen oder können die meisten nicht. Möglicherweise ist unser Leben dafür auch einfach zu anders geworden. Hier sind wir als Gesellschaft gefragt, Lösungen zu finden.

Was macht Sie zum Changer?

Ehrenamtliche Arbeit ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Jeder dritte Deutsche bringt Zeit für eine Sache auf, die dem Gemeinwohl dient und nicht durch ein Entgelt entlohnt wird. Die meisten dieser Ehrenamtlichen treten nicht laut in Erscheinung sondern agieren leise im Hintergrund. Wir sorgen dafür, dass dieses Engagement sichtbar wird und helfen Projekten dabei, sich mittels der Unterstützung von Profis aus der Wirtschaft besser aufzustellen. Darin erhalten wir Unterstützung  auf höchster Ebene: Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Schirmherrin von startsocial.