ursprünglich erschienen: 18.06.2015

Dieser Artikel stammt von unseren Partnern bei reset.org.

Sie sind Reformer mit sozialer Mission, denn sie finden neue, innovative Lösungen für soziale oder gesellschaftliche Fragen. Die Rede ist von Social Entrepreneurs und Social Business Entrepreneurs.

Social Entrepreneurs (Soziale Unternehmer) wollen mehr als nur Gewinn! Sie wollen in erster Linie die Welt verbessern und das „von unten“ - also aus der Gesellschaft heraus. Social Entrepreneurs sind Menschen zwischen Bill Gates und Mutter Theresa, die gesellschaftliche Probleme erkennen und mit innovativen und kreativen unternehmerischen Ideen zu lösen versuchen. Die ungewöhnlichen Unternehmer engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen wegbleiben, weil sie keine Gewinne erwarten.

Der Grund für dieses Engagement? Selbstverwirklichung mit einer Mission zu verbinden! Vielleicht aber auch einfach die Suche nach dem Job mit Sinn.

Deutschland, Indien, Afrika - Soziale Unternehmer/innen erobern die Welt

Indien gehört nach Meinung von Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forums und der gleichnamigen Schwab Foundation zu den Ländern, wo die innovativsten Sozialen Unternehmer zu finden sind. Viele der Geschäftsmodelle oder einfachen Technologien wie eine vom Barefoot College entwickelte kostengünstige Alternative, Regenwasser in Schulen zu sammeln und wieder zu verwenden, werden mittlerweile in die ganze Welt exportiert. Der indische Herzchirurg Devi Shetty zählt zu Indiens berühmtesten Herzspezialisten und ermöglicht mit Hilfe seines sozialen Unternehmenskonzepts in seinen Privatkliniken der armen Bevölkerung Zugang zu medizinischer Versorgung. Mehr als die Hälfte seiner Patienten versorgt er unter Selbstkosten oder umsonst.

Aber auch in der Türkei, den USA, Brasilien, Tansania oder Deutschland sprießen diese ungewöhnlichen Unternehmer mit ihren Ideen für eine bessere Welt wie Pilze aus dem Boden. Das Non-Profit-Pharmaunternehmen medicines360 entwickelt bspw. kostengünstig Verhütungsmittel für Frauen, denen der Zugang zu ihnen normalerweise verwehrt bleibt. Vorwiegend in Afrika ist der belgische Ingenieur und Sozialunternehmer Bart Weetjens mit seiner Organisation Apopo mit Ratten im Einsatz gegen Landminen. Auch in Deutschland sind Unternehmer mit sozialer Mission aktiv wie das Beispiel von Gregor Hackmack, Mitgründer der Organisation abgeordnetenwatch.de zeigt. Abgeordnetenwatch.de setzt sich in Deutschland für mehr Transparenz in der Politik ein und nutzt dafür das Potenzial von Big Data.

Was aber macht Social Entrepreneurship aus?

Der Kern der Mission eines Social Entrepreneurs ist die Schaffung eines sozialen Mehrwertes. Hier liegt auch der zentrale Unterschied zu einem klassischen Unternehmer, dessen Fokus unabhängig vom sozialen Engagement, die Gewinnerzielung ist. 

Indem Social Entrepreneurs Phänomene wie Armut oder Probleme, die aus dem Klimawandel und Umweltverschmutzung resultieren, nachhaltig auf unternehmerische Art und Weise zu lösen versuchen, maximieren sie in erster Linie den gesellschaftlichen Nutzen und nicht den eigenen finanziellen Gewinn. Verbergen können sich hinter sozialen Unternehmen sowohl gemeinnützige als auch gewinnorientierte Organisationsformen.

William Drayton, der 1980 in Indien die Ashoka Initiative gründete, die zu den frühen Treibern der Bewegung des Sozialen Unternehmertums gehört, definiert einen sozialen Unternehmer als einen Unternehmer, der die Rolle eines Reformers im sozialen Sektor übernimmt, indem er u.a.:

  • eine Mission verfolgt, die einen sozialen Mehrwert (nicht nur privaten) schafft,
  • neue Wege und Möglichkeiten erkennt und anwendet, um diese Mission zu erfüllen,
  • den „Prozess“ kontinuierlich anpasst und verbessert,
  • die notwendigen finanziellen und materiellen Ressourcen anzieht.
Quelle: Frischen/ Lawaldt 2008

Social Business – Problemlösung mit profitablem Modell

Auch Social Business Entrepreneurs setzen sich für den gesellschaftlichen Wandel ein. Das Konzept „Social Business“ geht aber noch einen Schritt weiter: Social Business ist soziale Problemlösung mit profitablem Modell. Der Unternehmensgewinn der erwirtschaftet wird, fällt nicht an Gesellschafter oder Shareholder (wie bei einem klassischen Unternehmen der Fall) sondern wird zu 100 % für das soziale Unternehmensziel reinvestiert. Das Unternehmen eines Social Business Entrepreneurs (auch als Social Business Enterprises“ (SBEs) bezeichnet) ist in der Regel eine gewinnorientierte private Unternehmensform.

Muhammad Yunus, der Vater des Mikrofinanzkonzepts und Gründer der Grameen Bank gehörte mit der Gründung der Grameen Bank zu den Pionieren des Social Business. Denn hinter Yunus verbirgt sich kein ehrenamtlicher Sozialarbeiter, sondern ein gewinnorientierter Geschäftsmann mit sozialer Mission. Yunus bezeichnet diesen Unternehmer-Typus als „Social Business Entrepreneur“ und charakterisiert ihn folgendermaßen:

„[He] is not interested in profit maximisation. He is totally committed to make a difference in the world. He is socially-objective driven. He wants to give better chance in life to people. He wants to achieve this objective through creating and supporting sustainable business enterprises”.

Social Business bedeutet aber nicht nur Mikrofinanzierung, wie die ehemalige Investmentbankerin Alicia Polak mit ihrem äußerst erfolgreichen Unternehmen Khayelitsha Cookies zeigt. In den Townships Kapstadts produziert sie seit 2006 Gebäck mit dem Ziel, Beschäftigungsmöglichkeiten für arbeitslose Frauen zu schaffen. Heute arbeiten über 500 ehemals arbeitslose Frauen in ihrem Unternehmen.

Auch Konzerne sind als Social Business Unternehmer akiv. Einer der ersten deutschen Großkonzerne, der ins Social Business einstieg, war BASF. Das eigens gegründete Joint Venture vertreibt Portionsbeutel mit Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung sowie beschichtete Moskitonetze als Schutz vor krankheitsübertragenden Insekten. Auch der französische Konzern Danone betreibt seit 2007 in Zusammenarbeit mit Grameen ein Social Business in Bangladesch.

Social Entrepreneurship – Eine Bewegung in Bewegung

Gerade in Krisenzeiten werden Wirtschaftsmodelle in Frage gestellt. Und es scheint, als würden immer mehr Menschen nach verantwortungsbewussten Geschäftsideen streben.

Wie aber finanzieren sich Unternehmer mit sozialer Mission? Neben der Triodos-Bank fördern hierzulande bisher nur wenige Institute wie die sozial-ökologisch orientierte GLS-Bank soziale Unternehmen. Der Investmentfonds Bonventure hat sich ausschließlich auf die Finanzierung sozialer und ökologisch wertvoller Geschäftsideen spezialisiert.

Innovation heißt Vernetzen

Das Genisis Institut in Berlin ist überzeugt, dass Social Business zu einem neuen und ausbaufähigen Wirtschaftssektor werden kann. Teilnehmer aus aller Welt treffen sich nun schon seit 2008 auf dem Vision Summit mit der Vision, Social Business zu einem neuen Sektor Wirtschaftssektor zu machen. Hier ein paar Impressionen vom letzten Vision Summit 2014.

Quellen und Links

Dieser Artikel erschein ursprünglich auf reset.org

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