ursprünglich erschienen: 29.11.2014

Letzte Woche fand das Finale von "Bist Du der nächste Ben & Jerry’s" statt. Das Ziel des Wettbewerbs, den das soziale Eisunternehmen zusammen mit Ashoka organisierte, war es die vielversprechendsten Sozialunternehmen Europas auszuzeichnen. Wir waren live dabei und freuen uns Dir die top Tipps von Gewinner Christoph Müller-Dechent verraten zu können.

Um teilnehmen zu können wurde, unter anderem, auf das Alter der Teilnehmer (man sollte unter 35 sein) und die finanzielle Tragfähigkeit der Idee geachtet. Die ausgewählten Ideen sollten also Skalierungspotenzial haben. Ben & Jerry's und Ashoka wollten ebenso gewährleisten, dass die Finalisten aus den verschiedensten Bereichen kamen. Und das taten sie. Die Bandbreite reichte von einem österreichischen Unternehmen, das alte Snowboards upcycled und in Longboards verwandelt bis hin zu einem Spielzeugverleih und einer online Plattform, die Enthüllungsjournalismus aus der Crowd ermöglicht. Manche Unternehmen waren noch klein und gerade am Anfang - andere bereits größer. Goodwall hat zum Beispiel bereits eine Investition von 1,5 Million Dollar eingesammelt und über 300,000 registrierte Nutzer generiert. Aus Deutschland waren zwei Teams dabei. Beide sind ehemalige Social Impact Stipendiaten aus jeweils Hamburg (mittlerweile sitzen sie in Köln) und Frankfurt: FoodLoop und Bettervest. Hier kannst Du alle europäischen Gewinner sehen.

And the winner is...

FoodLoop! Christoph Müller-Dechent konnte Benni Adrion (Viva con Agua Gründer) und die restlichen Juroren mit seinem Konzept überzeugen. Christoph entwickelte eine App, dies es Supermärkten ermöglicht Produkte, die sie sonst wegwerfen müssten, zu einem günstigen Preis zu verkaufen. Dafür nutzt er eine neue Barcode Technologie mit der Supermärkte, ohne viel Aufwand, relevante Produkte hochladen und verkaufen können. Darüber hinaus soll das System ebenso Geo-Tagging anbieten (denke an Tinder für günstiges Essen) damit man immer sehen kann, welche Läden in der direkten Umgebung gerade ein Angebot haben. Somit untergraben Supermärkte eben nicht ihre eigenen Preisstrukturen, doch vor allem können Menschen, denen der Preis wichtiger ist als die Auswahl, auf günstige Produkte zugreifen. Und - am Wichtigsten - weniger Essen wird verschwendet. Das Ganze wurde bereits zusammen mit einem Supermarkt in Bonn getestet und war sehr erfolgreich. Der Bonner Ladenbesitzer musste nicht nur weniger wegwerfen, sondern konnte tatsächlich einen höheren Umsatz erzielen. Warum? Weil die Menschen dank der App eher dorthin gegangen sind, wo sie Schnäppchen finden konnten. Also ein Win-Win-Win für alle.

Nachdem die Pitches vorbei waren, wir uns die Bäuche mit schmackhaftem regionalen und nachhaltigem Street Food vollgeschlagen hatten, hatten wir auch endlich die Möglichkeit mit Christoph zu sprechen. Christoph arbeitet schon seit 2012 an seiner Idee und darf auch bald 3 Monate in Silicon Valley verbringen, gesponsert von Berlin- versteht sich. Als Gewinner nimmt er 10.000 EUR mit nach Hause, erhält eine sechsmonatige Beratung von Ashoka und das FoodLoop Logo wird auf tausenden Eis Tubs erscheinen. Wir haben ihn also gebeten seine top Tipps für das Gründen eines social Startups mit uns zu teilen:

Denk groß. Tue groß. Werde groß.

  1. Denke groß und lass Dich nicht unterkriegen. Insbesondere nicht wenn Andere sagen, dass Deine Vision zu groß sei oder wenn Sachen länger brauchen als erwartet.
  2. Nutze bestehenden Netzwerke. Du kannst es nicht alleine schaffen. Insbesondere nicht, wenn Du groß denkst. Ashoka ist dafür ein wichtiger Partner. Ich kannte sie vorher nicht, aber nachdem ich sie kennengelernt hatte, habe ich sie sofort angeschrieben. Ich habe quasi hauptsächlich bei diesem Wettbewerb mitgemacht, um von Ashoka wahrgenommen zu werden und anschließend (hoffentlich!) von deren Netzwerk und Expertise profitieren zu können.
  3. Große Namen als Referenzen sind einfach super wichtig, wenn man sich als kleinen Player etablieren will. Die Tatsache, dass das Firmenlogo auf Ben & Jerry’s Eis Tubs steht, wird sicherlich Türen öffnen. Da ich eh mit dem Foodloop an große Supermarktketten heran muss, ist das perfekt. Ich nenne es den  "“James Bond Effekt” - man wird automatisch ernst genommen, ohne dass man sonst irgendwas machen muss."
  4. Ein Sozialunternehmen kann auch ruhig Geld machen. Mein Unternehmen ist Mittel zum Ziel. Patagonia Gründer Yvon Chouinard ist da mein Vorbild. Erst wenn ich richtig viel Geld habe, kann ich dann richtig viel bewegen. Foodloop soll eben richtig groß werden. So kann ich noch mehr erreichen.
  5. Such Dir Menschen aus, auf die Du Dich verlassen kannst. Mit den 10.000 EUR, kann ich nun eine Mitarbeiterin bezahlen, die bisher ehrenamtlich gearbeitet hat und das ist super wichtig, weil ich sie nicht verlieren will. Sie versteht mich und die  Firma vollkommen. Sie soll bleiben und dafür bezahlt werden. Ich habe sie in Frankreich kennengelernt und sie wohnt in London. Sie kann nicht mal Deutsch. Aber wenn die Chemie stimmt, musst du alles geben, um die richtigen Menschen zu behalten.

Wir sind gespannt wie es mit FoodLoop weitergehen wird und wie es dem Team in Silicon Valley und dann auch in Vermont gefällt. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

Jeden Donnerstag schicken wir dir einen Newsletter...

...dort findest du viele neue Jobs, plus Meinungsartikel, Events und einiges mehr rund um das Thema Karriere mit Sinn.