ursprünglich erschienen: 24.11.2015

Am Freitag haben wir mit TeilnehmerInnen des Betterplace LabTogether im Workshop darüber diskutiert, ob Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit sich tatsächlich ausschließen müssen oder ob es - in der “Zukunft der Arbeit” - auch Möglichkeiten gibt, diese Grenzen aufzubrechen.

Für die, die nicht dabei sein konnten haben wir hier nochmal die zum Teil gewagten Hauptthesen und Ideen für die Zukunft der Arbeit im privaten und gemeinnützigen Sektor zusammengestellt: 

Das Problem

Sinn vs. Geld

Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich für viele TeilnehmerInnen weiterhin aus. Das liegt mit daran, dass "Sinn" in der Wirtschaft oft als Status oder Prestige verstanden wird, und nicht in Form von positiver, sozialer und/oder umweltschonender Wirkung. 

Damit einhergehend wird Geld bzw. finanzielle Entlohnung häufig als Mittel der Erfolgsmessung genutzt, während sinnstiftende Arbeit als "ganz nett" gilt. 

Privatwirtschaft als langweilige Ausbeutearbeitgeber?!

Hierarchie, kein Mitspracherecht, sinnloses Abarbeiten von fremdgestalteten Aufgaben, der Verkauf von Lebenszeit, Dienst nach Vorschrift, 5 Tage, 8 Stunden = 100% Einsatz, unflexible Arbeitszeiten, Gewinnsteigerung als ultimatives Ziel, Personalverantwortung nur durch Gehaltsstrukturen und fehlende Sinnhaftigkeit  - sind nur einige der Stichpunkte die den TeilnehmerInnen beim Thema Arbeitgeber der Privatwirtschaft in den Sinn kamen. Das Image der Branche ist also keineswegs gut. 

Die Geldlosen sozialen?!

Bei sozialen Organisationen hingegen ist die Wahrnehmung, dass niemand über Geld sprechen möchte. Gehalt wird somit zum Tabu, insbesondere wenn man verhältnismäßig “viel" verdient oder verdienen möchte. Außerdem wird viel zu wenig offen und transparent über “Verwaltungs-” oder “Werbekosten” gesprochen. Die Sozialwirtschaft braucht also ein neues Verständnis vom sinnvollen Wirtschaften. 

Hybride Alternativ-Lösungen als Mangelware

Unternehmen, die ihre Werte transparent darstellen und leben (DM, Otto, SAP) werden als potential "sinnvolle" Arbeitgeber wahrgenommen, auch wenn sie keine soziale Dienstleistungen bzw. Produkte vertreiben. Sie gelten jedoch leider weiterhin als Mangelware. 

Außerdem wurde auch die steigende Unterstützung von Mitarbeiterengagement durch Privatunternehmen willkommen geheißen. Gleichzeitig jedoch wird vor willkürlichem Sponsoring (aus PR Zwecken) gewarnt. Die TeilnehmerInnen wünschten sich daher vor allem einen größeren Fokus auf Skills Based Volunteering und integriertem CSR. 

Die Antwort

Lösungsvorschläge für die Zukunft der Arbeit

Angelehnt an diesen negativ angehauchten Ist-Zustand, kamen die folgenden Ideen auf, wie die Privat - und Sozialwirtschaft in Zukunft besser integriert werden könnten: 

  • Mehr Selbstbestimmung und Mitbestimmung von MitarbeiterInnen in der Privatwirtschaft.
  • Transparente, ethische und "menschliche" Werte bei allen Unternehmen  und Organisationen einbetten, unabhängig von Produkt oder Dienstleistung.
  • Mehr Möglichkeiten für MitarbeiterInnen schaffen, gesellschaftlichen Wirkung durch sinnvolle CSR/Pro-Bono Arbeit zu leisten.
  • Gesetzliche Implementierung von sozialer Verantwortung bei Unternehmen, ähnlich wie bei Emissions Standards.
  • Geld-Tabus des sozialen Sektors (z.B. Verwaltung, Werbung usw.) müssen ausgeräumt werden. Um somit ein Verständnis dafür zu schaffen, dass  "changing the world" Geld kostet. 
  • "Charity" sollte nicht mehr als Freiwilligkeit (Spenden und Ehrenamt) begriffen werden, sondern auf gesellschaftlichen Strategien zurückführen, die sich den wirtschaftlichen Bedingungen unterwerfen muss.
  • Wirtschaftsunternehmen und in der Wohlfahrt sollten Raum für Intrapreneurship schaffen
  • Der Wert des Impacts bei sozialen Organisationen sollte öfter quantitativ gemessen werden und auf dieser Basis transparent bezahlt werden. Social Impact Bonds sind ein gutes Beispiel für ein solches Zahlungsmodel. 
  • Der soziale Sektor braucht eine Gewerkschaft - die sich für die Belange der MitarbeiterInnen innerhalb des Sektors einsetzt.

Die Vorreiter 

Best Practice im hier und jetzt

Die Lösungen klingen zum Teil utopisch? Einige TeilnehmerInnen gaben konkrete Beispiele von Organisationen, Unternehmen und Ideen , die es ihrer Meinung nach schaffen Sinn und Geld zu vereinen. 

  • Sozialunternehmen, die selbst wirtschaften und dabei soziale Probleme lösen wie z.B. betterplace.
  • Wirtschaftsunternehmen, die starke Werte leben wie DM, Otto und SAP.

„Wir bei dm wollen durch unser händlerisches Schaffen zu Wohlbefinden und Wohlstand beitragen und durch unser soziales und kulturelles Engagement mit dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa für eine soziale Marktwirtschaft auf demokratischer Grundlage gewährleistet sind.“
Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung

  • Innovative Organisationsformen in der Wirtschaft wie Premium Cola:

"Premium ist eine kleine Getränkemarke ohne Büro, die seit über 13 Jahren existiert und vieles bewusster regelt als die "normale" Wirtschaft. Das Projekt wird von einem Internet-Kollektiv nach dem Prinzip der Konsensdemokratie gesteuert und bis in Details wie z.B. "Anti-Mengenrabatte", "feste Umsatzanteile in die Alkoholismusvorsorge" oder "veganer Etikettenleim" optimiert [...]; Unser Leitsatz lautet: "Premium will ein faires, ökologisches und sozial tragfähiges Wirtschaftsmodell in hoher Qualität vorleben und verbreiten."

Es ist also scheinbar doch möglich Sinn und Geld zu vereinen. Und wir bei tbd* setzen uns weiterhin dafür ein, dass es immer selbstverständlicher wird.