ursprünglich erschienen: 13.05.2015

Wir sprachen mit Andreas Hellstab von 'Show Racism the Red Card' über seine Vision mit Sport Kinder und Jugendliche über Rassismus aufzuklären. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen als Teilnehmer der Civil Academy und teilt seine Top Learnings mit uns. 

Erzähl uns von Deinem Projekt

„Show Racism the Red Card“ bringt Kinder und Jugendliche mit dem Profisport zusammen. In interaktiven Workshops in Zusammenarbeit mit der Fußball-Bundesliga & Amateurvereinen, Schulen, Fanprojekten und Jugendeinrichtungen werden Inhalte der Antidiskriminerungsarbeit vermittelt.

Begonnen hat das Ganze 2009 als ich von einem Praktikum aus England bei der englischen Initiative Show Racism the Red Card in Newcastle zurück nach Deutschland kam. Ich fand den Ansatz spannend, mit Fußballern in England und Schottland unterwegs zu sein und Workshops gegen Rassismus durchzuführen. Da Fußball in Deutschland und England ähnlich populär ist, dachte ich mir, das könnte auch hier funktionieren.

Also habe ich ein paar Erfahrungen und Ratschläge eingeholt – und gemeinsam mit Freunden Show Racism the Red Card – Deutschland gegründet. Auch das englische Projekt hatte 1996 mit nur zwei Leuten begonnen und erreicht heute bis zu 50.000 Kinder pro Jahr – ich war also sehr zuversichtlich.

Du warst Teilnehmer der 10. Runde der Civil Academy. Was hat das für Dich bedeutet?

Die Civil Academy war für mich der erste Berührungspunkt mit dem Thema „social business“ und Sozialunternehmertum. Ich hatte in Augsburg studiert und bin sozusagen außerhalb der Berliner Blase aktiv geworden und dann mit dieser fertigen Idee hierhergekommen.

Die Civil Academy hat uns eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt weitergeholfen. Es war einfach unglaublich, wieviel Energie und Motivation man aus den Treffen mitgenommen hat, an dem eigenen Projekt weiterzuarbeiten und es voranzubringen.

Die Civil Academy hat maßgeblich dazu beigetragen, Red Card zu dem zu entwickeln, was es heute ist. Ich hatte die Möglichkeit, mich am Anfang drei Wochenenden auf das Projekt zu konzentrieren, und konnte somit enorm viel in Bereichen dazulernen, die mir meine Ausbildung als Politikwissenschaftler nicht wirklich mitgegeben hat. Die Veranstaltungen und Workshops der CA haben uns viele neue Einblicke ermöglicht – z.B. zum Thema Business Modeling, Teambuilding und Öffentlichkeitsarbeit.

Wie ging es mit deinem Projekt nach der Civil Academy weiter?

Wir haben als studentische Initiative angefangen und sind de facto immer noch sehr klein. Da wir nicht unter dem Dach eines großen Trägers stehen, finanzieren wir uns bisher durch einzelne Projektförderungen von Ministerien und Stiftungen. Ein Großteil unserer Arbeit muss dabei immer noch ehrenamtlich geleistet werden. Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, soll die Initiative mittelfristig feste Förderstrukturen entwickeln und sich in der deutschen Bildungslandschaft etablieren.

Meine Aufgaben in der Initiative haben sich mittlerweile auch grundlegend geändert. Am Anfang leitete ich vor allem die Workshops. Dazu kamen Schritt für Schritt die administrative Ebene und repräsentative Aufgaben.

Der Aufbau von neuen Kooperationen mit Profi-Vereinen ist, neben der Umsetzung unserer Angebote, bestimmt unsere bislang größte Leistung. Dieses Netzwerk ist in Deutschland einmalig und wir haben sicher auch einen Teil dazu beigetragen, dass sich die Vereine verstärkt dieses Themas annehmen.

Derzeit wächst nicht nur das Netzwerk, sondern auch die Zahl der Workshops pro Jahr. Unser Angebot spricht sich immer mehr herum. Rund 20 überwiegend junge Leute sind bundesweit im Einsatz.

Zu den Wünschen für die Zukunft gehört daher eine stabile Finanzierung – und es sind auch bereits neue Projekte angedacht. Derzeit arbeiten wir verstärkt mit der Bundesliga, dem Förderprogramm PFIFF sowie der Bundesliga-Stiftung zusammen. Wir haben gemeinsam mit einer Reihe von Top-Fußballerinnen und -Fußballern eine Dokumentation zum Thema Vorurteile gemacht: www.wieimfalschenfilm.de. Damit möchten wir direkt in die Schulen gehen.

Neue Themen sollen dabei integriert werden – wie zum Beispiel Homophobie im Fußball oder Antiziganismus – und auch das Thema von Mädchen und Frauen im Ballsport soll eine stärkere Rolle spielen. Das alles erfordert beständige Weiterbildung auch für die, die schon lange dabei sind.

Bis zum 30.4.2015 können sich Studierende aus NRW auch noch für unsere Weiterbildung, organisiert zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung und der GEW, anmelden. http://www.theredcard.de/aktuelles/seminar2015/

Was waren Herausforderungen (Ups und Downs), was ist bisher Dein größter Erfolg mit Deinem Projekt gewesen?

Finanzierungsfragen sind stets Herausforderungen für uns. Für mich persönlich ist eigentlich jeder Workshop, der allein aufgrund von finanziellen Fragen nicht stattfinden kann, eine kleine Niederlage.

Highlight unserer Arbeit war für mich persönlich sicher die Produktion des Dokumentarfilms „Wie im falschen Film. Geschichten aus dem Fußball“ www.wieimfalschenfilm.de. Wer hätte gedacht, dass ich mal als Filmproduzent vorgestellt werden würde? Mit der Doku sind wir mittlerweile deutschlandweit und sogar international unterwegs und bieten dazu auch Workshops an. Bisher ist es uns noch nicht gelungen einen Weg zu finden, wie wir den Film auf DVD möglichst vielen Menschen zugänglich machen können. Das ist unsere aktuell größte Herausforderung.

Bitte teile uns Deine Top 5 Learnings aus der Civil Academy mit!

Zuhören! Ich habe viele Menschen getroffen, viele Geschichten gehört und noch mehr Tipps und Anregungen, aber auch Kritik vernommen. Viel davon habe ich vergessen, einiges ignoriert oder nicht verstanden, aber einiges auch tatsächlich umgesetzt und damit „Red Card“ weiter gebracht.

Aufschreiben und systematisieren: manchmal ist man einfach „übercoacht“ und bekommt zu viel zu hören - den Überblick zu behalten ist eine Kunst für sich.

Umsetzen: Nach dem Input der Seminare wurde es spannend, jetzt ging es daran aus neuen Ideen wirksame Projekte zu machen. In diesem Moment zeigte sich immer ob es realistisch war, was man sich da am Civil Academy-Wochenende ausgedacht hatte.

Überzeugen: sich selbst, aber auch das Team und eben oft auch die Geldgeber mussten überzeugt werden.

Weitermachen. Ich habe oft ans Aufhören gedacht, aber nie aufgehört, zumindest bisher. Ist das ein Learning oder einfach nur Sturheit? Oder motiviert mich auch die Vernetzung mit den anderen Alumni der Civil Academy immer wieder neu?

Die Civil Academy ist ein kostenfreies Fortbildungsprogramm (inkl. Anreise, Verpflegung etc.), das allen Interessierten ohne besondere Vorkenntnisse offen steht. Sie trägt dazu bei, dass aus einer guten Idee auch wirklich ein erfolgreiches Projekt wird. Mit Hilfe von Know-how und Instrumenten aus dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements und der Unternehmen entwickeln junge Leute zwischen 18 und 27 Jahren ihre Idee bis zur Umsetzungsreife weiter. Die Teilnehmenden erhalten die Gelegenheit, an drei Wochenenden vom umfangreichen Wissen erfahrener Coachs zu profitieren. Wenn auch Du Teilnehmer werden möchtest, dann informier Dich hier

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