ursprünglich erschienen: 06.06.2014

Als Teil unserer Interviewserie mit inspirierenden sozialen oder grünen Innovatoren, sprachen wir mit Christina Veldhoen, ehemalige Gründerin von ROCK YOUR LIFE. Selbst noch Studentin, gründete sie vor 5 Jahren mit ihrem Team ROCK YOUR LIFE, ein Mentorship Programm zwischen Studenten und benachteiligten Jugendlichen. RYL wuchs schnell zu einem der erfolgreichsten Social Businesses heran, gewann Preise wie Start Social, erhielt Unterstützung von der Vodafone Stiftungen und BMW Herbert Quandt und eroberte ganz Deutschland. Warum sie ihr erfolgreiches Startup dennoch verlassen hat und was sie allen Social Entrepreneurs raten würde, könnt ihr hier lesen...

1. Christina, Du bist einer der wenigen Gründer, die ihr erfolgreiches Social Business verlassen haben. Was war Deine Motivation?

Weitergehen! Weiterwachsen! Erkunden! Entdecken! Einen scheinbar sicheren, im Sinne von überschaubaren Rahmen verlassen, zugunsten von Unbekanntem, in den Augen vieler „Unsicherem". Plus Raum für Neues in der Organisation zu machen, die ich einmal ins Leben gerufen hatte. Und: Loslassen üben. Und herausfinden, wer und was ich bin, ohne diese meine zweite Haut, „meine“ Organisation.

Außerdem heißt sie: ROCK YOUR LIFE!. Und das sollte auch oder sogar besonders für ihre Gründer gelten. Und sein Leben rockt man, so zumindest meine Erfahrung, am meisten, wenn man immer wieder Neues wagt. Anfang, Aufbau, Abschied, Neubeginn, all das sind eben Teile des Lebens, das gerockt werden will.

2. In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt Dein größter Erfolg?

Dass wir es geschafft haben, mit einer zunächst kleinen und einfachen Ideen über die Jahre Tausende von Menschen zu begeistern und zu mobilisieren und ihnen damit einen Platz in dem Ganzen zu eröffnen, in dem sie, jeder auf seine Art, ROCK YOUR LIFE! zu dem machen, was es ist.

3. Bitte teile Deine 5 Top Learnings im Bezug auf Gründung mit uns. Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

1. Hört den Zweiflern und Kritikern zu - aber eigne dir ihre Meinung nicht an. Lerne bloß daraus, wo du vielleicht noch besser werden kannst und willst, und wo du klar sagen kannst: Das ist für mich so nicht wahr, danke für Ihre Meinung, tschüß. Wir machen dann mal weiter, anstatt zu zweifeln und zu kritisieren.

2. Werdet Euch klar darüber, welche Ressourcen und Expertise Ihr nicht in Eurem Team abdeckt und sucht sie Euch über Partner, Berater und Unterstützer von außen. Menschen LIEBEN es, sich mit dem einzubringen, worin sie richtig gut sind, wenn es für „eine gute Sache“ ist.

3. Sorge für ein sowohl fachlich als auch persönlich diverses Gründungsteam.

4. Eure Grundwerte und Eure Vision im Gründungsteam müssen übereinstimmen. Werdet Euch als Erstes an dieser Stelle glasklar. Die Vision wird sich verändern. Sprecht mindestens einmal im Jahr darüber und aktualisiert sie.

5. Fragt Euch alle paar Wochen selbst und gegenseitig: haben wir Freude an unserer Arbeit? Falls nicht: ändert, was Ihr ändern müsst, damit es wieder so wird. Seid ehrlich. Macht Euch klar, wer was gern UND gut macht und sucht Euch im Zweifel neue Leute, die genau das lieben, was Ihr nicht liebt. Wenn Euch die Arbeit auf Dauer keine Freude macht, hört damit auf und spielt woanders weiter.

4. Es gibt heiße Diskussionen zum Thema “Geld verdienen im sozialen Sektor”. Was ist Deine Meinung dazu? 

Wenn wir in „diesem Sektor“ lernen, mit Geld ebenso liebevoll umzugehen, wie mit der Sache und den Stakeholdern, denen wir uns mit unserer Arbeit widmen, dann können wir wirklich große Wirkung entfalten. Wenn nicht, bleiben wir im Mangel, am Existenzminimum - und beim Lamentieren.

Die Entscheidung liegt bei uns - und der Schlüssel im Überwinden unserer negativen Bewertungen und Einstellungen gegenüber Geld und Kapital.

Wir können lernen, die Logik und die Kraft des Kapitals und seiner Vermehrung dafür zu nutzen, noch mehr Gutes in der Welt zu bewegen - und dabei stets dafür sorgen, dass wir selbst die Fülle auf allen Ebenen verkörpern und leben. „Das System“ ist nur so lange unser Gegner, solange wir daran festhalten. Wir können uns auch entscheiden, hierin Energie zu entfesseln und zu entfalten, und zwar auch und gerade in Form von Geld.

5. Als letzte Frage, was macht Dich zum Changer? 

Weil ich alles, was ich mache, bewusst und aus meiner tiefsten Wahrheit und Wahrhaftigkeit heraus mache. Alles andere wäre Verrat an mir selbst und meiner Rolle in der Welt, wäre Bequemlichkeit, Angst, Anpassung, Müdigkeit. Ich entscheide mich jeden Tag aufs Neue fürs Wach-Sein und dafür, meine Wahrheit in jedem Moment auszudrücken. 

Ich stelle mir vor, dass unsere Welt recht anders aussähe, würden alle Menschen diesem inneren Kompass folgen. Und ich wünsche es mir und uns sehr.

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