Hier ist das Produkt nur Mittel zum Zweck, denn Umweltschutz und der Erhalt von Biodiversität stehen bei OSTMOST im Vordergrund. Das 2014 gegründete Unternehmen macht aus handgeernteten alten Apfelsorten Saft, der nach Kindheit auf dem Land schmeckt. Lukas Küttner von OSTMOST erzählt uns im Interview außerdem, warum sich nicht nur die Landwirtschaft grundlegend verändern sollte und was wir als Konsument*innen dafür tun können.

Ihr stellt nicht nur Säfte, Schorlen und Cider her, sondern setzt euch damit gleichzeitig für den Erhalt von Streuobstwiesen ein. Was genau können wir uns unter Streuobstwiesen vorstellen und wieso ist es so wichtig diese zu schützen?

Oftmals wird Streuobst mit Fallobst verwechselt. Ein großer Unterschied, denn Streuobstwiesen beschreiben eine bestimmte Form des Obstanbaus.

Ein Großteil des Obsts das wir essen stammt von Monoplantagen, auf denen meist nur eine bestimmte Apfel-, Birnensorte usw. angebaut wird. Hier werden so viele Bäume auf so engem Raum wie möglich angepflanzt, eine Apfelplantage sieht dann schon mal wie ein Weinstock aus, da die Bäume so beschnitten werden, dass sie keine Krone mehr haben - Optimierung im kapitalistischem Sinne halt. Oftmals geht der Anbau in Monokultur auch mit dem Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden und Dünger einher. Eine Obstplantage in Monokultur hat somit mehr was von einer Fabrik, als von einem Naturraum.

Im Gegensatz dazu stehen auf Streuobstwiesen meist verschiedene Sorten und Arten von Obstbäumen verstreut auf einer Wiese -daher der Name. Die einzelnen Bäume haben genug Platz eine schöne Krone auszubilden und sich natürlich zu entwickeln. Viele dieser Wiesen sind über 100 Jahre alt und bieten daher eine enorme Vielfalt an alten Obstsorten. In Deutschland gibt es z.B. noch an die 800 Apfelsorten. Gleichzeitig führt diese extensive Anbauform dazu, dass Streuobstwiesen ein Zuhause für bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten bieten. Damit zählen sie zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa. Diese Vielfalt ist jedoch in Gefahr - in Ostdeutschland wurden in den letzten Jahrzehnten knapp 80% des Streuobstwiesenbestandes abgeholzt.

Wie kam es zu der Idee und wieso gerade Streuobstwiesen?

Bei einer Tour durch Brandenburg ist dem Gründer Bernd Schock eine verwilderte Streuobstwiese aufgefallen, da sie ihn an den Regenwald in Afrika erinnert hat, wo er gerade bei einem Schutzprogramm für den Goliathfrosch mitgearbeitet hat. Er hat den Pächter ausfindig gemacht und von diesem über diese Anbauform und gleichzeitig den Rückgang dieser Anbauform erfahren. So kam es zu der Idee den Früchten der Streuobstwiesen wieder zu dem Wert zu verhelfen, den sie verdienen - die Idee für OSTMOST war geboren. Unsere Getränke sind also eigentlich nur Mittel zum Zweck, nämlich den Schutz und Erhalt von Biodiversität.

Was unterscheidet eure Produkte von herkömmlichen Getränken?

Zum einen schmeckt man den Unterschied des reinen Apfelsaftes zu Saft von Apfelplantagen, denn in unserem Saft kommen viele verschiedene alte Apfelsorten zusammen und bieten ein sehr reiches Geschmackserlebnis. Das Besondere unserer Getränke ist aber sicherlich, dass wir keine Zusatzstoffe benutzen. Die Süße unserer Getränke kommt ausschließlich aus dem, in allen Getränken, enthaltenen Apfelsaft. In Kombination mit anderen Frucht- oder Gemüsesäften und Wasser mit Kohlensäure, entstehen unsere Schorlen. Die Cider sind im Grunde nichts Anderes als vergorener Apfelsaft. Alle unsere Produkte sind reine Naturprodukte, lediglich die professionelle Zubereitung unterscheidet sie von dem hausgemachten Apfelsaft, den man früher bei seinen Großeltern auf dem Land bekommen hat.

Mit welchen Schwierigkeiten wurdet und werdet Ihr von der Umsetzung der Idee, über die Produktion bis zum Verkauf von OSTMOST, konfrontiert?

Der Getränkemarkt, insbesondere in Berlin, ist sehr lebhaft. Immer wieder gibt es Innovationen oder alte Getränke werden neu entdeckt. Teilweise wird versucht sich über handgemachtes Wachstum zu etablieren oder es mit viel Geld von oben in den Markt zu drücken. Die etablierten Getränkehersteller versuchen natürlich ihrerseits ihre Anteile zu verteidigen und ködern die Gastronomie und den Handel mit Angeboten, die wir kleinen Marken nicht leisten können.

Unsere Produkte haben aufgrund der hochwertigen Rohstoffe und unserem Einsatz für die Streuobstwiese einen vergleichsweise hohen Preis. Wir machen uns damit selbst das Leben schwer, denn es erfordert Überzeugungsarbeit, damit die Gastronomie, der Handel und nicht zuletzt die KonsumentInnen den Wert richtig einschätzen können.

Auf Seite der Produktion sind wir als Naturprodukt natürlich sehr von der Natur abhängig. Im vergangenen Jahr z.B. war die Apfelernte katastrophal. Deutschlandweit gab es einen Ernteausfall von knapp 60% aufgrund von spätem Frost im Frühling. Das lässt die Preise in die Höhe schießen und der Saft wird knapp. In solchen Zeiten kommt uns zugute, dass wir den LandwirtInnen einen Preis über dem Marktniveau zahlen. Wir nennen das das Aufpreismodell und wollen somit einen Anreiz schaffen, weiterhin auf Streuobst zu setzen und sich nicht für den vermeintlich einfacheren Hafen „Monokultur“ zu entscheiden.

Ihr setzt bei der Herstellung und dem Vertrieb von OSTMOST auf Nachhaltigkeit. Was muss eurer Meinung nach passieren, damit Landwirtschaft allgemein nachhaltiger und umweltfreundlicher wird? Seht Ihr eine grundlegende Veränderung in naher Zukunft?

Die konventionelle Landwirtschaft macht die Natur kaputt. Der Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden, Dünger und der Anbau in riesigen Monokulturen ohne Fruchtfolge hat zu einem enormen Verlust von Biodiversität, vergiftetem Grundwasser und unfruchtbaren Böden geführt. Es braucht also eine Landwirtschaft die nicht auf kurzfristige Gewinne setzt, sondern auf die nachhaltige Nutzung der Natur - im Einklang mit der Natur.

Die Landwirtschaft alleine dafür in Haft zu nehmen ist aber sicherlich falsch. Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft, weg von der Billigmentalität hin zu einem vernünftigen Qualitätsbewusstsein und politische Rahmenbedingungen, die die ökologische Landwirtschaft fördert, den Ausverkauf der Natur unterbindet und unsere Kinder zu kritischen KonsumentInnen erzieht.

Eine Veränderung der Landwirtschaft müsste mit einer Veränderung des gesamten Wirtschaftssystems einhergehen, damit sich grundlegend etwas ändert. Wir leben in einer Welt des Überschusses und wollen doch immer mehr. Kein Wunder, denn das System ist auf beständigen Wachstum ausgelegt. Somit wird es aber den LandwirtInnen, die sich für die extensive Bewirtschaftung ihrer Ländereien entscheiden schwergemacht, denn bei ihnen geht es nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen.

6. Wie können Menschen euch bei der Rettung von Streuobstwiesen helfen?

Zum einen können sie sich beim Griff ins Kühlregal für Marken entscheiden, die auf Streuobstsäfte setzen und so die Nachfrage für Streuobst insgesamt steigern. Zum anderen können sie sich in dem Verein Äpfel und Konsorten e.V. z.B. beim Pflanzen von Bäumen oder der Ernte auf Streuobstwiesen persönlich einsetzen.

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