ursprünglich erschienen: 01.04.2015

In unserer Interviewreihe mit sozialen Innovatoren, dreht sich heute alles um Romy Krämer, (ehemalige)Program Director bei The DO School. The DO School  bietet Mentoring, Training und Ausbildung für Sozialunternehmer/innen aus der ganzen Welt. Romy ist ein weiteres Vorbild aus Hamburg. Im Interview erzählt sie uns wie die Erfolg der Fellows auch ihre sind und warum es manchmal besser ist loszulassen.

Wolltest Du immer im sozialen Sektor arbeiten? Hast Du auch Erfahrungen in anderen Sektoren gesammelt?

Nicht wirklich. Eine Zeit lang fand ich die Arbeit das Leben als Akademikerin sehr attraktiv und habe an der University of Aberdeen und Rotterdam School of Management geforscht und gelehrt. Wenn man bedenkt, wie lange ich jetzt schon an meiner Dissertation schreibe, sollte ich den Gedanken einer Unikarriere wohl dennoch lieber begraben. Während der Feldforschung für meine Doktorarbeit in Indien habe ich auch gemerkt, dass ich es interessanter finde, mit Aktivisten zu arbeiten, anstatt über sie zu schreiben. Da bin ich in meinem jetzigen Job als Programmleiterin an der DO School schon näher an spannenden Projekten dran und kann deren Erfolg aktiv mitgestalten. Der direkte Austausch und das hohe Tempo und die stetigen Veränderungen machen Spass und ergeben für mich mehr Sinn als nächtelanges Brüten über ein paar wenigen Sätzen für ein akademisches Paper!

Was war die Motivation dahinter die DO School zu starten?

Ich war damals noch nicht dabei, aber im Kern ist es die Idee, Menschen zu helfen ihre Gesellschaft positiv zu verändern, sie in ihren Ideen zu bestärken und ihnen das Know-how zu geben, direkt in ihrem Umfeld positive Wirkung zu erzielen.

In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt der größte Erfolg der DO School?

Eher ein schleichender Prozess, aber trotzdem ein grosser Erfolg der DO School sind die vielen großartigen Einzelpersonen und Organisationen, die inzwischen unsere Arbeit unterstützen und mit denen wir zusammenarbeiten. Leute wie zum Beispiel Scilla Elworthy, Echoing Green, oder das Skoll Center for Social Entrepreneurship in Oxford, mit denen wir bald ein gemeinsames Programm implementieren.

Auch der erste erfolgreiche Durchlauf unseres Massive Open Online Course (MOOC) mit mehr als 33.000 Teilnehmern war dieses Jahr ein grosser Erfolg. Die grössten Erfolgserlebnisse sind am Ende aber auch die, die im Wochentakt bei den Fellows entstehen: das erste fertige Produkt, ein gewonnener Grant von ein paar tausend Euro, ein erfolgreiches Event oder Workshop, eine durchschlagende Kampagne...

Bitte teile auch die 5 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

  • Unterstützung suchen und annehmen können. Das braucht Reflexion und Mut, lohnt sich aber. Es sollte zur Gewohnheit werden, sich ernsthaft zu fragen, ob man das jetzt wirklich alles alleine schaffen kann. Ich sehe das regelmäßig bei unseren Fellows. Viele verrennen sich hoffnungslos im Tagesgeschäft und kommen nicht dazu, sich wichtige strategische Gedanken zu machen.
  • Nicht alles selber machen wollen. Für viele Dinge gibt es bereits Loesungen und auch wenn das natuerlich schwer für’s Ego ist, sollte man sich fragen ob eine Neuentwicklung Sinn macht. Ich erlebe das jetzt gerade wieder bei Überlegungen eine online Plattform betreffend. Besonders wenn es nicht Teil des Kerngeschäfts ist, sollte man auf bestehende Loesungen zurueckgreifen und darauf aufbauen.
  • Leute in der Organisation ‘mitnehmen’. Es fällt mir immer wieder auf, wie wichtig es ist, dass alle im Team wissen, wo die Reise hingeht und was ihr Anteil daran ist. Dafür muss Zeit sein. Immer.
  • Klingt vielleicht abgedroschen, aber: Authentizität. Ob im persönlichen Umgang oder als Organisation als Ganze. Dazu gehört für mich Transparenz und offen über Mißerfolge zu sprechen.
  • Und das schwerste: Wissen, wann man aufhören sollte. Der Austausch mit Attila von Unruh, einem der Beitragenden zu unserem MOOC hat mich diesbezüglich sehr beeindruckt. Er hat mit Von Unruh & Team eine wichtige Organisation aufgebaut, die Gründern in der Insolvenz hilft und deren Finanzkompetenz aufbaut.

Was ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Sozialunternehmen und warum?

Ich könnte jetzt die üblichen Verdächtigen in Deutschland aufzählen. Aber wer mir als erstes einfällt sind Rosebill und Liza, zwei unserer Alumni. Rosebill stellt Bambusmöbel in Malawi her und schafft damit ein Arbeitsplätze in einer Region, in der es so etwas kaum gibt. Genau wie Liza, die unter der Marke Dulce Plai Honig in ihrem Heimatdorf in Moldawien produziert und inzwischen in einer lokalen Supermarktkette verkauft. Beide sind ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, lokale Kleinunternehmer zu unterstützen und darin zu bestärken, dass es möglich ist, ein Sozialunternehmen zu gründen, auch wenn a) nur wenige Menschen in deinem Land mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen können und b) dich alle für verrückt halten.

In meinem Freundeskreis gibt es da noch Folkdays. Lisa und ihre Partner haben es einfach drauf und mit einem simplen Konzept und sehr viel Style einen online Shop für Accessoires aufgezogen in dem man jederzeit mit gutem Gewissen einkaufen kann! Die Story stimmt und sie kennen alle Lieferanten persönlich. Das merkt man.

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Wie viel verdient man eigentlich im sozialen und nachhaltigen Sektor?
Der tbd* Gehaltsreport – Gehalt, Präferenzen und Zufriedenheit der Mitarbeiter im sozialen Sektor.
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