ursprünglich erschienen: 05-12-2014

Gast Artikel von Manuel Normann, Human Resources Manager bei streetfootballworld gGmbH. 

Lange wurde politisch um den gesetzlichen Mindestlohn gerungen. Am 01.01.2015 tritt das Mindestlohngesetz (MiLoG)  nun in Kraft und bringt einige Änderungen mit sich. Denn was viele noch nicht wissen: der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gilt grundsätzlich auch für Praktikant/innen.

Auch wenn wir grundsätzlich für den Mindestlohn sind - werden die daraus resultierenden Arbeitgeberkosten für einen Vollzeit-Praktikumsplatz für einige Organisationen im sozialen Sektor und NGOs womöglich nicht zu finanzieren sein. Aber die Unterschreitung des Mindestlohns kann auch teuer werden und wird mit einer Geldbuße geahndet. Wir haben Manuel Normann, HR Manager von streetfootballworld gGmbH, gefragt was Organisationen wissen müssen, um Menschen trotzdem durch ein Praktikum einen Einblick in der Arbeit der Organisation zu ermöglichen.

Bist Du selber gerade auf der Suche nach einem Praktikum für 2015? Dann helfen Dir die folgenden Informationen dabei zu verstehen, welche Bedingungen für Dein Praktikum ab Januar gelten müssen!

Ab dem 01.01.2015 sollten die folgenden Rahmenbedingungen unbedingt eingehalten werden:

  • Immatrikulation - zukünftig müssen Praktikanten zwingend in einem Studiengang an einer Hochschule oder Berufsakademie eingeschrieben sein. Wenn Bewerber den Studentenstatus nicht nachweisen können, gilt für sie vom ersten Tag des Praktikums an der gesetzliche Mindestlohn.
  • Praktikumsdauer – die Dauer von studentischen Praktika ist grundsätzlich auf 3 Monate begrenzt. Eine längere Dauer kann nur vereinbart werden, wenn es sich um ein sogenanntes Pflichtpraktikum handelt. Pflichtpraktika sind im Rahmen der Ausbildung oder des Studiums vorgeschriebene Praxisanteile. Die Hochschule oder Ausbildungsstelle des Bewerbers muss bestätigen, dass das Praktikum als Pflichtpraktikum anerkannt wird.
  • Praktikumsvertrag – Praktika müssen zukünftig schriftlich vereinbart werden und die Lern- und Ausbildungsziele sowie die tägliche Dauer der Praktikumszeit enthalten.
  • Weitere Ausnahmen bestehen für Orientierungs- und Einstiegspraktika, die vor einer Berufsausbildung oder einem Studium geleistet werden.
  • Prüfung – die Einhaltung der Bestimmungen des Mindestlohngesetzes wird zukünftig durch die Zollbehörden erfolgen. Es ist daher unbedingt notwendig, dass für jedes Praktikumsverhältnis unterhalb der Mindestlohngrenze die oben genannten Unterlagen lückenlos vorliegen.

Es ist zu erwarten, dass die neuen Regelungen die Suche nach Praktikanten erschweren werden. Insbesondere Bewerber, die sich im Übergang zwischen Bachelor- und Masterstudium befinden und die Wartezeit bisher häufig mit einem Praktikum gefüllt haben, unterliegen zukünftig dem Mindestlohn. Zudem sind in vielen Studiengängen längere Praktikumszeiten nicht vorgesehen.

Für Organisationen empfiehlt es sich daher auch über Alternativen wie Trainee-Positionen, Kooperationen mit Hochschulen oder Freiwilligen-Programme wie dem Europäischen Freiwilligendienst nachzudenken, um Interessenten weiterhin einen praktischen Einblick in ihre Arbeit zu ermöglichen.

Das Mindestlohngesetz sieht keine Übergangsfristen vor, so dass allen Praktikumsgebern dringend zu raten ist, noch in diesem Jahr ihre bestehenden Praktikumsverhältnisse zu überprüfen und weitere Konkretisierungen der gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam zu verfolgen!

Abschließend sei vermerkt, dass diese praxisorientierte Zusammenfassung keine fachanwaltliche Analyse oder Beratung ersetzen kann und soll. Für den Inhalt wird insofern keine Gewähr gegeben.

Danke, Manuel!

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