ursprünglich erschienen: 05.01.2015

Wir sprachen mit David Masuch von 'Die Komplizen', einem Mentoringprogramm für Schüler. Im Interview erzählt David von Schwierigkeiten der Finanzierung und gibt seine Tipps, für alle die ein ähnliches Projekt starten möchten. Du kannst Dich auch selbst einbringen, indem Du an ihrem Hold-up mitmachst (mehr dazu am Ende des Artikels).

mentoring

Was war die Motivation dahinter 'Die Komplizen' zu starten?

Ich habe die Komplizen nicht persönlich gegründet. Die Komplizen wurden 2005 von Philip Scherenberg gegründet. Er hat das Konzept des Mentoring in den USA kennengelernt und im Anschluss dieses in Deutschland mit der Berufsorientierung verknüpft. Aus einer Umfrage sich ergab, dass es den größten Bedarf für Begleitung in der eigenen Orientierung am Übergang von Schule zu Ausbildung/Studium gibt. Dies ist für viele ehrenamtliche Mentor/innen auch Motivation mitzumachen, da auch Sie sich in der Zeit einen Begleiter und Gesprächspartner gewünscht hätten. Ich bin seit April 2014 als Projektleiter für die Umsetzung in Berlin verantwortlich und mache dies, da mir die Potentialentfaltung von jungen Menschen am Herzen liegt und ich glaube, dass viele Probleme dieser Welt gelöst werden könnten, wenn Menschen einen Platz in der Gesellschaft finden der zu Ihnen passt.

Unser Ziel ist es Schüler durch Mentoring auf ihrem Weg in die Arbeitswelt mit ganzheitlichen Berufsorientierungsprogrammen zu unterstützen. Durch die frühzeitige Vorbereitung der Schüler auf den Übergang von Schule zu Ausbildung oder Studium steigern wir ihre Motivation, ihre individuelle „Berufung“ zu finden und bestärken sie, den Weg dorthin eigenverantwortlich und gezielt einzuschlagen. Damit mindern wir Abbruchquoten, individuelle Frustration und verhindern einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden.

Vielleicht könntest Du das Konzept noch ein bisschen detaillierter beschreiben- wie profitieren die einzelnen Akteure?

Motiviert, selbstbewusst und gut vorbereitet ins Berufsleben starten – dabei hilft das Komplizen-Programm! Wir bieten Schülern im Übergang von der Schule zu Ausbildung oder Studium eine Kombination aus Mentoring-Netzwerk, Seminaren und Arbeitsplatzbesichtigungen, die es ihnen ermöglichen, ihre berufliche Interessen, Eignungen und Perspektiven mit professioneller Unterstützung richtig zu erkennen und auszuschöpfen.

Ein Mentor ist so etwas wie ein älterer Freund, der einem mit mehr Berufs- und Lebenserfahrung zur Seite steht und sein Wissen gerne weitergibt. Bei den Komplizen sind das Nachwuchsführungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur, die „unerfahrenen“ Schülern (Mentees) in beruflichen und allgemeinen Lebensfragen mehrere Monate lang als Ansprechpartner zur Seite stehen. Jeweils ein Schüler und ein Mentor bilden ein interessenähnliches Zweier-Team (Tandem), das sich miteinander austauscht. Dadurch entsteht ein Dialog zwischen den Generationen und Verständigung im Spannungsfeld von Religion, Kultur, Bildung und sozialem Status.

Umrahmt wird das Programm von Seminaren für die Schüler, in denen sie mit einem professionellen Coach ihr persönliches Profil und Potential erarbeiten und einem speziellen Training, das die Mentorenauf ihre Rolle vorbereitet. Zusätzlich haben die Schüler die Möglichkeit, im Rahmen einer ca. 2-stündigen Arbeitsplatzbesichtigung die Arbeitsstätten der Mentoren zu erforschen. Weiterhin wird es von freiwilligen Veranstaltungen und Netzwerktreffen begleitet.

Wie messt Ihr Eure soziale Wirkung?

Unseren Impact messen wir vor allem über Befragungen von Mentor/innen und Schüler/innen. Eine große Befragung von Schüler/innen die das Programm durchlaufen haben hat 2013 unsere nachhaltige Wirkung bestätigt (Mehr Infos / zum Nachlesen hier.)

Wie viele Schüler und Mentoren habt Ihr momentan?

In Berlin haben wir im Moment eine Förderung für drei Staffeln mit jeweils 30 Tandems (bestehend aus einer/m Schüler/in und einem Mentor). Deutschlandweit haben waren wir bereits an über 10 Standorten aktiv und haben mehrere 1000 Schüler in Schulen angesprochen und über die Möglichkeit der Teilnahme informiert. Langzeitziel ist es möglichst vielen, im besten Fall allen Schüler/innen einen Mentor zur Verfügung stellen zu können und das langfristig Schüler/innen, die selber einen Mentor hatten später selber Mentoren werden.

Wie finanziert Ihr Euch?

In Berlin haben wir eine dreijährige Förderung bis Frühjahr 2016 durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Neben der projektorientierten Förderung versuchen wir im Moment andere Formate zu entwickeln die eine langfristigere Finanzierung sicherstellen (beispielsweise in dem wir an Privatschulen als Dienstleister auftreten die über das Thema Berufsorientierung die Alumniarbeit aktivieren und intensivieren und in dem wir versuchen eine einwöchige Orientierungswoche mit Vertriebspartnern (Jobmessen) deutschlandweit anzubieten. Die Teilnahme ist kostenpflichtig und kann entweder privat, über unternehmensfinanzierte Stipendien oder durch andere Förderungen im Falle von Benachteiligung finanziert werden.

Es gibt immer Auf und Abs, hattet Ihr jemals einen Tiefpunkt und wie konntet Ihr diesen überwinden?

Die größte Schwierigkeit stellt nach wie vor die dauerhafte Finanzierung dar. Unlängst mussten andere Mentoringprogramme anderer Träger ihr Angebot einstellen. Diese Herausforderung ist noch nicht gemeistert und bedarf auch gesellschaftlich anderer Wertschätzung der Wichtigkeit von hochwertigen Orientierungsangeboten. Ein anderer Weg ist die engere Verzahnung mit Unternehmen und Recruiting, dies macht es aber nicht leichter Schüler/innen freie Angebote zur Orientierung anzubieten

Was würdet Ihr Anderen empfehlen, die ein ähnliches Projekt planen?

  1. Austausch ist wichtig, arbeite an Orten mit verschiedenen Professionen und Interessen z.B. Coworking-Spaces
  2. Fokus, was kann ich selber tun. Was können andere besser? Nichts machen was es schon genau so gibt. Auf was kann ich zurückgreifen? Zum Beispiel bei uns Freiwilligenagenturen nutzen zur Ansprache von Freiwilligen
  3. Wachsam bleiben, Rahmenbedingungen und Kommmunikationsbedingungen verändern sich (beispielsweise haben wir lange mit den Schüler/innen hauptsächlich über facebook kommuniziert, mittlerweile funktioniert das aber nicht mehr und Kommunikation läuft mittlerweile fast nur noch über whats app)

Was macht euch zu Changern?

Tja das frage ich mich auch immer wieder ;-) Ausdauer und Hartnäckigkeit. Mein Glaube an die Notwendigkeit an den Konditionen dieser Welt mitzuarbeiten. Außerdem habe ich meinen Job bei den Komplizen über The Changer, jetzt tbd*, gefunden.

Für das Mentoring suchen wir immer motivierte Menschen als Mentoren für Schüler/innen. Sie sollten grob zwischen 25 und 39 Jahre alt sein, einen Beruf haben und Lust haben sich mind. ein mal im Monat für 3 Stunden Zeit für ihren Mentee zu nehmen. Bei Interesse gerne Mail an david@die-komplizen.org!

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