Die Integration von Geflüchteten steht nun schon länger auf dem Plan der Bundesrepublik. Jeden Tag entstehen neue kreative Ideen, die dabei helfen sollen. Eines davon ist gar nicht mehr soo neu: Multaka, ist ein gemeinsames Projekt verschiedener Berliner Museen bei dem Geflüchtete anderen Geflüchteten als Guides in Museen zur Verfügung stehen. Im Interview erzählt uns Yasser Almaamoun über die Besonderheiten des Projekts und warum es als wichtiges Integrations-Tool dient. 

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Erzähl uns von Multaka, wie kam es zu der Idee und was war die Motivation dahinter?

Das Projekt Multaka, "Treffpunkt" auf Arabisch, ist eine Zusammenarbeit von dem Museum für islamische Kunst und drei anderen Museen; deutsches historisches Museum, vorderasiatisches Museum, und Bode Museum. Die Idee entstand aus dem Bedarf, die Museen als Teil des Integrationsprozesses zu stellen. Kooperationspartner sind: Museum für Islamische Kunst, Vorderasiatisches Museum, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst und das Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin, Deutsches Historisches Museum und dessen Abteilung für Bildung und Kommunikation.

Unter dem Motto "Geflüchtete für Geflüchtete" arbeiten die Guides, die aus dem Irak und Syrien kommen, und vermitteln Informationen über die Objekte in den verschiedenen Museen an die Besucher, die teilweise nie im Museum gewesen sind. Die Motivation stellen die Guides durch die Verbindung dar, die während der Tour bei den Besuchern entsteht. Sei es emotionale, informative, oder eben auch persönliche Verbindung, klappt es oft, dass die Geflüchtete etwas neues und spannendes erleben würden.

Es gibt ja bereits ähnliche Projekte, was unterscheidet Multaka von anderen?

Die Guides bei Multaka sind keine MuseumführerInnen vom Beruf, die man normalerweise im Museum findet, sondern Architekten, Archäologen, Juristen und auch Künstler, die ein gesondertes Blitztraining in den jeweiligen Museen bekommen haben. Diese Vielfältigkeit von den 24 Guides, namens "Multakis", in den vier Museen bezeichnet ein besonderes Erlebnis für die neu Ankommenden, wobei jede/r Guide seine/ ihre Tour selber mit den von ihnen ausgewählten Lieblingsobjekten gestaltet. Seit Dezember 2015 hat Multaka etwa 6.200 Besucher gehabt.

Was/wie ist das Feedback der Teilnehmer eurer Touren?

Die Besucher nehmen grundsätzlich immer nach der Führung etwas mit. Manche BesucherInnen erzählen den Freunden von der Erfahrung im Museum und empfehlen diese weiter. Die Tour regt in sich so viele Fragen an; warum werden Stücke aus unserer Kultur in Deutschland ausgestellt? Wie hat sich Deutschland in wenigen Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg so schnell wiederaufgebaut, könnte das auch mit meiner Heimat passieren? Und viele andere Fragen.

An wen richten sich die Touren?

Die BesucherInnen sind in der Regel neu Ankommende, die Zeit Mittwochs und/oder Samstags um 15:00 Uhr finden und sich in einem der Museen für unsere kostenlose Führung befinden. Diese finden auf Arabisch statt, daher sind die Arabisch-Sprechender als Zielgruppe betrachtet. Willkommensklassen und Geflüchtete sind die meisten Besucher bisher gewesen. Begleitung bzw. Betreuung von Gruppen ist auch immer willkommen. Wichtig in jeder Führung ist, dass Dialoge und Diskussionen durch die Entdeckung der Museumsobjekte, wobei die Guides wesentliche Themen über die Vergangenheit, Heimat, und die Zukunft versuchen zu provozieren. Darüber hinaus stellte Multaka 2016 verschiedene Workshops, nämlich 18 Workshops, wo die Teilnahme nach Anmeldung läuft. Die TeilnehmerInnen sind Geflüchtete und lokale Bürger, die zusammen kommen und über z.B. Textil, Glas, und Collage lernen. Eine Übersetzung ist immer angeboten, damit sich die TeilnehmerInnen gegenseitig kommunizieren könnten. Dieser Austausch ist für Multaka ein sehr wichtiger Aspekt, dass es sich nicht nur an Arabisch-Sprechender richtet, sondern in diesem Fall an alle.

Was waren bisher eure größten Hürden und wie konntet ihr diese überwinden?

Jedes Projekt hat bestimmte Herausforderungen. Multaka ist in dem Fall keine Ausnahme. Die Organisation der gesamten Guidesgruppe und die Sorge für den Outreach des Projektes sind große Aufgaben, die unsere Teamleitung großartig bisher gemacht hat. Wie erreicht Multaka die Leute, und wie können wir unser Projekt weiter finanzieren und möglich ausbreiten, sind u.a. ständig gestellte Fragen. Wir wissen schon, dass nicht alle Menschen einig sein können, und das ist unser Ausgangspunkt in jeder Diskussion. Gutes Gewissen und gegenseitiges Vertrauen zwischen den Mitgliedern, der Teamleitung, und den finanziellen Organisationen. 2015 wurde Multaka durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“, Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V. gefördert. 2016: durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Schering Stiftung, Deutsches Historisches Museum, Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V.
Unsere Hoffnung sei, dass das Projekt weiter finanziert wird und sich möglichst verbreitet.

Warum ist Multaka wichtig?

Eine Botschaft in die Welt zu schicken braucht eine Plattform, wo man möglichst viele erreichen könnte. Multaka ist in dem Sinne eine tolle Plattform dafür, dass sich die BesucherInnen mehr über die von den Museen ausgestellten Objekten und Geschichten zu informieren. Das ist wichtig, weil wir ständig Veränderungen in der Gesellschaft erleben und das sollen wir uns als Priorität setzen, Menschen zusammen zu bringen und den Raum gestalten, wo ein kultureller und menschlicher Austausch stattfindet.

Man kann sich mehr über Multaka auf der neuen Webseite www.multaka.de, sowie die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter informieren.