ursprünglich erschienen: 29.09.2015

In unserer Interviewserie sprachen wir mit Bontu Guschke Mitgründerin des Sozialunternehmen Über den Tellerrand. Über den Tellerrand machte es sich zur Aufgabe Bewusstsein für das Thema Asyl und vor allem die Menschen, die unter diesen Begriff fallen zu schaffen. Das Team fördert Begegnungen und den Austausch zwischen Flüchtlingen und dem Rest der Gesellschaft. Angefangen haben Sie mit 5 EUR… daraus ist ein sell-out Kochbuch entstanden. Im Interview erzählt uns Bontu, was bisher der größte Erfolg war und was sie anderen Sozialunternehmern bei der eigenen Gründung raten würde.

Wolltest Du immer im sozialen Sektor arbeiten? Hast Du auch Erfahrungen in anderen Sektoren gesammelt?

Ich hatte schon öfter den Gedanken, dass ich gerne im sozialen Sektor aktiv werden würde, wusste aber nie genau wo und wie. Bisher habe ich mich während meines Studiums schon oft in der Theorie mit sozialgesellschaftlichen Problemen und deren Lösungen beschäftigt, so richtig losgelegt habe ich dann aber das erste Mal mit Über den Tellerrand kochen Vor allem war es mir wichtig, nicht einfach nur irgendwie sozial zu sein, sondern mit meiner Arbeit an der Lösung eines Problems zu arbeiten, dass ich persönlich als sehr relevant empfinde. Außerdem wollte ich etwas machen, wo ich konkret sehen kann, was meine Arbeit bewirkt. Als wir Über den Tellerrand kochen gegründet haben und mit der Arbeit anfingen, merkte ich schnell, dass hier genau dies vereint wird. Ich arbeite aktiv für die Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden, ein Thema das meines Erachtens sehr wichtig in unserer Gesellschaft ist, und kann meinen Impact auch wirklich direkt sehen!

Was war die Motivation dahinter “‘Über den Tellerrand kochen” zu starten?

Über den Tellerrand kochen startete in einem Uni-Wettbewerb der FU Berlin. Dabei geht es darum, innerhalb von 8 Wochen mit 5 Euro Startkapital ein eigenes Unternehmen zu gründen und das Produkt oder die Dienstleistung auf den Markt zu bringen. Meine Kommilitonin und jetzige Team-Partnerin Carolin Strehmel und ich haben uns überlegt, dass wir diese Möglichkeit nutzen wollen, um etwas im sozialen Bereich zu bewegen. Das Thema Asyl-und Flüchtlingspolitik war und ist in Berlin und in ganz Deutschland sehr aktuell. Uns ist allerdings aufgefallen, dass meistens nur über die Problematik geredet wird, nicht aber über die Menschen hinter dem Begriff Asyl. Wir haben uns gefragt, wer die Menschen sind, die nach Deutschland kommen, um mit uns hier zu leben, und wie wir es schaffen können, dass es mehr Interaktion zwischen der deutschen Gesellschaft und Flüchtlingen gibt. So entstand die Idee zu Über den Tellerrand kochen, denn das gemeinsame Kochen und Essen schafft eine passende Atmosphäre, um sich auf Augenhöhe zu begegnen, kennenzulernen und auszutauschen.

In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt der größte Erfolg von “‘Über den Tellerrand kochen”?

Bei einem Social Start-Up wie unserem sind in erster Linie nicht die wirtschaftlichen Erfolge ausschlaggebend, sondern unser sozialer Einfluss. Ein großer Erfolg war für uns sicherlich zu sehen, wie gut unser erstes Kochbuch angenommen und nachgefragt wurde. Bereits nach 2 Monaten hatten wir mehr als 1500 Bestellungen. Das zeigt uns, dass das Interesse an dem Thema da ist und dass wir einen Weg gefunden haben, viele Menschen, die normalerweise keinen Berührungspunkt mit der Thematik haben, zu sensibilisieren.

Es war aber zum Beispiel auch ein großer Erfolg für uns, dass sich Shaikh aus Pakistan, einer der Köche unserer Kochabende, nach dem ersten Probekochabend mit einer der TeilnehmerInnen anschließend auf einen Kaffee getroffen hat und die beiden nun in Kontakt stehen. Zu sehen, dass wir es schaffen persönliche Kontakte herzustellen, ist für uns sehr wertvoll, denn hier wird unser Impact ganz klar sichtbar.

Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten? Was sind deine 5 Top Learnings?

1. Netzwerken und Austauschen – Man bekommt immer tolle Ideen und Input von Außen. Sei es von Unternehmen oder Projekten, die im gleichen Bereich arbeiten wie man selbst oder auch von ganz anderen Personen, die dir aufgrund von persönlichen oder professionellen Erfahrungen wertvolle Tipps geben können. Und: jeder kennt jemanden, der jemanden kennt… Auch wenn man nicht direkt weiß, wer einem helfen könnte, sollte man möglichst vielen von seiner Idee und auch von seinen Herausforderungen erzählen – oft bekommt man tolle Unterstützung aus Ecken, aus denen man es gar nicht erwartet hätte.

2. Durchhalten – In jedem Projekt gibt es auch Phasen, in denen gefühlt wenig passiert, da viel geplant oder auch nachgearbeitet werden muss. Auch wenn in dieser Zeit nicht direkt sichtbar ist, was man schafft, kann ich nur sagen, dass es sich lohnt durchzuhalten und mit der gleichen Kraft und Motivation dabeizubleiben. Denn es lohnt sich definitiv, wenn man sieht, was man durch die Vor- und Nacharbeit erreicht hat!

3. Machen statt zu viel abzuwägen – manchmal ist es wirklich hilfreich einfach mal loszulegen, statt zu oft über Hürden nachzudenken. Natürlich muss das Vorgehen gut geplant sein, aber dann sollte man eine Aufgabe auch anpacken und starten und sich nicht von möglichen Hindernissen aufhalten lassen! Wenn dann doch nicht alles nach Plan läuft, findet man immer kreative Möglichkeiten, seinen Weg trotzdem zu gehen und seine Ziele zu erreichen.

4. Zukunftsplanung und aktuelle Projekte vereinen – Oft hat man gerade in der Anfangsphase eines sozialen Start-Ups sehr viel zu tun, um die ersten Projekte umzusetzen. Wir haben gemerkt, dass es trotzdem wichtig ist, sich Zeit dafür zu nehmen, die Zukunft des Unternehmens zu planen. Wo wollen wir hin? Was wollen wir langfristig erreichen? Und wie machen wir das? Nur so schafft man es sich nicht nur von Projekt zu Projekt zu hangeln, sondern eine stabile Struktur aufzubauen, die es einem ermöglicht eine Vision langfristig zu verfolgen.

5. Teamgeist- Teamgeist – Teamgeist – Eine der wichtigsten Dinge bei einer Neugründung ist meines Erachtens die Zusammenarbeit im Team. Und dies funktioniert nicht immer reibungslos. Wichtig ist es dabei seine Meinung offen zu äußern, um so Konflikten vorzubeugen und die Meinungen der anderen zu respektieren. Dazu gehört gegenseitiges Vertrauen genauso wie Kritik- und Lernfähigkeit. Bei der Gründung eines sozialen Start-Ups lernt man unglaublich viel über sich selbst und seine Team-Partner. Wenn man es dann schafft die Stärken im Team gezielt zu nutzen und sich gegenseitig zu motivieren, dann steht der Erreichung des sozialen Impacts nichts mehr im Weg!

Was ist ein Beispiel für eine erfolgreiches Sozialunternehmen und warum?

Ein erfolgreiches Sozialunternehmen vereint für mich zwei wichtige Dinge: Es handelt stets nach seiner Vision, die sich an der Lösung eines sozialen Problems orientiert, und arbeitet dabei wirtschaftlich nachhaltig. So schafft man es einen langfristigen, nachhaltigen und weitreichenden sozialen Impact zu erzielen. Wir von Über den Tellerrand kochen arbeiten daher immer nach unsere Vision, ein Bewusstsein für den Flüchtling als Mensch zu schaffen und Begegnungen in der Gesellschaft, zwischen Beheimateten und Neuankömmlingen, zu fördern. Dabei achten wir darauf uns selbst zu tragen und so unser Ziel langfristig verfolgen zu können.

 

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