ursprünglich erschienen: 27.05.2015

Grenzgänger bietet ein vielschichtiges Angebot rund um den Themenkomplex Migration und Entwicklung. Neben den beliebten thematischen Stadtrundgängen und Hafenrundfahrten gehören auch eigene Forschungsarbeit, Vorträge, Seminare und Trainings mit zum Programm.

Mit den Rundgängen und Hafenrundfahrten lädt Grenzgänger ein die Stadt, ihre Bevölkerung und ihre Geschichte(n) aus einem Blickwinkel zu betrachten, der zum Nachdenken über unseren alltäglichen Umgang mit Menschen, Orten und Institutionen einlädt. Im Rahmen der Seminare und Trainings werden die zentralen Themen rund um Migration und Entwicklung mit Zeit und inhaltlicher Tiefe behandelt.

Grenzgänger Manuel Assner

Wolltest du schon immer im sozialen Sektor arbeiten?

Ich habe seit meiner Jugend immer im sozialen Sektor gearbeitet. Meist waren das ehrenamtliche Engagements oder Vereine in denen ich aktiv war. Es hat mich einfach immer mehr befriedigt, wenn ich wusste ich kann auch einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Das war mein Ansporn bereits als Jugendlicher und ist mir bis heute immer wichtig geblieben. Letztlich haben die vielen Engagements auch zu einer beruflichen Weiterentwicklung und einem Veränderung in meinem Leben geführt, da ich als Gewerkschaftssekretär der IG BCE zum ersten Mal im sozialen Bereich Geld verdienen konnte und abends mit dem guten Gefühl nach Hause gehen konnte, etwas für Menschen getan zu haben. 

Was war die Motivation grenzgänger zu gründen ?

Die Motivation grenzgänger zu gründen hat zwei Ursprünge. Zum Einen finde ich es politisch und gesellschaftlich wichtig für einen offene, tolerante Migrationsgesellschaft einzutreten. Ich selbst habe in meinen zahlreichen Auslandsaufenthalten immer wieder mit (meist positivistischen) Vorurteilen zu kämpfen und spüre welche Wirkung Stereotypen, Vorurteile und Zuschreibungen bei mir selbst auslösen. Diese Wirkung nicht nur zu erklären, sondern auch für Menschen in deutschen Großstädten “spürbar“ zu machen war einer der großen Antriebe.

Zum Zweiten fällt immer wieder die große Diskrepanz zwischen wissenschaftlich fundierten Einsichten und gesellschaftlich verankertem Wissen zu Migration in Gesprächen mit Bekannten, Freunden und speziell in den Medien auf. Vieles von dem, was wir heute über Migration, Migrationsprozesse und dem Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft wissen ist noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Es geht bei grenzgänger also um einen Transfer und die Diskussion um die Erkenntnisse aus zwei gesellschaftlichen Welten – der Wissenschaft und dem Allgemeinwissen. 

Da es bisher wenige solcher Transfer- und Diskussionsräume gibt, ist es die Motivation von grenzgänger diese Möglichkeit zu schaffen.  

Wer sind deine Vorbilder?

Ich kann sicher einzelne Menschen als meine Vorbilder nennen, aber ich glaube meine Vorbilder sind eher bestimmte Eigenschaften von Menschen, die ich sehr schätze und diese Menschen für mich zum Vorbild werden lassen – weniger konkrete Personen. Ich fand es schon früher ziemlich schwierig mich auf ein paar Persönlichkeiten als Vorbilder festzulegen. Ich glaube ich habe da eher Angst nur eine Sonnenseite zu sehen und dann enttäuscht zu sein mein Vorbild demontieren zu müssen. Menschen, die eine Idee haben und beharrlich und mit Weitsicht diese nach vorne treiben und dabei Andere für diese Idee begeistern können, das sind für mich Vorbilder.  

Was ist für dich ein gutes Beispiel von einem „Social Business“ und warum?

Die Idee grenzgänger zu gründen basiert auch auf einer weiteren Einsicht. Viele tolle, aktive Menschen in meinem Umfeld in Hamburg haben spannende und interessante Projekte auf den Weg gebracht und versucht sich in gesellschaftliche Debatten damit einzubringen.  Die meisten davon konnten aber von ihrem oft mehr als Vollzeitjob kaum leben. Natürlich könnten wir all das, was wir bei grenzgänger machen auch ehrenamtlich anbieten, aber viele derer, die sich bei grenzgänger engagieren sind in Übergangsphasen auf solche flexiblen Einkommensmöglichkeiten angewiesen. Wieso also sollte ein gutes, sinnvolles Angebot nicht auch zum Einkommen beitragen können? Social Business ist im Fall von grenzgänger die Form des gesellschaftlichen Beitrags, die über ein normales ehrenamtliches Engagement hinausgeht und so ein zusätzliches Einkommen für gesellschaftlich sinnvolle Arbeit bieten kann. Leider sind wir noch nicht so weit, dass wir tatsächlich auch Hauptberuflich von unserem Engagement leben können. 

Bitte teile die 5 Top Learning (aus dem Gründungsprozess z.B.) mit uns- Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

Hier also die Liste meiner TOP 5:

  1. Suche dir auf jeden Fall einen Mentor/Coach
  2. Gute, konsequente Buchführung ist das Wichtigste, sonst verliert man den Überblick
  3. Tue Gutes und vor allem: Rede darüber mit wem und wann immer du kannst!
  4. Rede mit Leuten/Organisationen und suche dir Partner in dem Netzwerk in das du am ehesten passt oder rein willst.
  5. Starte am Besten nicht alleine. Wenn du erst später Leute hinzu holst wird es um so schwieriger und dir fehlt die Reflektion.  
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Wie viel verdient man eigentlich im sozialen und nachhaltigen Sektor?
Der tbd* Gehaltsreport – Gehalt, Präferenzen und Zufriedenheit der Mitarbeiter im sozialen Sektor.
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