ursprünglich erschienen: 24.07.2014

In unserer Interviewserie sprachen wir mit greenjobs Gründer Jan Strohschein. greenjobs ist eine grüne Jobbörse, die sich ausschließlich auf Job, Praktika und Traineestellen im grünen und CSR Bereich spezialisiert hat. Jan erzählt uns von der Freiheit des Bootstrapping und wie er durch Learning by Doing greenjobs gestartet hat...

Wolltest Du immer im grünen Sektor arbeiten?

Ja, unbedingt. Schon zu Schulzeiten fand ich die Arbeit von Greenpeace toll. Kurz vor dem Abi haben wir dann in der Schule nach dem Unterricht ein Windrad gebaut, den Rotor haben wir mit einem Banschleifer auf einer Holzbohle geschliffen, Generator war eine alte Lichtmaschine. Trotzdem wusste ich bis knapp 2 Jahre vor dem Abi nicht, was ich konkret danach machen wollte. Der Geistesblitz kam dann auf einer Kursfahrt des Chemie-LK nach München, wo wir auch die Hochschule Weihenstephan besucht haben. Dort erzählte uns ein Prof unter einer riesigen Blutbuche vom Studium Landschaftsplanung. Das war genau mein Ding: konzeptionell, naturwissenschaftlich und draußen. Das habe ich dann in Berlin studiert, aber nie direkt in dem Bereich gearbeitet, sondern direkt nach der Uni auf Energie- und Klimaschutzthemen umgeschwenkt. In diesem Bereich habe ich dann 10 Jahre bei verschiedenen Arbeitgebern gearbeitet, dabei waren eine Unternehmensberatung, das UBA, die Bundesgeschäftsstelle des NABU und das PIK. greenjobs lief in dieser Zeit immer nebenbei bevor wir es dann Anfang 2011 kommerzialisiert haben.

Was war die Motivation dahinter greenjobs zu starten?

Bei uns waren das 3 Motivationen: Ich war 2000 gerade mit der Uni fertig und selbst auf Jobsuche im Umweltbereich, auch mein Co-Gründer Uwe suchte im grünen Bereich. Online-Jobbörsen für den Bereich gab es damals fast nicht. Zum Zweiten war es die Zeit der ersten großen Dot-Com-Blase und es entstanden ganz viele Onlineunternehmen mit teilweise gar keinen Geschäftsmodellen, das fand ich spannend. Zuguterletzt kam bei uns die technische Neugier dazu: Wie funktioniert eigentlich dieses Internet? Wie baut man eine Website? Was ist HTML, Datenbanken?

Nachdem wir dann das Feedback von den NutzerInnen bekamen, das sie greenjobs.de toll finden und auch Jobs über uns gefunden haben, hat uns das natürlich extra motiviert. Ich weiß noch heute, wie ich das erste Mal im realen Leben jemanden getroffen hatte, der greenjobs.de kannte.

In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt der größte Erfolg von greenjobs?

Ich möchte hier gar nicht den einen großen Erfolg herausheben. Vielmehr ist es das dauerhaft positive Feedback, das wir sowohl von den Arbeitgebern als auch den JobsucherInnen bezüglich der Plattform und unserer Arbeit bekommen. Ein eher kleinen Erfolg, der aber immense Bedeutung für uns hatte war die Rückmeldung eines Arbeitgebers als wir greenjobs.de noch als Freizeitprojekt nebenbei ohne finanzielle Interessen betrieben. Dieser Arbeitgeber, ein Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, das schon lange seine Jobs bei uns veröffentlichte, sagte uns eines Tages ohne besonderen Anlass, dass er gerne für die Veröffentlichung der Jobs bezahlen möchte. Wir hatten damals zwar schon ein Konto für greenjobs.de aber keine Rechnungsstellung o.ä. Wir sagten also dem Kunden, dass wir keinen Prozess für Zahlungseingänge hatten. Das weiterhin kostenlos machen und wir uns freuen, wenn er zufrieden mit unserer Arbeit ist. Die Reaktion darauf kam prompt in Form von 500 Euro, die auf unserem Konto eingingen.

Neben dem positiven Feedback, das uns immer wieder per Mail oder am Telefon erreichte war das für uns der Beweis, dass greenjobs.de für die Arbeitgeber tatsächlich wertvoll ist. Uns haben diese 500€ in der darauffolgenden Zeit, in der wir immer wieder überlegten, ob und wie wir greenjobs.de kommerzialisieren sollen/wollen, immer wieder die Gewissheit gegeben, dass die Kommerzialisierung erfolgreich sein wird. Und so ist es dann auch gekommen: Seit dem ersten Tag machen wir Gewinn.

Bitte teile auch die 5 Top Learning mit uns- Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

1. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Gründen aus eigener Kraft gemacht, also Bootstrapping. Es schafft eine unheimliche Freiheit, von keinen Investoren oder Banken abhängig zu sein und nicht immer auf der Suche nach dem nächsten Fördertopf zu sein.

2. Gerade zu Beginn sollte man als Gründer soviel wie möglich aus eigener Arbeitskraft schaffen wie es geht. Wenn der Schmerz, also der Aufwand, dann so groß wird, dass man das selbst nicht mehr schafft, rate ich dazu, sehr früh erstmal externe Dienstleister (z.B. Grafiker, Steuerberater, Anwälte) einzubinden als sich diese Kompetenzen fest ins Team zu holen. Das schafft Flexibilität. Wir haben außerdem immer davon abgesehen, PraktikantInnen einzubinden, um Aufgaben ohne (oder mit nur wenig) Lohn erledigt zu bekommen. Es ist kein tragfähiges Geschäftsmodell, dauerhaft PraktikantInnen zu beschäftigen um das eigene Projekt/Unternehmen am Laufen zu halten. Wenn man die Unterstützung braucht, sollte man auch fair dafür zahlen.

3. Das eigene Produkt zu klaren und transparenten Konditionen verkaufen. Natürlich sollte man im Einzelfall auch mal verhandeln, das sollte aber die Ausnahme sein. Bei der Rechnungsstellung wenn nötig ein klares Mahnverfahren durchziehen und in letzter Konsequenz auch mal bis ins Inkassoverfahren gehen.

4. Wenn man merkt, dass man mit einem Dienstleister oder MitarbeiterIn nicht zufrieden ist und sich das nach entsprechendem Feedback nicht ändert, die Trennung schnell vollziehen. Wenn es nicht schnell besser wird, wird es auch in einem halben Jahr nicht signifikant besser werden.

5. Nicht immer gleich den großen Wurf wollen. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, klein anfangen und dann Schritt für Schritt ausbauen. Und nicht immer bei allem was man tut, die Dollarzeichen in den Augen haben. Auch mal Zeit investieren, die nicht bezahlt wird.
Zu guter Letzt noch ein Lesetipp: „Rework“ von Jason Fried & David Heinemeier Hansson!

Was ist ein Beispiel für eine erfolgreiches Sozialunternehmen und warum?

Auf der einen Seite sollte ein Unternehmen genug Umsatz machen, um seine laufenden Kosten und dabei insbesondere die Personalkosten entspannt zu decken. Denn Selbstausbeutung halte ich nicht für (sozial) nachhaltig bzw. erfolgreich. Es sei denn, es handelt sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Auf der anderen Seite sollte das Unternehmen einen entsprechenden Impact haben. Das kann das Unternehmensziel selbst sein, bei greenjobs.de also das Zusammenbringen von Arbeitgebern und Jobsuchern im Umweltbereich.

Darüber hinaus gehört für mich dazu, etwas vom eigenen Erfolg abzugeben. Bei uns heißt das, dass wir kleine Arbeitgeber dadurch unterstützen, indem wir deren Job-Anzeigen kostenfrei veröffentlichen. Außerdem spenden wir immer einen Teil unseres Jahresgewinns an Projekte, die uns wichtig sind. Das waren in der Vergangenheit solche aus dem Naturschutzbereich (z.B. NABU Potsdam, „Grünes Band“ des BUND), dem IT- und Datenschutzbereich (z.B. Chaos Computer Club, Electronic Frontier Foundation) und der Entwicklungszusammenarbeit (z.B. Urbis Foundation).

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Wie viel verdient man eigentlich im sozialen und nachhaltigen Sektor?
Der tbd* Gehaltsreport – Gehalt, Präferenzen und Zufriedenheit der Mitarbeiter im sozialen Sektor.
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Gehälter im nachhaltigen und sozialen Bereich - Gutes tun, Geld verdienen, Glücklich sein. Geht das?