Die weltgrößte Spendenplattform GoFundMe ermöglicht es nun auch in Deutschland, Geld für das Herzensprojekt nebenan zu sammeln oder andere bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Teil des Teams ist Jeannette Gusko, sie hilft Nutzer*innen dabei, ihre gesellschaftlichen Fundraisingkampagnen erfolgreicher zu machen und berichtet uns von der neuen Art des Spendens.

Erzähl uns von GoFundMe - wie kam es zu der Idee und was ist die Mission dahinter?

GoFundMe wurde 2010 in den USA mit dem Ziel gestartet, eine große Lücke im Bereich des Spendenwesens und des gesellschaftlichen Engagements zu schließen: die Unterstützung individueller und persönlicher Anliegen und Ziele. Die Idee der Gründer war, dass alle diejenigen, die eine unterstützenswerte Idee haben oder finanzielle Hilfe benötigen, die Möglichkeit bekommen, Spender*innen und Unterstützer*innen zu finden. Gleichzeitig sollen Menschen, die anderen helfen wollen, die freie Auswahl haben, wen und welche Anliegen sie unterstützen möchten. Es gibt so viele tolle Ideen und so viele individuelle Geschichten, die Unterstützung verdienen und sie auch erhalten, sobald die Menschen von ihnen erfahren. GoFundMe wurde gegründet, um diese Projekte, gesellschaftliche Anliegen und Ideen mit denjenigen zusammenzubringen, die helfen wollen. Die Zivilgesellschaft funktioniert dann, wenn gesellschaftliches Engagement und persönliche Initiative zusammenfinden. Eine vielfältige und gerechte Geldverteilung ist essentiell für die Zivilgesellschaft und GoFundMe hat den Anspruch, ihr Motor zu sein.

Was unterscheidet GoFundMe von anderen Online Crowdfunding-Plattformen?

GoFundMe hat sich auf die Fahnen geschrieben, soziales und persönliches Crowdfunding zu ermöglichen. Während viele Crowdfunding-Plattformen ein großes Spektrum an Themen abdecken, die sich online finanzieren lassen – von Filmen und Musikprojekten bis zu Elektronikprodukten, von Erfindungen bis zu Umweltprojekten – und vor allem auch kommerzielle Projekte fördern, haben wir uns klar auf gesellschaftliche Themen spezialisiert. Deshalb ist GoFundMe in erster Linie auch eine Online-Spendenplattform. Wir konzentrieren wir uns darauf, persönlichen Anliegen aller Art finanzielle Unterstützung zu ermöglichen: in Bereichen wie Medizin, Notfälle, Unternehmertum, Sport, Bildung, Frauenrechte, Tiere und vielen mehr. Andere Plattformen finanzieren Projekte, wir ermöglichen Veränderungen, große wie kleine.

Was tragen Online Fundraising-Plattformen zum bestehenden Spendenwesen und gesellschaftlichen Engagements bei?

In der Vergangenheit waren soziales Fundraising und gesellschaftliches Engagement eine Einbahnstraße: Auf der einen Seite standen institutionelle Spendensammler wie Stiftungen, Hilfsorganisationen oder Vereine, auf der anderen die Spender*innen. Sie durften sich zwischen den unterschiedlichen Spendenaktionen entscheiden und das war es dann. Plattformen wie GoFundMe ändern das gerade grundlegend. Sie öffnen Engagement und Spendenwesen 360 Grad. So kann der oder die Einzelne* jetzt selbst Spendenkampagnen starten – für sich selbst, Freund*innen oder Familie oder ein Anliegen, das ihm/ihr* wichtig ist. Gleichzeitig haben Spender*innen die volle Auswahl. Sie können weiterhin Hilfsorganisationen unterstützen, aber auch spezielle Projekte aus aller Welt, Menschen aus dem Bekanntenkreis oder auch Privatpersonen, die sie gar nicht kennen. Plattformen wie GoFundMe demokratisieren das gesellschaftliche Engagement und geben Einzelpersonen die Kontrolle zurück. Mit GoFundMe können alle Engagierten Veränderungen anstoßen – ob im näheren Umfeld oder in der entferntesten Ecke der Erde.

Werden Plattformen wie eure, die Art und Weise verändern, wie Menschen spenden und wenn ja wie?

Soziales digitales Fundraising verändert die Spielregeln für Initiator*innen wie Unterstützer*innen: Zum einen erweitert sich das Spektrum dessen, was unterstützt werden kann: von der Nothilfe zur Erfüllung persönlicher Wünsche und Lebensziele, von Sport- oder Bildungsförderung bis zum Nachbarschaftsprojekt. Geldsammelaktionen sind damit nicht länger der Nothilfe vorbehalten, sondern wandeln sich zu Instrumenten echten Empowerments. Soziale Crowdfunding-Plattformen wie GoFundMe stellen das Spenden und Geben vom Kopf auf die Füße und verändern es nachhaltig. Sie erleichtern den Zugang zu Projekten und Anliegen überall auf der Welt, bringen die potenziellen Spender*innen näher und erhöhen damit die Glaubwürdigkeit. Dadurch sinkt die Hemmschwelle sich zu engagieren. Zudem erlauben sie, gezielt und transparent zu unterstützen, statt anonym in Hilfsaktionen zu investieren. Die Ablösung des Gießkannenprinzips macht die Wirkung der eigenen Spende sichtbarer und ermutigt dadurch ebenfalls zu mehr individuellem Einsatz. All dies erhöht das Vertrauen in Hilfsprojekte aller Art. Dadurch wird nicht nur die Art wie wir geben verändert und Möglichkeiten zu helfen erweitert, sondern es steigt auch die Spendenbereitschaft. In der Folge werden wir eine nachhaltige Erhöhung des Spendenvolumens sehen.

GoFundMe ist in den USA sehr bekannt und beliebt. Gab es Schwierigkeiten oder Unterschiede auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen oder war die Situation gleich?

Deutschland ist ein perfekter Ort für GoFundMe. Zum einen wirtschaftlich, schließlich sind wir eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Vor allem aber ist es ein Land, in dem gesellschaftliches Engagement und das Eintreten für Mitmenschen eine wichtige Rolle spielen. GoFundMe bietet einen einfachen, schnellen und effektiven Weg, Menschen zu helfen und Unterstützung für die Erfüllung ihrer Träume zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass es hierfür gerade in Deutschland einen großen Bedarf gibt. Letztlich ist die Idee von GoFundMe aber universal: Menschen unterstützen andere Menschen bei ihren Ideen, ihren Anliegen oder eben in Notsituationen. Der Wunsch, Anderen zu helfen, ist nicht auf nationale Grenzen beschränkt, die Notwendigkeit sozialen Engagements ebenso wenig. Deshalb versteht sich GoFundMe auch als globale Plattform: Schon heute sehen wir Spender*innen aus fast allen Ländern der Welt.

Was ist für den Erfolg einer GoFundMe Kampagne unerlässlich?

GoFundMe-Kampagnen leben von den Geschichten, die sie erzählen. Sie müssen potenzielle Spender*innen so ansprechen, dass sich diese beteiligen wollen. Ein griffiger Titel ist ebenso wichtig wie aussagekräftige Bilder, noch besser ist ein Video, welches die Geschichte mit Leben füllt. Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte. Wichtig ist auch Transparenz: Kampagnenstarter*innen sollten genau ausführen, wofür sie das Geld aufwenden möchten. Das erzeugt Glaubwürdigkeit und diese wiederum erhöht die Spendenbereitschaft. Und dann müssen Menschen natürlich davon erfahren. Für Initiator*innen heißt das: Teilt eure Kampagne in sozialen Medien, nutzt alle Kommunikationswege, die ihr habt, ermutigt Freund*innen und Verwandte, es ebenso zu tun. In der Regel gilt: Je mehr eine Kampagne geteilt wird, je mehr und unterschiedliche Wege ihr versucht, umso erfolgreicher wird sie. Letztlich ist das Wichtigste, anderen Menschen oder Communities glaubhaft und authentisch vermitteln zu können, warum sie ein GoFundMe unterstützen sollten.

Gibt es ein erfolgreiches Projekt aus Deutschland, auf das Du besonders stolz bist?

Da fällt mir als erste die Kampagne “Rettet Elias” ein. Dabei ging es um einen 28-jährigen Studenten aus Frankfurt am Main, der im Thailand-Urlaub schwer verunglückt war. Um ihm das Leben zu retten, die Krankenhausrechnungen zu bezahlen und ihn zurück nach Deutschland zu holen, sammelte sein Bruder auf GoFundMe. Der Erfolg war überwältigend: Über 150.000 Euro kamen zusammen, Hip-Hop-Größen wie Kool Savas oder Haftbefehl unterstützten die Kampagne, vor allem aus Frankfurt aber auch weit darüber hinaus kam tatkräftige Unterstützung. Mit dem Geld konnte Elias nach Deutschland zurückgeflogen werden, wo er sich schrittweise von den schweren Verletzungen erholen konnte. Die Kampagne ist ein perfektes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn viele Menschen zusammenkommen und sich gemeinsam für eine Sache engagieren. Hier konnte ein Leben bewahrt und verbessert werden.

Was gefällt Dir an deiner Arbeit am besten?

Wir haben bei GoFundMe einen ganz einfachen Anspruch: Wir wollen helfen, die Welt zu verändern. Unsere Kampagnenstarter*innen haben eines gemeinsam: Sie wollen Dinge verbessern – gute Nachbar*innen sein, Kranken helfen, soziale Projekte unterstützen, Bildungschancen erhöhen und vieles mehr. Wer eine Kampagne bei GoFundMe startet, möchte ihren*seinen Teil zu einer besseren Gemeinschaft und dem Gemeingut beitragen. Daran mitwirken zu können ist unglaublich erfüllend und ungeheuer motivierend. Viele der Kampagnenstarter*innen sind faszinierende, mutige oder auch verletzliche Menschen, die mich tagtäglich inspirieren. Und dann zu sehen, wie sich eine Geschichte dank des Beitrags der Vielen zum Guten wendet, ist ein wunderbares Gefühl, das mich jeden Morgen gern zur Arbeit gehen lässt.

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