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In Deutschland stellt man sich immer wieder die Frage nach der Farbe des Geldes. Kann Geld gut oder schlecht sein? Und wenn ja, wann ist es gut und wann schlecht? Darf man mit manchen guten Dingen böses Geld verdienen oder sollten bestimmte Projekte unter den Schutzbegriff “Gemeinnützigkeit” fallen und somit in dementsprechenden rechtlichen Formen verwirklicht werden?

Der “soziale” Sektor ist besonders von diesen Fragen durchzogen. Es fängt bei Pflegeberufen an und hört als Geschäftsführer einer NGO auf- Geld verdienen ist im gemeinnützigen Sektor quasi tabu- und wenn, dann spricht man nicht drüber. Es ist ja peinlich, dass ich Gutes tue und dafür auch noch Geld bekomme. Völlig daneben, finden wir!

Gerade als Sozialunternehmer wird man immer wieder mit der Frage des Geldes konfrontiert. “Was ist denn an euch sozial, ihr verdient doch Geld?” ist nur eine davon. Wir haben uns mit drei Sozialunternehmen zu diesem Thema unterhalten und sind zum Entschluss gekommen, dass wir alle auf der gleichen, unruhigen Welle reiten…

Sozial sein und trotzdem Geld verdienen, geht das?

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Als Sozialunternehmer produziert man in der Regel ein Produkt oder bietet eine Dienstleistung an, wie jedes andere Unternehmen auch. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass Profit nicht im Vordergrund steht, sondern die gesellschaftliche Wirkung. Kann man also Geld verdienen als Sozialunternehmer? Wir haben nachgefragt.

Mogli begeistern z.B. mit ihren nachhaltigen Bioprodukten Kinder für Lebensmittel und die Natur, um so gesunde Lebensmittel wieder auf den Tisch zu bringen bzw. dort zu halten. Wir haben mit Gründer Armin Steuernagel gesprochen. Armin ist der Meinung, dass manche Leute überhaupt erst nach der Vereinbarkeit von Geld und Sozialem fragen, weil es in der Vergangenheit - und auch jetzt noch - Unternehmen gibt, die sich “sozial” oder “nachhaltig” auf die Fahnen schreiben, aber dies nur aus Marketingzwecken tun und nicht weil sie wirklich was verändern wollen. Greenwashing hört man oft! Bei Mogli ist das jedoch anders, betont er: “Wir sehen unser Unternehmen eigentlich als gemeinnütziges Unternehmen… das zeigt sich darin, dass wir unsere Gewinne nicht an uns selbst auszahlen, sondern als Start für neue Produkte/ Projekte sehen”. Für Mogli ist der Gewinn nicht der Zweck des Unternehmens, sondern Mittel, um den eigentlichen Zweck “Kinder für gesunde Lebensmittel zu begeistern” verfolgen zu können. Es geht aber auch um mehr: “In der Art von Wirtschaft in der wir tätig sind, also in einer Sinnwirtschaft, in der eben nicht nur die Profite zählen, sind natürlich unsere Mitarbeiter und Kunden sehr wichtig und werden auch respektvoll behandelt und nicht nur als Instrumente gesehen”.

Auch Florian Henle von Polarstern stellt klar: “Wir sind ein Sozialunternehmen, weil wir die öknomische, ökologische und soziale Komponenten gleich gewichten und so sind auch unsere Produkte aufgestellt.” Polarstern verdient Geld durch erneuerbare Energien. Sie helfen aber auch Entwicklungsländern dabei ebenfalls auf erneuerbare Energien umzusteigen, und das weiß und bezahlt der Kunde. “Wir arbeiten außerdem bevorzugt mit Unternehmen zusammen, die eben auch genau gleich ticken” Florian betont: “Geld an sich ist ja nichts unsoziales, es kommt darauf an was man damit macht.”

Bei MeineKleineFarm ist das ähnlich. Wir sprachen mit Gründerin Laura Kübke, die ebenfalls Sozialunternehmerin ist und gar nicht verstehen kann, warum manche überhaupt diese Frage stellen. “Wir selbst stellen uns diese Frage gar nicht mehr, denn jeder muss ja Geld verdienen und ich verdiene es nunmal lieber mit einer Sache hinter der ich zu 100 % stehe, als mit etwas, wo ich werder Bezug zu, noch ein gutes Gewissen dabei habe.”

Fazit also: sozial sein und Geld verdienen, geht nicht nur, sondern das muss! Natürlich geht es keinem der Unternehmer/innen ausschließlich um Gewinne, das könnten sie an anderer Stelle wesentlich schneller erreichen, sondern es geht darum den Sinn/ Zweck einer Social Business Idee voranzutreiben und der Gemeinschaft etwas Gutes zu tun. Und sind es nicht gerade die Menschen, die so denken, die eigentlich an der Reihe sein sollten, Millionäre zu werden? Wir hoffen drauf!

Warum wählt man den Wirtschaftsweg und gründet nicht einfach einen Verein?

Eine weitere Frage mit der sich Sozialunternehmer/innen immer wieder auseinandersetzten müssen. Wer kennt das nicht, gerade wenn man seinen Gegenüber soweit hat, dass er versteht, dass der Profit des eigenen Unternehmens nur zweitrangig ist und man vor allem einen Sinn verfolgt, wundert er sich, warum man denn nicht einfach einen Verein gründet.

Auch natürlich eine berechtigte Frage findet Florian: “wir wollen nunmal unternehmerisch denken und unabhängig sein, das könnten wir als Verein nicht”. Eine weitere Einzigartigkeit liegt für einige Sozialunternehmer vielleicht auch im Produkt. Sie stellen ja nicht nur ein Produkt her, was an sich gut und nachhaltig produziert wird, sondern was eben auch das Verhalten des Konsumenten, somit den Markt und schlussendlich die Welt verändern soll. In den Worten von Armin: “Wir wollen etwas machen, was aus sich heraus einen solchen Wert hat, dass man dafür auch bereit ist zu zahlen”. Wir könnten nicht überzeugter sein- JA lasst uns alle Produkte anbieten oder herstellen, die so toll sind, so sinnvoll und wertvoll, dass Andere auch gerne dafür bezahlen und man nicht von Spenden und nett sein leben muss.

Auch MeineKleineFarm hätten einen Verein gründen können, doch sie möchten das Verhalten des Konsumenten mit dem eigentlichen “Problemprodukt” verändern- Weniger Fleischkonsum durch den Verkauf von Fleisch, ist ihr Motto. Ein schwieriges Modell mit dem sie den Konsumenten zu einem “Prosumenten” machen, also Bewusstsein schaffen. Sie möchten niemanden zum Vegetarier machen, sondern Menschen in ihrem Konsum bewusster machen und das geht eben am Besten durch das Produkt selbst. So kann ihre Gemeinnützigkeit eben nur funktionieren, wenn die Menschen tatsächlich die Produkte kaufen und sie sich damit gegen die Konkurrenten durchsetzen. Ihre Wettbewerbsfähigkeit ist zentral zu ihrer Botschaft. Ein ganz klarer Fall für ein Social Business.

“Ich glaube an gutes Business und wehre mich gegen die Annahme, dass es auf der einen Seite die böse Wirtschaft und auf der anderen Seite gute NGOs gibt, die sich darum kümmern die ganze Scheiße, die die Wirtschaft fabriziert wieder auszubügeln” sagt Armin. Ein wichtiger Punkt finden auch wir, denn die Wirtschaft ist nunmal ein integraler Teil unserer Gesellschaft und muss gar nicht weg gedacht werden, sondern vielleicht nur von Innen reformiert werden. “Wir werden die Welt nur verändern können, wenn wir die Wirtschaft selbst wieder zu einer vernünftigen Form führen, wo sie aus sich selbst heraus den Bedürfnissen der Menschen dient und nicht zum Selbstzweck wird” spricht Armin uns aus der Seele. Vielleicht braucht man morgen gar keine Vereine mehr, die die Welt verbessern, sondern vielleicht gibt es einen solch großen Paradigmenwechsel, dass sich “unsere Wirtschaft von einer Profit getriebenen Wirtschaft zu einer Sinn Wirtschaft entwickelt, weil vor allem die jungen Menschen, die jetzt auf den Arbeitsmarkt kommen, keine Lust mehr haben dafür zu arbeiten, dass sich jemand die Taschen vollstopfen kann” argumentiert Armin. Und somit wäre die Welt ein sehr großes Stück gesünder.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Triodos Bank entstanden. Die Sozialunternehmen in diesem Artikel sind alle Geschäftskunden der Triodos Bank. Die Triodos Bank ist eine Nachhaltigkeitsbank, die sich darum bemüht innovative Wege zu finden mit denen man Geld für die Gesellschaft und eine bessere Zukunft arbeiten lassen kann. Und dies mit größtmöglicher Transparenz – indem über jeden vergebenen Kredit berichtet wird. Die Nachhaltigkeitsbank unterstützt mit Krediten nur Projekte und Unternehmen, die langfristig positive Veränderungen für Mensch und Umwelt bewirken.

Mogli produziert nachhaltige Bio- Lebensmittel für Kinder, um Familien dabei zu helfen gesunde Lebensmittel auf den Tisch zu bringen und Kinder für den gesunden Umgang mit Lebensmitteln und Natur zu sensibilisieren. Die Gewinne werden in weitere kinderfreundliche Produkte zur Aufklärung über Natur und gesunde Lebensmittel reinvestiert.

Das Ziel von MeineKleineFarm ist es den Fleischliebhaber auch zum Tierliebhaber zu machen. Es geht nicht darum den Konsum von Fleisch zu verbieten, sondern Bewusstsein dafür zu schaffen. Die Gewinne fließen in Projekte wie “Schulschwein”, wo bereits im Kindesalter mehr bewusster Fleischgenuss vermittelt werden soll.

Polarstern ist Deutschlands einziger Energieversorger, der bei Strom und Gas komplett auf Erneuerbare Energien setzt. Die Gewinne werden unter anderem in Projekte in Entwicklungsländer investiert, wo sie vor Ort für den Wechsel zu Erneuerbarer Energien verhelfen.