Während der Fußball Weltmeisterschaft hat kein anderes Thema in Berlin für mehr Medien- (und Polizeiliche) Aufmerksamkeit gesorgt, wie die Situation der Flüchtlinge. Und deswegen ist es um so passender, dass unsere letzte Organisation in der Reihe ‘Football is more than FIFA’ eine Organisation ist, die Fußball dazu nutzt die schwierige Lage von Flüchtlingen hier in Berlin zu verbessern.

Stell Dir vor, Du bist gerade in einem anderen Land angekommen - Du kennst weder die Sprache, noch die Kultur, kennst keine Leute vor Ort, Du wohnst in einem Zimmer mit 6 anderen Menschen (deren Sprache Du auch nicht verstehst), darfst nicht arbeiten, studieren und bekommst kein Deutschunterricht. Stell Dir weiterhin vor, dass Du kaum Geld hast, um - selbst, wenn Du wüsstest was- irgendwas zu unternehmen. Dazu bist Du noch traumatisiert und weißt nicht einmal, ob Du möglicherweise bald wieder in das Land zurückkehren musst, aus dem Du geflohen bist. Und das alles obwohl Du Dir eigentlich nur ein normales Leben aufbauen möchtest, Deinen Beruf ausüben und der Gesellschaft, in der Du jetzt lebst, Deinen Beitrag leisten möchtest. So wie jeder andere auch.

Und dann plötzlich kommt jemand und lädt Dich zum Fußball-Training ein. Endlich hast Du einen Grund morgens aufzustehen und wieder raus in die Welt zu gehen. Beim Fußball-Training lernst Du andere Menschen kennen, die schon ähnliches erlebt haben wie Du und auch Deutsche, die Dir helfen wollen, hier Fuß zu fassen; Dir zum Beispiel erklären, was ein Ausländeramt ist und warum Du dahin musst; Dir den Namen von einem Anwalt geben, der Deine Sprache spricht und Dir Deine rechtliche Situation erklären kann. Aber vor allem kannst Du für ein Paar Stunden die Woche Spaß haben und kurzzeitig vergessen, wie schlecht es Dir gestern noch ging.

CHAMPIONS ohne GRENZEN bietet mit Hilfe von offenen und kostenlosen Fußball- und Begegnungsprojekten Flüchtlingen verschiedener Herkunft, Altersstufen und Geschlechter Möglichkeiten zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung. Hier kann man als Flüchtlinge nicht nur die Sprache lernen und Orientierung finden, sondern endlich wieder unter Leute kommen. CHoG will mit seiner Arbeit vieles erreichen: das psychische und physische Wohlergehen der Teilnehmenden stärken, interkulturelle Toleranz und Geschlechter- gerechtigkeit fördern und Informationen über die Fluchthintergründe und Lebensumstände von Flüchtlingen verbreiten. Freizeitfußball identifiziert der Verein als Mittel, um Asylsuchenden langfristig die Teilhabe am Alltagsleben in Berlin und Brandenburg zu erleichtert und zudem ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu stärken.

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Neben den wöchentlichen Fußballtrainings, veranstaltet CHoG am 10. Oktober einen Kongress, auf dem Möglichkeiten zur Verbesserung der Integration von Flüchtlingen diskutiert werden sollen. Der Zugang zu Kultur- und Sportangeboten ist für Flüchtlinge oft verbaut. So ist es zum Beispiel für Flüchtlinge kaum möglich am regulären Spielbetrieb des organisierten Vereinsfußballs teilzunehmen. Es ist jedoch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, ob Menschen am gesellschaftlichen- kulturellen Leben teilnehmen dürfen oder nicht. Das Thema Flüchtlinge und Fußball wurde noch nie auf einer Tagung oder Konferenz zuvor bearbeitet. Erstmalig kommen Verantwortliche aus Verwaltung, Verbänden, Sportvereinen, sowie Flüchtlinge, engagierte Menschen,Vereine und Initiativen auf einer Tagung zusammen und suchen nach Lösungen, die das Leben von Asylsuchenden lebenswerter machen sollen.

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Willst Du beim Spielen mit dabei sein?

Check die Webseite des Kick Out Racism Cup! Dieses jährliche Tunier soll über Rassismus im Fußball und Flüchtlingspolitik im allgemeinen informieren und ein Forum für interessierte Vereine, Ehrenamtliche und alle anderen Menschen sein, die sich in diesem Feld engagieren wollen.

Eine solche Kombination aus Feldarbeit mit den Betroffenen, Aufklärungsarbeit mit der Aufnahmegesellschaft und Lobbyarbeit auf politischer Ebene schafft kaum eine andere Organisation. Aber dafür ist Fußball eben vielleicht genau das Richtige. Dieser Sport vereint die Menschen wieder, auf unterschiedlichen Ebenen. Denn wir wissen doch alle: Jeder spricht Fußball.

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Die Gründerin von CHoG Carolin Gaffron und ihre Kolleg/innen - auch die von streetfootballworld, Discover Football und WASH United - lieben Fußball wahrscheinlich genauso wie Du. Sie hocken bestimmt auch jeden Abend vor dem Fernseher und verfolgen das Spiel - manche von ihnen haben sogar die Weltmeisterschaft in Brasilien vom Stadion aus verfolgt - als Teil ihrer Arbeit! Für sie ist Fußball aber nicht nur eine leidenschaftliche Hobby, sondern die effektive Art und Weise positive soziale Veränderung zu schaffen…

Was ist Deine Leidenschaft? Was kannst Du damit bewirken? 

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Bilder: No Dice Magazine - Berlin Football in English.

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