ursprünglich erschienen: 31.10.2016

Der Begriff "Konsum" löst bei manchen von uns Unbehagen aus. An ihn sind negative Assoziationen geknüpft wie "Ausbeutung", "Maßlosigkeit", "Ressourcenverschwendung", ... die Liste ist lang. "Problemlösung" ist vermutlich das letzte Wort, das einem dabei in den Sinn kommt. Was aber, wenn wir Konsum direkt mit sozialer Wirkung in Zusammenhang bringen? Conflictfood tut genau dies und will durch Konsum einen positiven Beitrag leisten. Wie sie das anstellen wollen erfährst Du hier - Ein Interview mit Conflictfood Gründer, Gernot Würtenberger.

Welche Motivation hattest Du Conflictfood zu starten? 

Unser Konsum feuert weltweit Konflikte an. Wir wollen den Spieß umdrehen und mit Konsum einen positiven Beitrag leisten. Auf einer Reise durch Afghanistan, sind wir auf ein unabhängiges Frauenkollektiv aufmerksam geworden, die gerade den Umstieg von Opium auf Safran geschafft haben. Das hat uns so fasziniert, dass wir gedacht haben: Wow – diese Produkt und diese Geschichte möchten wir weitertragen.

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Kläre uns auf: Wie funktioniert Conflictfood? Und wieso eigentlich "Food"? 

Wir reisen beide in Konfliktregionen und suchen dort nach regional typischen Spezialitäten. – nach dem Besten, dass die Region zu bieten hat.

Mit Kleinbauern und Kollektiven vor Ort betreiben wir direkten Handel, wir bezahlen sie fair und ohne jeglichen Zwischenhändler. 

In Deutschland verkaufen wir das Produkt gemeinsam, mit einer eigens kreierten Zeitung, die über das Krisenimage hinaus berichtet und von Menschen, Kultur und Geschichte eines Landes erzählt, welches sonst nur negative Schlagzeilen hat. Zusätzlich geht ein Teil des Erlöses zurück an ein Bildungsprojekt im Herkunftsland. 

Warum Food? Nun -  bei Tisch werden Konflikte geschlichtet, Freundschaften geschlossen und Feste gefeiert. Essen ist ein gemeinsamer Nenner, der uns alle zusammenbringt. Es ist ein über alle Grenzen hinaus völkerverständigendes Gesellschaftsprinzip. 

Mit welchen Ländern arbeitet ihr derzeit zusammen und welche Produkte bezieht ihr von dort? 

Aktuell beziehen wir Safran aus Afghanistan und demnächst möchten wir eine ganz spezielle Sorte von Mandeln von dort mitbringen. In Palästina arbeiten wir mit Bio-Bauern zusammen, die Freekeh anbauen, Datteln und Dattelkonfekt kommen demnächst auch in unseren Shop.

Konfliktregionen gibt es aber bekanntlich noch viel mehr. Als nächstes möchten wir Kaffeebauern im Jemen besuchen und uns auf die Suche nach regionalen Spezialitäten im Eritrea und Äthiopien machen. 

Wie findet ihr die Handelspartner, mit denen ihr zusammenarbeitet? 

Wir bereiten jede Reise sehr genau vor, recherchieren gewissenhaft und kooperieren mit den Botschaften, NGOs und Friedensaktivisten. Unsere Handelspartner entdecken wir in der Tat erst vor Ort.

Kannst Du uns den Unterschied zwischen Fair-Trade und Direct-Trade auslegen?

Um einen grundlegenden Wandel in Handelsstrukturen zu erreichen, genügt ein Siegel nicht. Das Fairtrade-Siegel hat sich über die Jahre hinweg verwässert und macht weiterhin Zugeständnisse an die Industrie. Wir zahlen einen fairen Preis und stellen sicher, dass das Geld auch bei den Produzenten ankommt. Wir drücken ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Geld persönlich in die Hand. Nicht wir diktieren die Preise, sondern unsere Handelspartner vor Ort. Bei den Projekten setzen wir auf eine langfristige Partnerschaft. 

Ihr spendet auch einen Teil eurer Einkünfte in Bildungsprojekte in den Krisenregionen - Welche soziale Wirkung habt ihr bisher genau erzielt?

Wir sind auch dieses Jahr wieder zur Safranernte in Afghanistan. In Kabul besuchen wir auch wieder das Kinderheim Paiwand-e-Noor und unterstützen die 111 Mädchen und Jungs dort mit einem kleinen Betrag für Feuerholz, Kleidung und Decken. Das tun wir, obwohl unser sehr junges Unternehmen in diesem ersten Geschäftsjahr noch lange keinen Gewinn abwirft. Wir freuen uns schon drauf, die Kids dort wieder zu treffen.

Zur Zeit habt ihr eine Crowdfunding Kamapgne am Laufen. Was steht als nächstes bei Conflictfood an und wie kann man euch unterstützen?

In Palästina sind wir vor Kurzen auf ein wunderbar schmackhaftes Korn namens Freekeh gestoßen. Es hat dort eine jahrtausendelange Tradition und ist bei uns noch vollkommen unbekannt. Produziert wird es von Bio-Bauern in Jenin im Norden der Westbank. Laut der NGO „Peace Now“ trägt der illegale Siedlungsbau dazu bei, dass die Bauern stark eingeschränkt sind. Aus diesem Grund möchte Conflictfood palästinensische Kleinbauern unterstützen und mit neuen Vertriebswegen Perspektiven der Existenzsicherung für sie eröffnen.

 

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