ursprünglich erschienen: 18.10.2015

Was haben Omis in Bayern mit Schuhherstellern in Afghanistan gemeinsam? Beide Gruppen arbeiten für und profitieren von dem Sozialunternehmen shoemates. Geschäftsführer Obaid Rahimi (im Bild mit seinem Partner Marc Langener) verrät uns sein Erfolgsrezept für Produkt- und Unternehmensentwicklung, und seine Geheimzutat für erfolgreiche Investoren- und Partnersuche. 

Was macht die Schuhe von shoemates aus?

Die shoemates sind nicht nur sehr hochwertige und modische Schuhe, sondern für jedes Paar, dass wir in Deutschland verkaufen, lassen wir ein Paar auch in Afghanistan fertigen und spenden diese Schuhe vor Ort an Kindern, die sich keine Schuhe leisten können. Dadurch versuchen wir nicht nur den Kindern in Not zu helfen, sondern mit der Produktion der Schuhe in Afghanistan auch neue Arbeitsplätze dort zu schaffen und den Familien langfristig eine Perspektive zu geben.

Was hat Dich dazu motiviert shoemates zu gründen?

Wir sind durch die SIFE (heute Enactus) gegangen so zu sagen :) Wir haben uns während unseres Masterstudiums in der Hochschulgruppe SIFE engagiert und haben uns dort intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen müssen und man ein Geschäftskonzept aufbauen kann, welches sozial, nachhaltig und profitabel ist.

Aus diesen Überlegungen ist unser erstes Projekt, headmates, hervor gegangen. headmates sind liebevoll handgestrickte Mützen von Omis aus Bayern.  Nach dem Erfolg von headmates wollten wir noch mehr machen und mehr erreichen. So entstand die Idee ein weiteres Projekt auf die Beine zu stellen, welches skalierbar ist. Dadurch ist nach mehreren Monaten Brainstorming und theoretischer Arbeit das Konzept von shoemates entstanden.

shoemates

Welches Potenzial und welche Schwierigkeiten siehst du für die Zukunft nachhaltiger, sozialer Kleidung?

Der Markt für nachhaltige und soziale Kleidung wächst immens und wird jedes Jahr größer. Die Kunden werden immer kritischer und stellen immer mehr Fragen. Diese Fragen müssen Unternehmen gerecht werden. Hier entsteht für Start-Ups, die viel dynamischer und schneller sind, die Möglichkeit diese Lücke zu füllen und die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass man als soziales Unternehmen trotzdem sehr gut aufgestellt sein muss, um den Kunden nicht nur nachhaltige Kleidung zu bieten, sondern Kleidung, die hochwertig ist, gut aussieht, mit der Zeit geht und darüber hinaus nachhaltig produziert und vertrieben wird. Diese Erwartungen gerecht zu werden ist ein großes Problem, gerade wenn man wenig bis kaum Geld hat und Investoren eher sehr vorsichtig sind.

Shoemates scheinen eher Sommerschuhe zu sein - wie überbrückt ihr die Wintermonate?

Die Wintermonate überbrücken wir mit den headmates Mützen und die neuen Herbst/Frühling Modelle, die bald erscheinen werden.

Die gespendeten Schuhe gehen nach Afghanistan. Wie sucht ihr Eure Partnerorganisationen im Ausland aus? Was ist euer Top Tipp für die 'Partnersuche'?

Ich habe afghanische Wurzeln und konnte meine Kontakte nutzen um dort den richtigen Partner vor Ort zu finden. Das war ein riesen Glück für uns und nicht alle Unternehmen werden so viel Glück haben. Man sollte einfach kritisch sein und sich lieber drei Mal absichern und Partnerschaften nicht zu schnell eingehen. Es ist besser etwas länger zu suchen und den richtigen Partner zu finden, als schnell etwas machen zu wollen.

Wie sieht Eure Finanzplanung aus und was würdet ihr anderen Sozialunternehmen für die Investorensuche raten?

Mein Rat wäre, vergesst nie, dass der Investor euch als ein ganz normales Unternehmen sieht. Macht eure Hausaufgaben. Das bedeutet "legt sehr viel Wert auf eine saubere Buchhaltung, ein gut durchdachtes Businessmodell, eine logisch aufgebautes Businessplan."
  Nur so, werden Investoren mit euch reden.

Was muss sich Deiner Meinung nach in der Social Enterprise Szene in Deutschland noch ändern?

Ich glaube wir machen schon viel Gutes. Es gibt inzwischen sehr viele sehr erfolgreiche soziale Unternehmen in Deutschland. Ich würde mir aber wünschen, dass man das soziale Unternehmertum wirklich als eine Möglichkeit ansieht auch monetär Werte zu schaffen und so etwas professioneller werden. Ich erlebe immer noch oft, dass einige Soziale Gründer das eher als Hobby sehen. Aber da ist viel Potential vorhanden.

Dieses Interview wurde mit der freundichen Unterstützung von Impact Hub Munich organisiert. 

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