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Im Monat März gibt es einen unrühmlichen Aktionstag: den Equal Pay Day. In diesem Jahr am 10. März begangen, markiert er symbolisch den Pay Gap (engl. Lohnlücke), also die Differenz der Bruttogehälter von Frauen im Vergleich zu Männern. Er verdeutlicht anschaulich, was sonst schwer zu greifen ist: geht man vom Durchschnittsverdienst in Deutschland aus, arbeiten Frauen im Jahr 2021 bis zum 10. März “umsonst” im Vergleich zu den Männern.

Aus diesem Grund haben wir bei tbd* uns dazu entschlossen, den März ab dem Stichtag zum Equal Pay Month zu deklarieren und somit Gleichstellung in der Bezahlung zu fordern. Für alle! Denn die Datenerhebungen missachten leider oft, dass es auch beim Thema Pay Gap Mehrfachdiskriminierung gibt. Eine Schwarze Frau verdient im Durchschnitt nochmal weniger als eine weiße Frau und eine Frau mit Behinderungen verdient weniger als eine Frau ohne Behinderung. Zudem gibt es auch ein großes Lohngefälle zwischen Männern und Inter*, Non-Binary, und Trans* Personen.

Viel zu tun also! Um darauf aufmerksam zu machen, bringen wir in diesem Monat themenbezogene Artikel für unsere Community, wie zum Beispiel dieses Interview mit Caroline von der PAY GAP APP. Zudem bekommen Arbeitgeber*innen ab dem 10. März die Möglichkeit, das gebotene Gehalt in einem eigenen Feld sichtbar zu machen. Denn transparente Löhne sind ein Weg, um den Pay Gap entgegenzuwirken.

Vielleicht deswegen eine gute Nachricht vorab: die Lohnlücke des Jahres 2019, auf welche der diesjährige Aktionstag basiert, ist mit 19% im Bundesdurchschnitt niedriger als die der Jahre zuvor. Allerdings existiert leider sie aber nach wie vor. Ein großen Unterschied gibt es nach wie vor zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern: die alten Bundesländer weisen mit 20% eine mehr als doppelt so hohe Lohnlücke, wie ihre Nachbarn im Osten mit 7%. Weitere Unterschiede gibt es in den Branchen.

Entwicklung des Pay Gap über die Jahre 2006-2019 © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

Die Bereiche Kunst, Unterhaltung und Er­holung (29 %), Erbringung von frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­nischen Dienst­leistungen (28 %) und das Gesundheits- und Sozialwesen (25 %) weisen die höchsten Lohnlücken auf, während in den Branchen der Abwasser- und Ab­fall­ent­sor­gung (4 %), Verkehr und Lagerei (5 %) und im Gastgewerbe (7 %) niedrigere Gefälle zwischen Männern und Frauen vorhanden sind. 

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Es existiert kein einziger Wirtschaftszweig in welchem Frauen durchschnittlich mehr als Männer verdienen.
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Auffallend ist, dass Branchen in denen generell wenig Frauen arbeiten weniger Lohndifferenz aufweisen, als Branchen in welchen die Mehrheit der Arbeitnehmer*innen aus Frauen besteht. Zudem besteht laut statistischem Bundesamt ein großer Unterschied zwischen der Art des Arbeitgebers: im öffentlichen Bereich ist der Pay Gap bei 7%, in der Privatwirtschaft bei 21%.

Mehrfachdiskriminierung – auch bei der Pay Gap

Zwar hat sogar die Bundesregierung die Thematik inzwischen aufgegriffen und erkannt, dass Handlungsbedarf besteht, dennoch fällt auf, dass Berichterstattungen rund um den Pay Gap vor allem die Lohnlücke zwischen "Frauen" und Männern thematisiert wird. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Pay Gap bei weißen Frauen geringer ausfällt, als bei Schwarzen. Frauen mit Behinderungen zählen laut dem Stern sogar zu den "Verlierer auf dem Arbeitsmarkt", ihr Gehalt liegt im Durchschnitt 677 Euro unter dem ihrer männlichen Pendants. Wie in vielen anderen Bereichen (siehe Health Gap) gibt es also auch bei der Entlohnung eine eine Diskriminierung aufgrund mehrerer zugleich wirkender Faktoren.

Zudem gibt es eine Pay Gap nicht nur zwischen Männern und Frauen: Lohnlücken existieren auch zwischen Männern und Inter*, Non-Binary oder Trans* Personen. Unter anderem fand eine niederländische Studie heraus, dass sich das Jahreseinkommen im Schnitt um etwa 20 Prozent verringert, wenn ein Mann sich dafür entscheidet eine weibliche Identität anzunehmen. Laut den Wissenschaftler*innen liegt auch diesem erschütternden Fakt eine doppelte Diskriminierung zugrunde. Das heißt die 20% Lohndifferenz kommen zum einen durch den Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen zustande, zum anderen durch Diskriminierung an Trans Menschen.

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Man unterscheidet zwischen "Unbereinigter Gender Pay Gap" und "Bereinigter Gender Pay Gap". Letzterer liegt dieses Jahr in Deutschland bei 6% und vergleicht gleichausgebildete Personen, welche den gleichen Titel führen. Die unbereinigte Lohnlücke nimmt keine Rücksicht auf Stellung, Ausbildung und Co.
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Der Pay Gap im Social Impact Sektor

Wie gerne würden wir jetzt an dieser Stelle schreiben, dass die Situation im sich so engagierenden und Ungerechtigkeiten aufzeigenden deutschen Social Impact Sektor anders ist, aber leider entspricht dies nicht der Realität. Laut dem Gehaltsreport von tbd* für den sozialen und nachhaltigen Bereich verdienen Frauen im Durchschnitt 20% weniger als Männer im gleichen Bereich. Der Unterschied wird sogar noch größer, je mehr Berufserfahrung man hat. Mit 15 Jahren Berufserfahrung kann eine Frau von einem Durchschnittsgehalt von 52.000 EUR brutto ausgehen. Ein Mann dagegen von 63.000 EUR.

Der erste Schritt, um diese Ungerechtigkeit aufzuzeigen ist auch der Grund für den Aktionsmonat selber: es muss mehr Bewusstsein für das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen geben.

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