Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Edition F . Originally published in October 2014. 

Krieg, Armut, Hunger – muss ich aktiv werden?

  • Rana Plaza, Bangladesh. Über 1.100 Tote nach dem Einsturz einer Textilfabrik, die für weltbekannte Brands produzierte, die in jeder Einkaufsmeile in Deutschland zu haben sind.
  • Foxconn, China. Mindestens 16 Selbstmorde bei Mitarbeitern in den letzten fünf Jahren, die Smartphones unter anderem für den Marktführer produzierten.
  • Kinderarbeit, Mafia-Verstrickungen und giftiger Pestizideinsatz bei der beliebtesten Bananenmarke Deutschlands.

Das sind nur einige Beispiele und man könnte die Liste unendlich lang erweitern. Fast schon stumpf lese ich solche Beiträge ab und zu in meiner Facebook-Timeline oder am Wochenende im Cafe in der Zeitung und frage mich immer öfter: Welche Verantwortung trage ich, nicht nur als Mensch, sondern speziell als Unternehmensgründer?

Wer trägt die Verantwortung?

Schuld sind doch ganz klar die großen Konzerne, die nur den Shareholder Value optimieren müssen! Ja müssen ... in den USA musste sogar eine neue Gesellschaftsform (b corporation) entstehen, damit sich nachhaltig denkende Unternehmen vor Klagen ihrer Investoren schützen können, falls sie außer dem Shareholder Value noch Rücksicht auf die Interessen anderer Stakeholder nehmen.

Oder eigentlich sind ja die Konsumenten schuld! Ja genau, die Konzerne machen ja eigentlich nur das, was die Konsumenten wollen. Angebot und Nachfrage, lernt man doch schon im ersten BWL-Semester. In Deutschland wollen wir billige Klamotten und bekommen prompt Primark und wir lieben billiges Fleisch und bekommen heiße und fettige Brathähnchen für 2,50 Euro beim Imbiss um die Ecke. Als junges Startup muss ich schauen, dass ich überhaupt am Markt überlebe. Investoren gewinnen, Mitarbeiter anstellen und führen, State-of-the-art-Produkte entwickeln, Kunden gewinnen und vieles mehr.

Dabei noch an Nachhaltigkeit denken, zumal diese ja gar nicht finanzierbar ist, da die Kunden auf Geiz-ist-Geil stehen!?

Sollte man selbst aktiv werden?

Also doch den Klassiker? Scheiß auf fair und nachhaltig. Einfach dein Startup wie gewohnt durchziehen, mit viel Fleiß und Glück ein großes Unternehmen aufbauen und nach einem Mega-Exit sein Gewissen beruhigen in dem man eine Million zur Rettung des Regenwalds spendet?

Zum Glück gibt es auch einige Lichtblicke am Horizont. Zum einen haben wir diese ominöse neue Käuferschaft namens Generation Y oder auch Millenials. Auch wenn ich diese Begriffe langsam nicht mehr hören kann, ist das die nächstgrößte Generation nach den Babyboomern und wird das auch für die nächsten 40 Jahre bleiben. Mit einer geschätzten Kaufkraft von bis zu 200 Milliarden US-Dollar kann sie etwas durch ihr Kaufverhalten verändern, vor allem, weil diese Generation den Konzernen und Main-Stream Medien eher kritisch gegenüber steht und den Impact eines Produkts oder seines Arbeitgebers kennen will. Zusätzlich können Millenials über smarte Kommunkation für Produkte gewonnen werden, ohne gleich eine Super-Bowl-Spot schalten zu müssen – Brain beats Budget. Der explodierende Umsatz von Bio- und Fair-Trade-Produkten sowie unseren geliebten Toms-Schuhen zeigt dies deutlich.

Können Unternehmen Social Impact leisten?

Zum anderen gibt es da Unternehmen wie zum Beispiel Whole Foods Market aus den USA. Ein Aktiennotiertes Unternehmen, 54.000 Mitarbeiter, 12,9 Milliarden US-Dollar Umsatz in den USA. Ein Mammut also, aber trotzdem ein Vorreiter, der zeigt, wie man alle Stakeholder fair behandeln kann. Dazu gehört auch die Umwelt mit all ihren Geschöpfen und die Initiative Conscious Capitalism. Auch Patagonia oder Innocent Smoothies zeigen, dass sowohl Fairness als auch Nachhaltigkeit durchaus einen Markt finden.

Was bedeutet das aber jetzt für junge Unternehmer? Keine Ahnung, aber frei nach Ghandis „Be the change you want to see in the world“ werde ich es einfach mal probieren mit einem überschaubaren Produkt: Dem Kondom. Mit meinem Mitgründer Philip werden wir die gesamte Wertschöpfungskette auf Fairness und Nachhaltigkeit prüfen und notfalls entsprechend korrigieren. Diese Transparenz und Nachverfolgbarkeit wird einfach an die Generation Y als Hauptkäuferschaft weitergegeben. Weiterhin werden wir den etwas verstaubten Kondommarkt mit ein paar Überraschungen aufmischen, und dann mal sehen, was passiert. Um den Versuch noch etwas spannender zu machen, erklären wir jedem interessierten Investor, dass wir nach einer bestimmten Wachstumsphase 50 Prozent der Profite zurück wieder investieren werden, zum Beispiel nachhaltigen Kautschukanbau, faire Arbeitsbedingungen oder Sexualaufklärung für Jugendliche.

Mein Selbstversuch geht weiter.