ursprünglich erschienen: 08.04.2015

In unserem heutigen Interview dreht sich alles um den sauberen Storm von Polarstern. Wir sprachen mit Gründer Florian Henle über die Zukunft von erneuerbarer Energien und was jede einzelne Person machen kann, um Energie zu sparen...

Was war Deine persönliche Motivation dahinter Polarstern zu gründen?

Ich wollte mit meiner Zeit etwas Sinnvolles machen, das unsere Zukunft prägt, etwas hinter dem ich stehe und das mich interessiert. Ich bin kein Konzernmensch. Ich bin ungeduldig und will direkt etwas bewegen und gestalten. Diese Möglichkeit habe ich heute mit Polarstern. Aber nicht nur ich. Mit Polarstern bieten wir, ich und meine beiden Mitgründer Jakob und Simon, jedem Haushalt und Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit, zu wirklich ehrlichem Ökostrom und Ökogas zu wechseln und so ganz bewusst aktiv und einfach die Energiewende zu unterstützen.

Was macht Polarstern anders als andere Anbieter? 

Ehrlichkeit. Wir machen keine halben Sachen. Wir setzen sowohl beim Strom als auch beim Gas komplett auf erneuerbaren Energien. Damit sind wir in Deutschland der erste und bisher einzige Energieversorger. Gerade beim Gas sind ehrliche Produkte eine Seltenheit. Die meisten haben so genannte Beimischprodukte, bei denen im Schnitt fünf bis 30 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, der Rest ist fossiler Herkunft. Oder es sind Kompensationsprodukte – oft als Klimatarife deklariert – die lediglich den CO2-Ausstoß des Gasverbrauchs kompensieren, aber das Problem nicht an der Wurzel packen. Solche Produkte richten quasi erst Schaden an und versuchen danach, ihn wieder zu reparieren.

Auch bieten wir im Unterschied zu Stadtwerken und anderen Anbietern ausschließlich wirklich glaubwürdigen Ökostrom und Ökogas an. Das ist für uns Glaubwürdigkeit.

Und wir glauben an die weltweite Energiewende. Klima und Umwelt kennen keine Grenzen. Deshalb helfen wir zusätzlich Familien in Entwicklungsländern, ihren eigenen Energiewechsel zu vollziehen und so ihren Lebensstandard zu verbessern, gesünder zu leben und zusammen mit uns unsere gemeinsame Umwelt und Klima zu schonen. Für jeden Kunden unterstützen wir pro Jahr eine Familie – aktuell in Kambodscha – beim Bau ihrer eigenen Mikrobiogasanlage. Statt Holz aus den Wäldern zu holen und auf offenen Feuerstellen in den Hütten und Häusern zu kochen, haben sie Gasherd, Gaslampen und Co. Mit unserem Engagement zeigen wir direkt wirkungsvolle Wege, um die Menschen für die Energiewende zu überzeugen.

Viele würden behaupten, Deutschland sei schon Marktführer in Sachen erneuerbare Energien. Wie siehst Du die weitere Entwicklung (in Deutschland und global) in den nächsten 5, 10 und 20 Jahren? 

Deutschland hat sich international eine starke Position in Sachen erneuerbare Energien aufgebaut, aber das Bild verblasst immer stärker. Die Politik ruht sich auf den alten Lorbeeren aus. Konzepte wie beispielsweise das EEG werden nicht konsequent marktorientiert weiterentwickelt. Dabei ist das der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben schließlich keine 5-Jahrespläne wie im Sozialismus. Das muss schneller und flexibler gehen.

Die weltweite Energiewende findet heute hier und weltweit vor allem im Kleinen statt. Die private Wirtschaft ist gefordert, Angebote zu präsentieren und die Energiewende von unten voranzutreiben. Das setzt auch die Politik wieder stärker unter Druck. Einer der Haupttreiber sind soziale Unternehmen wie wir bei Polarstern. Das heißt Unternehmen, die handeln und anpacken und dabei nicht ausschließlich auf den Profit schauen, sondern auf die gesellschaftliche Herausforderung. Nur mit funktionierenden und attraktiven Angeboten rund um erneuerbare Energien ist die Energiewende möglich. Die Energiewende braucht die Menschen. Sie sind die Basis für eine Veränderung. Ich beobachte einen wachsenden Druck vom Markt – nicht lautstark wie zu Zeiten der Umweltbewegung in den 70er Jahren, sondern durch Angebote seitens der Wirtschaft und das Verhalten der Menschen. "Wir brauchen idealistische Realisten."

Was sind die 3 wichtigsten Sachen, Deiner Meinung nach, die jeder Einzelne machen kann, um gegen den Klimawandel zu kämpfen.

Einfach bewusst leben. Indem wir uns bewusst für etwas entscheiden, bewusst etwas tun, beschäftigen wir uns automatisch mit den dahinter liegenden Fragen. Wir schaden dem Klima vor allem durch unser unbewusstes Verhalten – d. h. wenn wir automatisch das Auto nehmen anstatt Fahrrad, Bus oder U-Bahn zu fahren oder die Heizung aufgedreht lassen auch wenn wir tagsüber weg sind.

Der zweite wichtige Punkt ist, selbst anzupacken. Sich nicht hinter Akteuren verstecken, die mehr bewirken könn(t)en. Jeder der Energie spart, schont das Klima – direkt durch den eingesparten CO2-Ausstoß. Aber auch indirekt, indem er mit seinem Handeln andere motiviert, dasselbe zu tun bzw. durch seine Wahl ein Zeichen setzt.

Und ganz wichtig: Dort anfangen, wo es zum eigenen Lebensstil passt. Eine Energie-Diät, bei der man für ein paar Wochen komplett Energiebewusst lebt und dann wieder den „Energiefressattacken“ unterliegt, bringt nichts. Lieber das machen, was sich für einen gut und sinnvoll anfühlt und der Rest kommt dann meistens von ganz allein. Ich selbst berücksichtige beispielsweise längst nicht alle möglichen Energiesparmaßnahmen, aber von Jahr zu Jahr werden es mehr – ohne, dass ich mir das vornehme. Sie kommen einfach dazu, weil ich bewusster mit Energie umgehe.

Was ist ein erfolgreiches Social Business für Dich? 

Zuallererst: Social Business ist ein Business. Um wirklich etwas zu bewegen, muss ich ein tragfähiges Geschäftsmodell haben – jenseits von Probono, Subventionen und freiwilligem Engagement. Social Business hat einen gesellschaftlichen Unternehmenszweck, der wirtschaftlich funktionieren muss. Ziel eines Social Business muss es sein, immer größere Kreise zu ziehen und zu wachsen und so sein Engagement auszubauen. Ziel ist und bleibt, eine größtmögliche Wirkung zu erzielen. Dazu sind auch Partnerschaften sinnvoll, um die Reichweite zu vergrößern. Die oberste Prämisse muss bei allen geschäftlichen Entscheidungen jedoch das gesellschaftliche Unternehmensziel bleiben – im Fall von Polarstern ist es, dass wir uns glaubwürdig für die weltweite Energiewende einsetzen und so mit Energie die Welt verändern.

In jedem Sektor gibt es Aufs und Abs. Was war bis jetzt Dein persönlich größter Erfolg? Gab es auch Rückschläge?

Es kommt drauf an, wie man mit Misserfolgen umgeht. Wir hatten beispielsweise am Anfang gar nicht vor, selbst ein Energieversorger zu gründen. Wir wollten vielmehr etablierten Energieversorgern helfen, ein wirklich glaubwürdiges 100 Prozent Ökogasprodukt auf den Markt zu bringen – aber die lehnten ab. Für sie war das – wohlgemerkt vor zwei Jahren – noch ‚Zukunftsmusik’. Einer sagte zu uns: ‚Wissen Sie, wir gehen mit der Zeit, nicht vor der Zeit.’ In jedem Fall hat uns das zum Glück nicht resignieren lassen, sondern angespornt. Und so wurde aus dem Misserfolg, ein Erfolg im Sinne der Sache. Wir waren gezwungen, für unsere Idee selbst einen Energieversorger zu gründen. Den ersten in Deutschland, der es sowohl beim Ökostrom- als beim Ökogas mit der Energiewende ernst meint und ausschließlich auf 100 Prozent erneuerbare Energien setzt.

Bitte teile die 5 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

1) Handel – und verliere dich nicht wie die Politiker im Diskutieren. Probiere es einfach aus. Das heißt auch, habe den Mut, Fehler zu machen und die Bereitschaft und Offenheit, gegebenenfalls nachzujustieren.

2) Hab’ Spaß – mache etwas, das dir Freude bereitet. Nur dann reißt du andere mit. Die sichtbare Leidenschaft ist deine Stärke – gerade im Social Business.

3) Bleib’ flexibel – Pläne sind wichtig, auch deshalb, um sie immer wieder zu hinterfragen. Oft liegen die größten Chancen im Ungeplanten. Das haben wir selbst wie gesagt schon am Anfang unserer Gründung erfahren.

4) Kommuniziere auf Augenhöhe – ein Social Business braucht flache Hierarchien. Sie stärken das Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters und erleichtern es, gemeinsam das Potenzial auszuschöpfen. Auch nach außen wirkt eine persönliche und direkte Kommunikation überzeugender und reißt andere stärker mit.

5) Verteile klare Kompetenzen – wer als Team ein Unternehmen gründet und führt, der muss sich bei den Zielen und der wesentlichen Strategie ‚grün’ sein. Aber im Arbeitsalltag ist eine klare Aufgabenteilung unausweichlich. Vertrauen und Kommunikation untereinander sind die Voraussetzung

Was macht Dich zu einem Changer?

Als Social Entrepreneur biete ich mit Polarstern jedem Haushalt und Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit, auf Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas umzusteigen und so Umwelt und Klima zu schonen. Ich ermögliche jedem seine persönliche Energiewende.

Danke, Florian! Du kannst auch Polarstern Kunde werden hier!

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