ursprünglich erschienen: 05.06.2015

In Energieeffizienz investieren und an den so erzielten Einsparungen beteiligt werden - das ist die Idee von bettervest. Im Interview verrät uns der Frankfurter bettervest-Gründer Patrick Mijnals, wie das Prinzip funktioniert und welche Motivation dahinter steckt. Außerdem gibt er Tipps, wie man die eigene Idee am besten in die Tat umsetzen kann.

Patrick, was ist bettervest genau und wie funktioniert's?

bettervest ist die weltweit erste Beteiligungsplattform, über die Bürger gemeinschaftlich in Energieeffizienz-Projekte von Unternehmen, Kommunen, Vereinen und Institutionen investieren können. Im Gegenzug werden sie dann an den erzielten Einsparungen beteiligt. Mit unserer Plattform öffnen wir also den Markt der Energieeffizienz und machen ihn für private Anleger zugänglich.

Bevor ein Projekt oder eine bestimmte Maßnahme bei uns an den Start geht, berechnen erfahrene externe Energieberater, welche Kosten- und Energieeinsparungen durch das Projekt zu erwarten sind. Dabei werden nur solche Projekte finanziert, die ökonomisch und ökologisch sinnvoll sind. Auf dieser Basis legen wir von bettervest dann die Kalkulation der Rendite und Projektlaufzeit fest und geben das Projekt auf bettervest.de für Investoren frei.

Nach dem erfolgreichen Funding verpflichten sich unsere Projektinhaber, den Großteil der jährlichen Kosteneinsparungen über einen festgelegten Vertragszeitraum an die Investoren zurückzuzahlen. Und zwar so lange, bis die Investitionssumme plus Rendite ausbezahlt ist. Nach Vertragsende verbleibt dann die Einsparung komplett beim Projektinhaber.

bettervest bietet also sowohl für Projektinhaber als auch für Investoren einen Gewinn: Die Projektinhaber erhalten durch bettervest eine Finanzierung ihrer Energieeffizienz-Maßnahmen wie z.B. Umrüstung auf LED-Beleuchtung, effiziente Heizung etc. Und dass, ohne selbst Kapital zu investieren. Die Crowd wiederum erlangt so Zugang zu einer sinnvollen und rentablen ökologischen Anlage, die nachhaltige Renditen bringt und - je nach Projekt - hilft, viele Tonnen CO² pro Jahr einzusparen.

Warum bietet Ihr auf bettervest.de ausschließlich Projekte an, die auf Energieeffizienz abzielen?

Wir finden zwar auch nachhaltige Energieerzeugung, also erneuerbare Energien wie Solarenergie, Windenergie, Photovoltaik und Wasserkraft super, sind aber überzeugt, dass die Energieeffizienz zur Umsetzung der Energiewende noch viel wichtiger ist und jeder die Möglichkeit haben sollte, dabei zu sein. Und auch alle führenden Experten sind sich einig, dass es mit den erneuerbaren Energien alleine nicht geht und die Effizienz unglaubliche Potenziale bietet.

Allerdings hat Energieeffizienz zwei Probleme: Zum einen wissen viele Menschen und Institutionen überhaupt nichts von den enormen Einsparpotenzialen, die sie haben. Zum anderen sind hohe Anfangsinvestitionen nötig, die sich dann erst mit der Zeit rechnen. Beide Probleme lösen wir mit unserer Crowd-Finanzierung auf bettervest.de.

Was war bisher Euer größter Erfolg?

Jedes abgeschlossene Projekt – und davon haben wir inzwischen 24, die zusammen jährlich 800 Tonnen CO² sparen – ist ein großartiger Erfolg. Und natürlich ist auch jeder bettervest-Unterstützer, ob er nun ein paar Euro investiert oder uns auch nur an eine weitere Person weiterempfiehlt, ein großartiger Erfolg für uns, wofür wir sehr dankbar sind. Deshalb wollen wir nun die Crowd an unseren zukünftigen Erfolgen mit einem Eigen-Crowdfunding direkt teilhaben lassen.

Das klingt nach großer Erfolgsstory. Gab es auf Eurem bisherigen Weg auch besondere Herausforderungen?

Ja, klar, die gab es. Die größte Herausforderung haben wir gerade erst vor Kurzem bewältigt. Denn bis vor ein paar Wochen war nicht klar, ob nicht eine neue Gesetzgebung, das sogenannte Kleinanlegerschutzgesetz, das Geschäftsmodell in Deutschland unmöglich macht. Jetzt haben wir aber endlich Klarheit und wissen, dass wir trotz einiger neuer bürokratischer Auflagen nun unser volles Potenzial entfalten können.

Welche Learnings würdest Du anderen, die ihre eigene Idee in die Tat umsetzen möchten, mit auf den Weg geben?

  1. Du willst etwas verändern? Dann fang erst mal an – egal wo oder wie! (Von der Idee bis zum Anfangen hab ich ungefähr 6 Jahre gebraucht, das geht auch schneller)
  2. Siehe erstens – und jetzt wirklich bitte!
  3. Gib nicht auf, auch wenn es unterwegs hart, entbehrungsreich und manchmal ernüchternd sein kann.
  4. Sprich so früh wie möglich mit so vielen unterschiedlichen Menschen wie möglich über deine Idee und such dir die richtigen Mitstreiter.

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