ursprünglich erschienen: 11.09.2014

Im heutigen Interview dreht sich alles um Bonsum.  Bonsum ist eine Plattform, die Tipps, News, neue Anbieter sowie ausgewählte Produkte rund um das Thema nachhaltiger Einkauf präsentiert und den Kunden mit Bonets dafür belohnen, verantwortungsvoll einzukaufen. Im Interview erzählt uns Michael wie er als zahlengetriebener Mensch dazu gekommen ist in die Nachhaltigkeit zu tauchen, wie er mit Konsum die Welt verbessert und wie er mit zu einem fulminanten Changer werden möchte...

Wolltest Du immer im sozialen Sektor arbeiten? Hast Du auch Erfahrungen in anderen Sektoren gesammelt?

Mit dem Thema verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen und Menschen habe ich mich schon länger beschäftigt, denn falls wir weiterhin so konsumieren wie heutzutage, wird daraus nicht gutes hervorgehen. An der Lösung dieses Problems zu arbeiten, war zwar im Privaten schon ein Fokus - beruflich aber bisher nicht relevant. Ich bin durchaus ein zahlengetriebener Mensch, nach dem Abitur habe ich zunächst BWL und Physik studiert und dann im Finanzsektor in London und bei einem Verlag gearbeitet. Beide Felder waren nicht wirklich meine – über die gesammelten Erfahrungen bin ich dennoch froh und ich freue mich diese Netzwerke und Skills heute für etwas Sinnvolles einsetzen zu können.

Was war die Motivation dahinter Bonsum zu starten?

Die Dinosaurier sahen den Asteroiden damals nicht auf sie zukommen, wir manövrieren uns in dieselbe Situation – jedoch bewusst - dies möchten wir mit Bonsum ändern. Ich kaufe gerne fair hergestellte Produkte ein, meist lohnt sich der Mehrpreis durch die Haltbarkeit und Qualität der Produkte, daneben wird ein Beitrag für die Arbeitsbedingungen und die Umwelt geleistet. Nachhaltige Online-Marktplätze gibt es bereits einige, diese werden aber nur von einem Bruchteil der Bevölkerung genutzt. Der Kerngedanke hinter Bonsum ist, dass wir Nutzern – neben dem einfachen Weg zum nachhaltigen Produkt – auch etwas zurückgeben. Ich denke Kunden brauchen für alles nur die richtige Motivation. Die Schreckensszenarien des drohenden Klimawandels und wachsende Müllberge scheinen für viele nicht Motivation genug zu sein. Daher belohnen wir unsere Konsumenten kostenlos für verantwortungsvolles Einkaufen und möchten dieses zu einem positiven Erlebnis machen. Das unsere Nutzer nach ihrem Einkauf mit den gesammelten Bonets außerdem noch einen Baum pflanzen oder etwas spenden können, verstärkt diesen Effekt noch. Das soll helfen alte Gewohnheiten abzulegen und Konsum in eine gute Richtung zu lenken. Die in Europa weit verbreitetete Idee des Konsumverzichts ist dabei auf einem globalem Maßstab keine wirkliche Alternative, ebenso stellt Konsum einen essentiellen Teil unseres Wirtschaftssystems dar, auf den wir nicht verzichten können und sollten – der Begriff ist aber negativ belegt. Dies möchten wir ändern und mit Bonsum einen Richtungswechsel anstoßen.

In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt der größte Erfolg von Bonsum?

Ein toller Erfolg ist sicherlich, dass social impact start, ein Programm zur Unterstützung sozial-innovativer Startups, unsere Idee unterstützt. Zudem ist die positive Resonanz unserer Kunden überwältigend. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, einen Bedarf decken, der vorhanden ist. Daneben sind wir natürlich noch sehr jung und ganz am Anfang, am meisten freut es mich daher, dass unsere Nutzer in den ersten 6 Wochen bereits 3 Bäume über Bonsum gepflanzt haben. Ich hoffe wir schaffen hier im ersten Jahr einen kleinen Wald, generiert aus nachhaltigem Konsum.

Bitte teile auch die 5 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

1) Jedes Projekt ist natürlich anders, aber ich denke man solle sich immer klar der Realität stellen und das Produkt/Dienstleistung ständig verbessern, am besten unter Einbezug der Nutzer. In jedem Fall empfehle ich die:

2) Aktive Kommunikation mit Usern. So gab es bei uns beispielsweise einen Sportartikelhersteller im Angebot, der im Vergleich zum Wettbewerb zwar als nachhaltig gilt, von unseren Kunden aber nicht angenommen wurde. Wir haben den Hersteller wieder aus unserem Angebot entfernt und binden unsere Kunden seit dem in die finale Entscheidung, ob ein Shop zu unserer Plattform passt oder nicht mit ein. Auch im Branding mussten wir schon einiges dazulernen, da vor allem der Begriff Nachhaltigkeit mittlerweile extrem verwaschen wird. Auf unserer Facebook-Seite haben wir mitunter sehr lebhafte Diskussionen, beispielsweise ob Konsum überhaupt „gut“ sein kann. Wir schätzen diesen Austausch sehr und freuen uns natürlich insbesondere, wenn unsere Argumente überzeugen können.

3) Aktiver Austausch mit anderen Gründern. Am Anfang war ich mit meiner Idee etwas zu paranoid und dachte jeder Austausch führt zu einer Kopie von Bonsum, rückblickend betrachtet kann ich einen regen Austausch mit anderen Projekten und Start-Ups von Anfang an und den Besuch von passenden Events nur empfehlen.

4) Das bedeutet aber nicht nur Worte. Dinge anzupacken und umzusetzen finde ich extrem wichtig, ohne dies bleibt das Projekt zu hoher Wahrscheinlichkeit nichts anderes als heiße Luft - und davon gibt es sowohl in der Start-Up Szene schon mehr als genug. Auch wenn die ersten Gehversuche z.B. vom Design oder Features meist recht peinlich sind, so gibt es ein großes Glücksgefühl Ideen endlich greifbar umzusetzen.

5) Volle Transparenz und damit einhergehend auch die Fähigkeit, sich Kritik zu stellen sowie die Schuld nicht bei anderen Stakeholdern zu suchen, empfehle ich jedem.

Was ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Sozialunternehmen und warum?

Wir als Konsumenten sind heute sehr kritisch – nicht zuletzt wegen des inflationären Gebrauchs des Begriffs Nachhaltigkeit sowie Skandalen zu Qualität und Herstellung von Bio Produkten – deshalb bin ich der Überzeugung, dass ein Sozialunternehmen nur erfolgreich sein kann, wenn es ehrlich und transparent die Werte der Konsumenten vertritt.

Dazu zähle ich neben ethischer Verantwortung auch, dass diese tatsächlich gelebt wird. Ein Unternehmen, das faire Arbeitsbedingungen, beispielsweise für Lieferanten oder Drittanbieter, in den Fokus stellt, sollte darauf natürlich auch beim eigenen Wirtschaften achten und z.B. kein Geld für Lobbygruppen ausgeben, die regulatorisches Greenwashing betreiben. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, dürfen Sozialunternehmer neben der ethischen Verantwortung aber auch ökonomisches Handeln nicht vergessen. Nur wer sich am Markt auch behaupten kann, kann langfristig etwas bewegen und auch Arbeitsplätze schaffen. Ein Unternehmen, dem das in meinen Augen besonders gut gelungen ist unser Partner GEPA.

Was macht Dich zu einem Changer?

Im Epizentrum der Datenanalyse – Bonusprogrammen - nicht einmal Google zu verwenden, Nutzerdaten nicht zu kommerzialisieren, User und Konsumenten nicht zu belehren sondern zu motivieren, zu belohnen und damit Konsum in eine bessere Richtung zu lenken, dass macht mich zum Changer.

Ich habe Bonsum auch gegründet, weil ich selbst noch viel an meinem Einkaufverhalten ändern muss. Ich bin also erst noch auf dem Weg ein fulminanter Changer zu werden und freue mich, diesen Weg zusammen mit unzähligen Nutzern gemeinsam zu gehen. Damit das gelingt, möchten wir mit Bonsum nicht zum großen Verzicht aufrufen – uns ist es wichtig, jeden Einzelnen dazu zu bewegen, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen und sich seines Impacts bewusst zu werden. Die Art und Weise Einzukaufen befindet sich in einem gravierenden Wandel. Der Weg den wir heute einschlagen, wird bestimmen wie unsere Umwelt, Ressourcen und Beziehung zu anderen Menschen in Zukunft aussehen werden, diesen Weg möchten wir begleiten und mit Bonsum in eine transparente, ehrliche und nachhaltige Richtung lenken.