ursprünglich erschienen: 13.06.2014

Als Teil unserer Interviewserie mit inspirierenden sozialen oder grünen Innovatoren, sprachen wir mit Philipp Knodel, Mitgründer des diesjähirgen Act for Impact Siegers App Camps. App Camps ist ein ganz neues Projekt, welches Kindern und Jugendlichen den Einstieg in "Coding" spielerisch ermöglichen soll. In unserem Interview beschreibt er, wie die Idee zu App Camps entstand,  wie er selbst zum Social Entrepreneur geworden ist und was dank dem Act for Impact Preis nun möglich sein wird...

Lieber Philipp, Ihr habt am Dienstag das Act4Impact Finale gewonnen- Herzlichsten Glückwunsch! Wie fühlt es sich an eine solche Auszeichnung zu bekommen?

Vielen Dank für die Glückwünsche! Wir freuen uns total über den 1. Platz beim Act for Impact Wettbewerb der Social Entrepreneurship Akademie und der Vodafone Stiftung Deutschland. Dieses Jahr haben wieder sehr viele tolle und spannende Projekte mitgemacht. Es hat fast eine Woche gedauert bis wir begriffen haben, was wir da geschafft haben und was das für unsere Idee bedeuten kann.

Wolltest Du immer im sozialen/grünen Sektor arbeiten? Hast Du auch Erfahrungen in anderen Sektoren gesammelt?

Ich bin eher über Umwege zum Social Entrepreneur geworden. Die letzten Jahre habe ich in der Wissenschaft gearbeitet und zu internationaler Bildungspolitik geforscht. Wenn man sich aus wissenschaftlicher Sicht mit Internationalisierung von Bildungspolitik, Liberalisierung und Wettbewerb im Sekundar- und Hochschulbereich beschäftigt, findet man auf sehr viel Ungerechtigkeit in Bildungssystemen. Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern sind viele Jugendliche vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen. Als Wissenschaftler habe ich diese Probleme erforscht, versucht sie zu verstehen und Lösungen zu finden. Trotzdem hat mir oft der praktische Bezug gefehlt - man hat als Forscher doch eine sehr große Distanz.

Was war die Motivation dahinter App Camps zu starten?

Während der Elternzeit waren Diana (meine Frau und Co-Founderin App Camps) ein paar Monate in San Francisco und im Silicon Valley. Mit unserem Baby Oskar im Gepäck sind wir in die Startup-Szene dort eingetaucht. Ich habe angefangen zu programmieren und war sofort begeistert. Dabei habe ich gesehen, was für kreative Dinge man bereits mit geringen Programmierkenntnissen machen kann. Und vor allem, welche beruflichen Perspektiven sich damit ergeben können. Als Wissenschaftler, der sich auch mit fehlender Chancengerechtigkeit in der Bildung beschäftigt, habe ich darin eine große Chance gesehen.

Zurück in Hamburg haben wir das erste App Summer Camp organisiert und 15 Schülerinnen in 4 Tagen gezeigt, wie sie selbst Apps für Smartphones entwickeln können. Das App Summer Camp war ein toller Erfolg und wir haben danach immer wieder ähnliche Veranstaltungen organisiert. Wir wollen mit App Camps Schülern zeigen, wie viel Spaß programmieren macht. Da Informatik an vielen Schulen eine geringe Rolle spielt, haben die meisten Jugendlichen keine Möglichkeit, diesen spannenden Bereich kennen zu lernen. Mit App Camps wollen wir allen Schülern diesen Zugang ermöglichen und gerade sozial benachteiligten Schülern sozialen Aufstieg ermöglichen.

Was sind die ersten Schritte, die ihr jetzt mit der Finanzierung gehen werdet?

Mit dem Act for Impact Förderpreis der Social Entrepreneurship Akademie wollen viel mehr Schüler erreichen. Dazu werden wir eine Online-Lernplattform entwickeln, mit der Lehrer selbst ganz einfach Kurse anbieten können. Ich kann jetzt deutlich mehr Zeit in die Konzeption der Plattform investieren. Ohne Finanzierung hätten wir das auch hinbekommen, allerdings vermutlich deutlich langsamer.

Was würdest Du anderen raten, die bereits eine innovative Idee haben, sich aber vielleicht noch nicht trauen den Schritt Richtung Durchführung zu wagen?

An seine Idee zu glauben ist wichtig. Und geduldig sein, nicht gleich drei Schritte auf einmal machen wollen. Wir haben mit einem einzigen Kurs gestartet, und haben nach und nach unsere Materialien verbessert. Dann kam der Act for Impact Wettbewerb. Auch die Online-Plattform wollen wir “lean” entwickeln, und immer wieder die gemachten Schritte hinterfragen und anpassen.

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