ursprünglich erschienen: 23.08.2016

Dein Wanderrucksack kann keine Leben retten? Anders der LifeShift Sterilizer: er ist das erste autarke Medizingerät, das nur mit Hilfe der Sonne keimfreies Operieren ermöglicht. Und das auf jedem noch so entlegenen Fleck der Erde…

Ob es wohl das iPhone war, das Martin Reh seinem Vater vor acht Jahren in die Hand drückte? Jedenfalls wusste dieser damals nicht allzu viel damit anzufangen. „Er hat immer nur reingerufen“, erzählt der Mitgründer von LifeShift. Was nicht gerade für die intuitive Bedienbarkeit des Smartphones für alle Generationen spricht.

Martin möchte sein Produkt anders gestalten. Einfacher zu bedienen. Für alle verständich. Zwar lässt der Name des Produkts allein nicht gleich auf die geniale Idee dahinter schließen, doch wer vor der Erfindung der drei Sozialunternehmer aus Kassel steht, soll auf jeden Fall wissen, was zu tun ist. Schließlich wollen die Gründer, die sich im Studium kennengelernt haben, dass ihre Idee auch in den entlegensten Regionen der Erde eingesetzt werden kann.

Was die Technologie betrifft, sind sie schon einmal auf der sicheren Seite. Der LifeShift Sterilizer reinigt, desinfiziert und sterilisiert Operationsbesteck – und zwar nur mit Hilfe von Solarenergie. So kann den 1,4 Milliarden Menschen in Afrika und Asien, die ohne Zugang zu Strom leben, eine bessere und sichere Gesundheitsversorgung ermöglicht werden.

Doch wie soll der LifeShift Sterilizer an diese Orte kommen? Auch dafür haben die drei Gründer eine Lösung parat: den solarbetriebenen Sterilizer kann man sich ganz einfach auf den Rücken schnallen und damit auch in ländliche Entwicklungsregionen gelangen, die nicht mit Strom und fließendem Wasser versorgt sind.

Natürlich könne man das Gerät im Prinzip genauso in Flüchtlingscamps einsetzen. „Wobei man sich genauso fragen muss: warum flüchten die Leute?“, sagt Martin. Oft läge das mitunter an der katastrophalen medizinischen Versorgung. „Man muss die Probleme vor Ort lösen, damit die Leute gar nicht erst flüchten müssen“, sagt der Gründer. 

Ein Rucksack, der die Welt rettet – die Idee dafür sei den Studenten eher zufällig gekommen, erzählt Martin. Seine Mitgründer Raphael und Philipp seien selbst in Namibia und auf den Kapverden gewesen und haben die medizinische Versorgung vor Ort mitbekommen. „Wahrscheinlich hätte es unsere Idee ohne die Afrikaaufenthalte der Jungs nie gegeben“, sagt Martin, „so haben wir zusammengefunden.“

„Wir haben entdeckt, wie man mit technischen Lösungen etwas verändern kann“, sagt der frühere Student der Wirtschaftswissenschaften, „das gibt uns die Energie unsere Idee zu verwirklichen.“

Über die Crowdfunding Plattform Startnext haben die Gründer nun schon zwei Mal bewiesen, dass nicht nur sie sich von ihrer Idee überzeugt sind. Durch die erste Kampagne konnten die drei Gründer den Bau eines Prototypen finanzieren. Und auch die zweite Kampagne von LifeShift, die von der Social Entrepreneurship Akademie kuratiert wurde, lief erfolgreich. „Die Zusammenarbeit mit der Social Entrepreneurship Akademie hat auf jeden Fall zu unserem Erfolg beigetragen“, sagt Martin. „Man braucht Leute, die Erfahrung haben. Und die einem eine externe Sicht geben können. Man hat immer eine gewisse Betriebsblindheit“, sagt Martin. „Das ist ganz normal. Aber das ist ja auch das Schöne: kein Mensch ist frei von Fehlern. Und wenn jemand einen konstruktiv auf Dinge hinweist, ist das die tollste Erkenntnis, die man haben kann.“

Genau um diesen „Mehrwert für die Gesellschaft und das ganze Vorhaben“ geht es LifeShift auch bei ihrer Reise im Herbst. Denn dann werden die Gründer sich mit ihrem Prototypen nach Kenia und Uganda aufmachen, um zu sehen, wie die Menschen vor Ort mit ihrem Gerät interagieren. „Es geht darum zu sehen, was passiert, wenn der Nutzer auf unser Gerät trifft“, sagt Martin. Die Piktogramme müssten überprüft werden, die Displays dürften die Leute vor Ort nicht überfordern.

Anders als das Smartphone von Martins Vater.

Der LifeShift Sterilizer müsse optimal an die Bedürfnisse der Menschen vor Ort angepasst sein, sagt Martin. Schon eine kurze Anweisung sollte ausreichen, um das Gerät richtig bedienen zu können.

„Durch das Entdecken von Fehlern wird man eigentlich nur auf Möglichkeiten aufmerksam, um Probleme zu lösen“, sagt Martin. „Leute, die einem nur auf die Schulter klopfen, bringen einen nicht weiter“, sagt der Gründer. „Doch dafür muss man auch zuhören und die externe Sicht zulassen können.“

Ob Steve Jobs sich wohl einmal mit Martins Vater unterhalten hat?

Interview mit Anne Dörner, verantwortlich für die Gründungsförderung der Social Entrepreneurship Akademie:

Seit wann kennen sich LifeShift und die Social Entrepreneurship Akademie?

Beim Wettbewerb GENERATION-D im Jahr 2012 pitchte ein Team mit einer innovativen Idee zur Entsalzung von Meerwasser. Ich saß damals mit in der Jury und staunte nicht schlecht über das, was sie mir dann beim Abendessen erzählten… 

Was war das Besondere an der Begleitung von LifeShift?

Als Ingenieurin neige ich dazu bei technischen Dingen genauer nachzufragen. Ich wollte im Detail verstehen, was das Besondere an diesem Lösungsansatz war. Martin beschrieb nur im Nebensatz, dass die ganze Technik dahinter so klein ist, dass sie in einen Rucksack passt. Und er hat auch erzählt, dass sie anfangs mit dem Gedanken gespielt haben ihre zweite Idee zu pitchen – die jedoch zu abwegig und verrückt wäre: ein Rucksack, der in abgelegenen Regionen zur medizinischen Erstversorgung eingesetzt werden kann. Damals hieß das Team daher noch „Rucksackspende“.

Wo ist das verrückt? Das ist grandios! Es hat mich das gesamte Abendessen gekostet Martin davon zu überzeugen, seine ganze Energie in diese Idee zu stecken. Mit der „Kill your darling“ Methode mache ich mich als Beraterin manchmal ganz schön unbeliebt. Aber ich war einfach so begeistert von der Idee – das hat Martin wohl am Ende überzeugt.

Und wer hätte damals gedacht, dass aus den Jungs ein Unternehmen mit acht festen Mitarbeitern und eigenen Fertigungsräumen mitten in Kassel wird?

Wie kann ich Kontakt zu LifeShift aufnehmen?

Am besten über ihre Webseite oder bei facebook

 

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