ursprünglich erschienen: 21.07.2016

Teil eines Social Startup Inkubators zu sein, hat für die Unternehmensgründer den großen Vorteil der Community und des Peer-to-Peer-Learnings. Jeder Inkubator und Co-Working Space legt viel Wert darauf, regelmäßig interne und externe Events zu organisieren, um eine aktive Community aufzubauen und den Startups möglichst viele Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten. Doch die eigene Vernetzung mit anderen Social Entrepreneurship Inkubatoren kommt da oft zu kurz. Dabei  können auch die Inkubatoren so viel voneinander lernen.

5 Gründe warum Social Startup Inkubatoren sich mehr vernetzen sollten:

  1. Um gemeinsam die Themen Social Innovation und Social Entrepreneurship voranzubringen und sich mit größerer Tragweite in Wirtschaft, Politik und Bildung zu positionieren.  

  2. Um Rahmenbedingungen zu verbessern und sich gemeinsam stark zu machen, um z.B. die Finanzierungsinstrumente für die Unterstützungsangebote zu verbessern.  

  3. Voneinander lernen und zwar von den guten, als auch den negativen Erfahrungen.
  4. Gemeinsam Formate entwickeln, die der gemeinsamen Zielgruppe zugutekommen und den internationalen Austausch auf verschiedenen Ebenen vorantreiben. Denkbar sind Austauschprogramme oder mehrtägige Bootcamps für Startups, internationale Konferenzen oder Workshops, Aufbau eines Social Business Angel Netzwerks oder eines Social Finance Fonds, etc. 
  5. Ein Netzwerk aufbauen, dass den Startups die Möglichkeit gibt international zu skalieren und Ressourcen vor Ort nutzen zu können. Dabei soll vor allem ein gemeinsamer Qualitätsstandard festgelegt werden und durch langfristige Kooperationen und Austausch Vertrauen aufgebaut werden, sodass die Social Startups der einzelnen Inkubatoren überall an kompetente Ansprechpartner vermittelt werden können.

Diese Vorteile der Vernetzung hat man im Alltag wahrscheinlich im Hinterkopf und setzt dazu 1-2 To-Dos auf, wenn das Thema strategische Positionierung und Vernetzung mal wieder auf der Agenda stand. Doch im Alltagsgeschäft gehen die Bestrebungen oft unter und haben selten eine hohe Priorität. Zumeist hat man dann auch eher die regionalen bzw. deutschlandweiten Mitstreiter im Blick und seltener die internationalen Akteure. Aber ein Blick über Deutschland hinaus und sogar über Europa hinaus lohnt sich, wie wir im Social Impact Lab Leipzig während eines 3-tägigen Workshop mit anderen Inkubatoren aus Tunesien, Ägypten und Marokko lernen durften.

Mit den Social Startup Inkubatoren Cogite (Tunis, Tunesien), Yunus Social Business (Tunis, Tunesien), Moroccan CISE (Rabatt, Marokko), le comptoir de l´innovation (Casablanca, Marokko) und Ibtikar Khana (Kairo, Ägypten) haben wir uns über Themen wie Social Impact Measurement, wirtschaftliche Nachhaltigkeit von Inkubatoren, Prozess- und Organisationsentwicklung sowie internationale Kooperationsmöglichkeiten ausgetauscht und mit Dr. Andreas Rickert, Geschäftsführer Phineo, die Bedeutung von sozialer Wirkungsorientierung diskutiert.

Außerdem gab Arthur Steiner, von Hivos International, der Einblicke in seine Arbeit aus dem Aufbau von Co-Working Spaces im Nahen Osten gab, weitere Denkanstöße, als er die zunehmende Bedeutung des Zusammenspiels von Standorten und Mobilität thematisierte. Er plädiert darauf, dass sich Inkubatoren im Allgemeinen nicht nur in den großen Städten ansiedeln sollen, wo ohnehin die Entwicklung schneller voran geht und es mehr Unterstützungen gibt, sondern auch Strategien finden sollten, um in kleinere Einzugsgebiete zu skalieren. Auch hier ist das Stichwort Vernetzung und Kooperation (wichtig? Relevant? Von Bedeutung?). Nur so können nachhaltige und flächendeckende Unterstützungsstrukturen aufgebaut werden, die für alle zugänglich sind und nicht nur für Menschen, die in urbanen Hotspots Leben.  

Inkubatoren und Acceleratoren speziell für Social Entrepreneurship haben sich erst in den letzten Jahren langsam entwickelt und sind weltweit eher noch in der Aufbau- und Experimentierphase. Trotzdem gibt es schon sehr viel Know-How, welches ausgetauscht werden kann.

Während das Social Impact Lab in Leipzig bereits zwei Jahre am Standort arbeitet und Teil einer größeren und etablierten Organisation und eines größeren deutschlandweiten Netzwerks ist, entwickeln die Partner aus Ägypten noch das Konzept für den in diesem Jahr zu realisierenden Social Startup Inkubator. In Tunesien musste zunächst das Konzept Co-Working etabliert werden, bevor ein Social Startup Inkubator an den Start gehen kann. Daran haben die Gründer des Coworking Spaces Cogite in Tunis die letzten Jahre gearbeitet und konnten mit der Förderung von Drosos nun in ein neues Gebäude umziehen, dass ihnen 900 qm bietet, um „Doer“ zusammenzubringen. Die Vergrößerung hat auch den ersten Social Startup Accelerator Tunesiens angezogen. Seit diesem Jahr hat  Yunus Social Business einen festen Sitz im Coworking Space Cogite und hat sich so direkt im Herzen der Startup Szene Tunesiens niedergelassen.

In der ersten Bewerbungsrunde für das Accelerator Programm bekam das Team 2000 Bewerbungen. Das unterstreicht den enormen Bedarf des Landes nach Unterstützung für Social Startups und wie viele engagierte Sozialunternehmer es bereits gibt. Nicht nur in Tunesien, auch in Marokko und Deutschland hat sich vor allem im letzten Jahr viel getan, um Startups zu unterstützen, die primär einen gesellschaftlichen Mehrwert leisten wollen.

Der Stand der Entwicklung des jeweiligen Inkubators war für den Austausch nicht von Nachteil - im Gegenteil. So konnten Erfahrungen ausgetauscht, Prozessschritte erklärt und Qualitätsstandards übernommen und hinterfragt werden. Besonders im Social Entrepreneurship Bereich ist der große Vorteil eines guten Netzwerks, die Motivation, Begeisterung und das Engagement der einzelnen Akteure zu spüren und sich regelmäßig über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. Denn zu merken, dass man gemeinsam an etwas Gutem – an nachhaltigen Veränderungen überall auf der Welt – arbeitet, ist ein großer Ansporn für die eigene Arbeit.