ursprünglich erschienen: 10.04.2015

In unserer Interviewserie sprachen wir mit "10 Milliarden- werden wir alle satt" Regisseur, Bestsellerautor und Food-Fighter Valentin Thurn. Im Film hinterfragt er woher Nahrung für die bald 10 Milliarden Menschen kommen kann. Auf nachhaltigen oder industriellen Wegen. Aus dem Labor oder von der Biofarm. Von Nahrungsmittelspekulanten oder Hobbygärtnern. Wir haben ihn gefragt, was jeder Einzelne von uns tun kann und wie er sich selbst ernährt.

Eine ganz persönlich Frage, wie ernährst Du Dich?

Ich habe vor 2 Jahren in Frankreich die Idee der Food Assemblys entdeckt und denen gesagt sie sollen doch bitte ihre Idee nach Deutschland exportieren. Eine Food Assembly ist wie ein Hofladen 2.0. Man bestellt einmal pro Woche seine Lebensmittel über die Homepage bei der Food Assembly in seiner Nähe, d.h. bei regionalen Bauern und Erzeugern aus dem Umland und holt diese dann in der Food Assembly ab. Dort kann man auch mal ein Schwätzchen mit dem Bauern halten, der gerade seine frischen Produkte anliefert.

Ich habe also regionale, gesunde Lebensmittel mit dem gleichen Aufwand wie wenn ich in den Supermarkt an der Ecke gehe.

Was war Deine Motivation dahinter diesen Film zu drehen?

Die Gesprächen und Diskussionen im Zuge meines Films "Taste The Waste" begannen immer beim Mindesthaltbarkeitsdatum und endete beim Thema Welthunger.

Die Leute wollen wissen wo sie in dem großen System Welternährung stehen, ob es was bringt wenn sie auf regionale Lebensmittel in Bioqualität achten. So habe ich den Film über die zukünftige Welternährung als Auftrag gesehen und in diese Richtung angefangen zu recherchieren.

Welche Länder und Völker leiden bereits jetzt unter der Ressourcenknappheit?

Wir in Deutschland haben damit auch schon zu kämpfen. Die Bodenfruchtbarkeit in Deutschland nimmt immer weiter ab, dadurch wird mehr immer mehr Dünger benutzt, der Boden übersäuert. In einem Kubikmeter gesundem Boden leben übrigens circa 10 Milliarden Mikroorganismen.
Ansonsten ist Wassermangel ein fast schon globales Problem, von dem wir in Deutschland noch weitgehend verschont geblieben sind.

Außerdem schrumpfen die globalen Ackerflächen weil die Städte immer weiter wachsen und fruchtbaren Boden versiegeln. Die Ausbreitung von Wüsten ist ebenfalls ein Problem.
Der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum und Abholzung tuen ihr Übriges.

Was sind die beeindruckendsten Innovationen, die Du in Deiner Recherche entdeckt hast?

Am meisten haben mich die Lösungsansätze beeindruckt, die ohne externe Betriebsmittel auskommen. Das heißt eigene Saatgut, eigenes Viehfutter, eigenen Dünger herstellen.
Eine Bäuerin in Malawi zum Beispiel hat sich komplett von Zulieferern abgekoppelt, ist unabhängig. Ihre Erträge sind dadurch stabiler geworden. Sie kann sich und ihre Familie nun selbst versorgen und den Überschuss auf dem Markt verkaufen.

Fleisch in der Petrischale herstellen ist natürlich auch eine beeindruckende Idee, ist aber ehrlich gesagt einfach zu weit weg von mir.

Was kann der Einzelne tun, um einer solchen Katastrophe vorzubeugen?

Think global eat local. Möglichst direkt beim Erzeugern kaufen.

Wir sollten unsere Lebensmittel wieder als etwas Wertvolles sehen. Wir sollten uns dafür interessieren was wir essen, wie diese Lebensmittel wo unter welchen Bedingungen erzeugt worden sind. So werden wir bereit sein unsere Lebensqualität zu erhöhen und mehr Geld auszugeben für gute Lebensmittel aus gutem Anbau vom Bauern in der Nähe. Auch die enorme Lebensmittelverschwendung wird dadurch abnehmen. Ich sehe die Wahl des Essens als einen politischen Akt zu dem wir uns entscheiden können.

Was macht Dich zum Changer?

Ich möchte mir die Probleme dieser Zeit nicht vom negativen her betrachten, sondern schaue welche Lösungsansätze es bereits gibt. Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, was heute gefragt ist, ist lösungsorientiertes Denken.

In dem Buch "Harte Kost", dass ich zusammen mit Stefan Kreutzberger geschrieben habe und das sozusagen das Buch zum Film ist, werde alle Lösungsansätze und Zusammenhänge auch nochmal detailierter als im Film zusammengefasst.

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