'Deutscher Integrationspreis' startet ohne größte Jobplattform für Geflüchtete

40 Initiativen der Flüchtlingshilfe treten auf Startnext gegeneinander an. Workeer sieht das kritisch.

by Elias Schneider, March 23, 2017

Seit gestern ist das Rennen um den Deutschen Integrationspreis, vergeben durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, gestartet. 40 Initiativen der Flüchtlingshilfe treten in der ersten Runde in einem Crowdfunding Contest gegeneinander an. Wer die meiste Förderung für sich gewinnen kann, kommt eine Runde weiter. 

Somit entscheidet zunächst nur das Publikum bzw. die SpenderInnen wer die Chance bekommt, den Preis zu gewinnen. Für Markus Sauerhammer von der Crowdfunding Plattform Startnext ist das die Erfüllung eines Traums:

“Wie fühlt sich ein Tag an, an dem Geschichte geschrieben wird!? Heute ist so ein Tag! Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung kombiniert über den Deutscher Integrationspreis klassische Stiftungsförderung mit #Crowdfunding für die Realisierung gesellschaftlicher Innovationen gemeinsam MIT der Gesellschaft. 

Gerade eben sind 40 Projekte für die Integration Geflüchteter ins Crowdfunding gestartet. Mit Deiner Unterstützung entscheidest Du über die Vergabe einer zusätzlichen Stiftungsförderung! (...)

Gerade eben sind die Projekte ins Crowdfunding gestartet. Den ersten Teil vom Preisgeld vergibt die Stiftung anhand der Anzahl von Unterstützern - also welche Idee schafft es die Menschen zu begeistern und auf die eigene Reise mitzunehmen.(…)”

Einige Initiativen sehen dies jedoch kritisch. Anstatt die wirklich erzielte gesellschaftliche Wirkung entscheiden somit eher gute PR und Fundraising-Strategien über den Sieg in der ersten Runde des Wettbewerbs. Aus diesen Gründen hat die Job-Plattform für Geflüchtete “Workeer” sich aus dem Wettbewerb zurückgezogen: 

"(...) Häufig sind Projekte z.B. aufgrund ihrer Themen für potentielle Unterstützer mehr oder weniger greifbar und dadurch dementsprechend mehr oder weniger attraktiv als andere.

Zum anderen läuft es den eigentlichen Zielen von Hilfsinitiativen zuwider viel Zeit und Energie in die Öffentlichkeitsarbeit für einen solchen Contest, anstatt in ihre eigentlich so wichtige Arbeit zu investieren. Hier wird mit dem Wettbewerb aus unserer Sicht wirklich Schaden angerichtet.

Zu guter Letzt werden durch die Wettbewerbsform häufig gut befreundete Initiativen gegeneinander ausgespielt, die jetzt händeringend gegeneinander um Spender werben, um so ihre Projekte am Leben zu erhalten."

Eine kontroverse Sache also. Aber davon kann der soziale Sektor nur profitieren. Grenzen schieben, Neues ausprobieren, Scheitern, Verändern. Schaut Euch die Projekte an unter Deutschen Integrationspreis und stimmt für Euren Lieblingsprojekt ab. Oder eben nicht.